Indonesien: keine Ruhe für Christen in Aceh-Provinz

Liebe Leser, Mitbeter und Freunde der verfolgten Kirchen, Sie wissen es sicher alle: Indonesien ist trotz der weiten, religiösen Vielfalt, die im Lande vorhanden ist, kein Beispiel für musterhaftes Zusammenleben der verschiedenen Glaubensrichtungen. Die indonesische Verfassung sieht eigentlich das freie Bekenntnis seiner Bürger vor, aber „Papier ist ja geduldig“ und die Realität sieht oftmals ganz anders aus. Buddhisten, Hindus und Traditionalisten auf Bali etwa wissen, wie islamische Terroranschläge aussehen, die sich primär gegen Touristenzentren richten. Und die Christen in der Provinz Aceh auf der Insel Sumatra können ebenso von unbehelligter Religionsausübung nur träumen. 

Indonesien

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Die Aceh-Provinz Indonesiens hat sich vor einigen Jahren das islamische Recht erstritten. Im Rahmen der regionalen Selbstverwaltung gilt in Aceh seitdem die islamische Scharia als Grundlage jeglicher Rechtsprechung. Deshalb sehen sowohl religiöse „hardliner“ als auch weite Teile der Verwaltung und Regionalregierung religiöse Minderheiten (also alle, die keine sunnitischen Muslime sind) als Freiwild an, das nach Belieben schikaniert und zur Auswanderung gedrängt werden kann.

Die christliche Hilfsorganisation „open doors“ berichtete erst im Oktober 2015 von massiven Ausschreitungen in Aceh gegen christliche Kirchen. So sollen islamische Fanatiker bereits Anfang des betreffenden Monats die Forderung aufgestellt haben, alle Kirchen der Provinz zu schließen, die über „keine Baugenehmigung verfügen“. Ihre Anhänger sollen sie dazu aufgefordert haben, bei Nichtbeachtung dieser Forderung, die entsprechenden Kirchengebäude aufzufackeln. Am 13. Oktober 2015 haben sie schließlich damit begonnen, diese Forderung in Taten umzusetzen, indem sie zunächst vor der Regionalverwaltung des Regierungsbezirks Aceh Singkil aufmarschierten, um dann daraufhin das örtliche Gebäude der „Indonesian Christian Church“ niederzubrennen.

Wie besorgte Christen berichten, blieb es nicht bei der einen Kirchenschändung, sondern es wurden insgesamt (Angabe von „persecution.org“) ZEHN Kirchen in Aceh angezündet. Daraufhin kam es zu einer Fluchtwelle von mehreren Tausend („open doors“  spricht von 8.000) Christen in die Nachbarprovinzen Acehs. Mittlerweile soll sich der ursprüngliche Aufruhr etwas „abgekühlt“ haben, so dass Christen trotz weiter drohender Pogrome, wieder nach Hause zurückkehren wollen. Es war mit lokalen Verwaltungen die Option verhandelt worden, an Stelle der abgebrannten Gotteshäuser Zelte zu errichten, wo Christen zukünftig bis auf weiteres den Gottesdienst verrichten sollten. Den Hasspredigern ist aber kein Kompromiss zu vermitteln und so wird weiter darauf gedrängt, auch diese Provisorien wieder abzureißen. Denn es gibt jetzt „plötzlich“ Unstimmigkeiten darüber, ob diese Zelt-Provisorien nun ausschließlich für die Weihnachtsfeierlichkeiten gedacht waren oder dauerhafte, freie Religionsausübung symbolisieren sollten, wie „persecution.org“ weiter publiziert. Die christlichen Vertreter betonen, es hätte keine zeitlichen Einschränkungen für die Zeltkirchen gegeben, eine „Scharia-Religionspolizei“ der Provinz und manche, örtliche Behörden drängten und drängen jedoch auf einen Abriss der Zelte. Indonesische Religionsfreiheit eben.

Das Problematische an solchen Schilderungen ist, dass die Sicherheits-, Justiz- und Verwaltungsbehörden oftmals den Anliegen religiöser Minderheiten gegenüber gleichgültig gegenüberstehen oder sogar Sympathien für die radikalislamischen Kreise haben, welche die verfassungsmäßig garantierten Bürgerrechte mit Füßen treten. Wir haben dies in verschiedenen Fällen der Vergangenheit beobachten müssen (Stichwort: „Yasmin-Gemeinde“ in Bogor). Insofern verwundert es auch nicht, dass viele Kirchen, die alle Voraussetzungen für die Baugenehmigung erfüllen, dennoch über kein solches Papier verfügen. Der schlimmste Fall ist aber der oben verlinkte Fall der Yasmin – Gemeinde von Bogor, die nicht nur alle Voraussetzungen zum Bau ihres Gotteshauses erfüllte, sondern diese Genehmigung auch behördlicherseits erhalten und vor dem höchsten Bundesgericht Indonesiens gegen Vorwürfe der „Manipulation“ verteidigt hat. Und dennoch dürfen sie bis heute ihr Grundstück nicht betreten und dort nicht an ihrer Kirche weiterbauen, weil radikale Islamisten mittlerweile in Indonesien über soviel Einfluss verfügen, dies zu verhindern. Und das eben NICHT einmal in der Scharia-Provinz Aceh, sondern im Großraum Jakarta auf Java. Wir können also nur erahnen, was Christen dort so alles zugemutet wird.

In diesem Sinne also: Weiterbeten für Indonesien, für die Glaubensflüchtlinge aus Aceh, die z. T. im Dschungel hausen sollen, wie „open doors“ berichtet. Und: lernen. Scharia bedeutet Einschränkung der Bürgerrechte für Nichtmuslime und sogar für muslimische „Sekten“ wie die Ahmadiyya, die in Indonesien ebenfalls einen schweren Stand hat ! Wir haben gerade erst die Abschaffung von Weihnachten in Brunei erlebt, das ebenfalls die Scharia zur Grundlage der Rechtsprechung erklärt hatte. Christ in Südostasien zu sein wird jedenfalls immer mehr zum unfreiwilligen „Abenteuer“. Beten wir weiter.

(Quellen: „open doors“ vom 21. Oktober 2015 und „persecution.org“ vom 08. Januar 2016)

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