Kommentar: es ist soweit…und niemand will es haben kommen sehen !

Liebe Leser und Mitbeter, liebe Christen und Freunde der verfolgten Kirchen, jahrelang haben wir vom „Berliner Gebetskreis verfolgte Kirche“ es verbreitet, von den „Dächern“ des Internets gepredigt und im direkten Gespräch durchscheinen lassen: der Hass auf Christen, auf das Evangelium und den, der es verkörpert, ist international, kann nicht auf bestimmte Regionen oder soziale Umstände abgeschoben werden. Europa war lange Zeit scheinbar eine „Insel der Seligen“ und die Kirchen wandten den verfolgten Geschwistern aus Ignoranz und Selbstgefälligkeit nur allzuoft den Rücken, oder vielmehr die „kalte Schulter“ zu. Man wollte nicht über Ursachen und Formen der Christenverfolgung und -ermordung nachdenken. Das rächt sich nun, denn die Gewalt, die etwa Regionen wie Nord-Nigeria seit Jahren beherrscht, kommt nun auch zu uns. Und wir sind darauf in keiner Hinsicht vorbereitet.

Priester Jacques Hamel

Priester Jacques Hamel

Sie werden es gelesen haben, liebe Mitbeter, Mitchristen und Freunde der verfolgten Gläubigen: am 25. Juli 2016 drang ein zweiköpfiges, islamisches Mordkommando während der Messe in die Kirche von St.Etienne du Rouvray ein, setzte die Anwesenden fest, hielt dem anwesenden Priester einen Islamvortrag und schlitzte ihm dann die Kehle auf. Ja, ich muss diese Dinge so eindeutig beschreiben, denn vor allem in deutschen Medien hieß es spontan immer „Geiselnahme in Kirche“ o. ä. Wer da nicht genau mitlas oder in den letzten Monaten zwischen den Zeilen zu lesen gelernt hatte, dem entging die geistliche Relevanz, der mit barbarischer Brutalität durchgeführten Bluttat vielleicht gänzlich. Nein, es ging nicht um Geld, nicht um ein „Fluchtauto“ oder was uns sonst so immer beim Begriff „Geiselnahme“ durch den Kopf geht.

Es ging den Tätern, von denen einer, so will es die Presse wissen, sogar eine Fußfessel trug und damit als Straftäter den französischen Behörden nicht unbekannt war, darum, einen christlichen Geistlichen zu ermorden. Ein Statement für den „Daesch“, den „Islamischen Staat“ abzugeben. Und das haben sie in unmissverständlicher Art und Weise getan, ähnlich wie der Rucksack-Bomber von Ansbach, nur einen Tag zuvor. Der Terror ist längst schon nach Europa eingewandert, der Christenhass selbstverständlich auch. Wer in den letzten Jahren die Weitsicht hatte, die Menetekel zu erkennen, die allzudeutlich an der Wand standen, musste sich (und wird das wohl auch weiterhin) vor allem in der Kirche allzuoft anhören, er würde „Richtgeist“ beweisen, den „gesellschaftlichen Frieden“ stören oder „Unversöhnlichkeit“ beweisen. Womit und wie das gehen soll, war den Nachfolgern des Zeitgeistes, die innerhalb der Kirchen den Heiligen Geist längst beiseitegeschoben haben, nie so recht zu entlocken. Das einzig gemeinsame all dieser Argumentation war, dass zu ihrer Untermauerung willkürlich Bibelstellen herangezogen wurden, ohne auf Zusammenhänge oder Kontext Rücksicht zu nehmen.

Nein, die Bluttat in Frankreich deutete sich an. Einbrüche in Kirchen, Vandalismus gegenüber Kirchen in „Problemvierteln“, das Abfackeln einer Kirche in Garbsen bei Hannover, die von den Medien kleingehaltene Tatsache, dass während der Silvesterpogrome gegen Frauen in Köln, aus den Kreisen der aktiv Beteiligten auch mehrfach bewusst Feuerwerksraketen auf den Kölner Dom abgefeuert wurden (der danach nicht aus Protest verdunkelt wurde, da der Herr Woelki lieber Bootfährt), Pöbeleien auf deutschen Schulhöfen, die nicht zuletzt mit dem Begriff „Scheiss-Christen“ garniert werden, Kirchen-„Besucher“, die in Taufbecken urinieren… Es gärte schon länger. Kirchen wurden und werden noch als Symbole der „christlich-abendländischen Kultur“ wahrgenommen und deswegen schon gehasst. Ganz gleich, ob sich in deren Inneren nun „interreligiöse Dialoge“ abspielen oder Imame zur Predigt geladen werden. An der Kirche als Institution ebenso wie an Kirchenbauten reagieren sich gerne alle Extremisten ab. Linksradikale, Rechtsradikale und seit Jahren auch Islamo-Radikale. Bislang jedoch war in Europa die Gewalt gegen Geistliche unüblich. Ein böses Wort gegen den Ortspfarrer, ein böser Brief an ein Gemeindebüro oder an ein Bistum war das Höchste, was jenseits der „Gewalt gegen Sachen“ zu erwarten stand.

Das hat sich nun nachhaltig verändert. Priester sind nicht mehr „sakrosankt“. Man kennt das aus Nahost, aus Ägypten, Nigeria, usw. Diese Art „geistlicher Auseinandersetzung“, anders gesagt: der Ausrottung des Christentums und seiner Verkündiger, der Vertreibung und massiven Gewalt gegen Christen, kannten wir nur aus den Nachrichten. Den Nachrichten, die rührige Organisationen wie „open doors“ oder die „Hilfsaktion Märtyrerkirche“ und andere Aufklärungs- und Hilfswerke, sammeln und verbreiten. Nachrichten, die in deutschen Kirchen und Gemeinden oftmals keinerlei Widerhall finden (fanden ?). Wenn man Geschwistern davon erzählte, bekam man noch vor kurzer Zeit von „Der spinnt doch!“ bis „Ich hatte ja keine Ahnung.“ so ziemlich alle Reaktionen zu sehen. Aber, wie mir eine Schwester mal deutlich sagte: „Das ist doch alles so weit weg. Das interessiert doch hier niemanden, die beschäftigen sich doch in Kirchengremien lieber mit der Farbe, in der die Kirchentür gestrichen wird.“

Aber diese Ausrede zählt nun nicht mehr. Nordfrankreich liegt nicht am anderen Ende der Welt. Die fehlende Solidarität mit den Kirchen Afrikas, Nahosts oder Zentralasiens kann und darf hier nicht mehr greifen, so eklig ich sie ohnehin immer fand. Die Frage, die sich jetzt heimlich in die Gedanken der Gläubigen einschleicht, ist doch die, ob ihr Pastor, ihre Kirche das nächste Opfer eines Anschlage sein wird. Haben wir mit der Flüchtlingswelle, die über Deutschland hereinbrach, auch den Christenhass importiert, oder sein Potential weiter angeheizt ? Was umso absurder erscheint, da die kirchlichen Opfer zumeist diesen „Traumatisierten“ aller Welt mit offenen Armen entgegengingen und halfen, wo es nur möglich war. Auch der ermordete Priester in Frankreich war zweifellos ein Mann des Friedens und der Toleranz. Die „Welt“ schreibt dazu:

Erst wenige Wochen vor seinem Tod hatte der ermordete Priester seine Gemeinde dazu aufgerufen, die Welt „wärmer, menschlicher und brüderlicher“ zu gestalten. In einem Gemeindebrief von Anfang Juni schrieb er, seine Leser sollten aufmerksam verfolgen, was sich in der Welt gerade ereigne. „Beten wir für jene, die es am nötigsten haben, für den Frieden, für ein besseres Zusammenleben.“

Die Welt ist ein schrecklicher Ort und staatlicher Schutz, weltliche Ordnung lösen sich offensichtlich gerade auf. Ganz im Gegenteil sind Politiker, Parteien und die ihnen weisungsgebundenen Medien und Behörden scheinbar darum bemüht, Fakten weitgehend zu ignorieren und eher täter-orientiert zu handeln und zu reden. Opfer, auch christliche Opfer, spielen im Ringen um das Verschleiern der islamischen Motivation vieler Täter der jüngsten Zeit, kaum noch eine Rolle. Man will ja keinen Konflikt zwischen Muslimen und Christen herbeireden. Das würde nur den Tätern dienen. Nur ist dieser Konflikt längst da. Der Krieg ist uns vom Daesch und allen ihnen Nahestehenden doch längst erklärt worden ! Man erinnere sich an die Videos, die nach der Enthauptung der ägyptischen Christen in Libyen im Netz auftauchten, wo ganz eindeutig erklärt wurde, jetzt gehe es „übers Mittelmeer“. Diesen Ankündigungen lassen die Terroristen nun Taten folgen und nehmen dabei auch 86-jährige Priester ins Visier. Als Symbole für Kirche, Christentum, Evangelium und europäische Kultur. Diese Tatsachen, denen sich in Europa kaum jemand stellen will, erst einmal anzuerkennen, ist m. E. nach jetzt „erste Christenpflicht“. Ignoranz, „Vogel-Strauß-Politik“ und schöne „eine-Welt-alles-ist-gut“-Predigten brauchen wir Kirchgänger jetzt nicht mehr.

An Iraqi Christian woman holds a cross during a mass at the Church of the Virgin of Nasiriyah in AmmanWas wir brauchen ist geistliche Orientierung vor dem Hintergrund des „Ist-Zustandes“ unserer Welt, vor dem Hintergrund einer sich wandelnden, sozialen und kulturellen Realität. Das mag manchmal unbequem sein, weil wir uns von liebgewordenen Illusionen (wie etwa der vom „eigentlich sind ja alle Menschen gut“ und „alle kommen in den Himmel“) verabschieden müssen, was gerade im institutionalen Rahmen der Kirchen sicherlich schwer fallen wird. Das tut mir leid, aber in einer Kirche, wo heute noch Zeugs wie „es gibt keine islamische, geistliche Herausforderung“ und „wir müssen Hass mit noch mehr Liebe begegnen“ gepredigt wird, da halte ich mich lieber fern. Und rate auch anderen dazu. Nein, auch ich sage nicht, dass Hass mit Hass begegnet werden sollte, aber ich setze mich immer für rationale Analysen und auch rationales Verhalten ein. Gott gab auch uns Christen einen Verstand. Benutzen wir ihn doch, das kann nicht gottlos, sündig oder „politisch-unkorrekt“ sein ! Wenn mir jemand das Messer an die Kehle halten will, werde ich versuchen, mich zu wehren und die Situation zu überwinden. Die „andere Wange“ halte ich hin, wenn mein Leben nicht auf dem Spiel steht und nur mein Ego, meine Eitelkeit verletzt werden kann. Das ist manchmal viel schwerer, wie wir ja aus der Bibel wissen, die uns lehrt, dass „die Zunge“ kaum zu kontrollieren ist.

Und wer mir jetzt mit dem „liebe Deinen Nächsten“ kommt, dem erkläre ich hiermit: Nein, die Täter von St. Etienne du Rouvray sind meine Nächsten nicht ! Sie kommen ja auch von weit her. Sie können kaum noch als „Mitmenschen“ durchgehen, da sie sich auf eine barbarische Unkultur berufen, die keinerlei mit unserem Europa vergleichbaren Standards aufweist. Stattdessen wollen sie ein holzschnittartiges „Gut-Böse“-Schema durchsetzen, welches die Menschheit in „Gläubige“ und „Ungläubige“ aufteilt. Wobei letztere zu bekehren, zu töten oder zu unterjochen sind.
Hätte ich auch den Nazis „die andere Wange hinhalten“ sollen ? Bonhoeffer, Galen, Lichtenberg und Niemöller kamen da zu eher differenzierten Antworten. Nicht umsonst spricht man im Hinblick auf die Nazi-Diktatur auch von einem „Kulturbruch“, der bewusst die antiken, christlichen und auch aufklärerischen Wurzeln Europas mit Füßen trat. Wer hier keine Parallelen zum IS/Daesch sieht, dem ist auch nicht mehr zu helfen. Nein, meine Nächsten sind die Mörder nicht, stattdessen sind es die Opfer der Bomben-, Axt-, Lastwagen-, Schusswaffen-  und Messerangriffe der letzten Zeit. Für ihre Seelen und den Trost ihrer Angehörigen kann ich beten, mich mit diesen identifizieren. Ich kann auch für die Abkehr der Täter von ihrem Tun beten und für die Hoffnung, sie mögen Zugang zum Evangelium finden, aber „lieben“, sorry, kann ich meine potentiellen Mörder nicht. Die beinahe völlig ausgestorbenen Kirchen der Türkei, des Iraks oder Nordafrikas gemahnen mich daran, dass das Evangelium auch komplett in einem Land, in einer Weltregion verloren gehen kann. Wer mich jetzt als „schlechten Christen“ hinstellen will, als jemanden der auf Christi Stärke nicht vertraue, der mag das tun, es juckt mich mittlerweile nicht mehr, weil ich gesehen habe, WER zumeist solche Vorwürfe erhebt.

Jacques Hamel, ruhe in Frieden. Mögen viele Menschen aus deiner Ermordung lernen, die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Ihr

Clemens Kurz

(Quelle: „Welt online“ vom 26. Juli 2016)

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Ein Gedanke zu “Kommentar: es ist soweit…und niemand will es haben kommen sehen !

  1. Du hast recht, lieber Clemens Kurz. Wunderbarer aufklärender Artikel.
    Deine Glaubensschwester Magdalena

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