Indien: etwas vom „Alltag“ der Christen zu Weihnachten-Bibelverbrennung

Der „Alltag“ christlicher Religionsausübung unterscheidet sich zwischen Deutschland und Indien doch sehr. Nicht, dass das Klima etwa für eine andere Theologie sorgen würde oder Christen auf dem „Subkontinent“ so ganz andere Rituale pflegen würden, als wir, Ihre Geschwister in Europa. Nein, der Alltag vieler gläubiger Inder unterscheidet sich vor allem dadurch von unserem, dass sie, sobald sie als Nachfolger Christi erkennbar sind, mit verbaler und physischer Gewalt rechnen müssen. Nicht, dass wir hierzulande in bestimmten städtischen Ballungsräumen und Regionen nicht auch mit Abscheu rechnen müssen, wenn wir etwa ein sichtbares Kruzifix um den Hals tragen, aber sobald es Prügel regnet, dürfen wir immerhin auf Schutz durch die Sicherheitsbehörden rechnen.

Karte von Indien

Indien

In Indien sieht das oft anders aus. Aber schauen wir mal auf das jüngste Beispiel aus Hyderabad, welches sich zu Weihnachten 2015 ereignete. Die friedvoll-fröhliche Zeit, in der wir Christen die Geburt des Erlösers und damit die „fleischgewordene“ Liebe Gottes zu den Menschen feiern, ist für die immer intoleranter werdende, hinduistisch geprägte indische Gesellschaft eher ein Anlass, die „Andere-Wange-Hinhalter“ noch ein bischen mehr zu quälen, wenn sie öffentlich sichtbar werden. So auch jüngst in einem Vorort von Hyderabad, wo Mitglieder der Gemeinde des „Rehoboth Gebetshauses“ im Vorfeld des diesjährigen Weihnachtsfestes in einer Art „Straßen-Bekenntnis“ Passanten zum Mitfeiern einluden und dazu schriftliche Einladungen, Bibeln und Traktate verteilten.

Soweit, so normal. Straßenevangelisation ist, trotz des notorischen Unwillens unserer Großkirchen zur Binnenmission, auch hierzulande ja nicht unbekannt. Wo wir in Deutschland jedoch höchstens mit etwas Geschimpfe auf angeblichen, „christlichen Fundamentalismus“ oder auf fruchtlose Diskussionen mit fanatischen Atheisten rechnen müssen (ich spreche aus Erfahrung!), aber ansonsten meist nur mit achselzuckendem Desinteresse „abgestraft“ werden, da geht es in Indien anders zu. Die Mitglieder des Rehoboth Gebetshauses wurden nämlich von vermeintlichen Angehörigen hinduistischer Interessengruppen umringt, attackiert und ihrer Bibeln und sonstigen Schriften beraubt. Diese wurden dann unverzüglich vor ihren Augen angezündet. Bibelverbrennungen! Im Jahre 2015! In einem zivilisierten Land und nicht etwa in Afghanistan oder dem Jemen! Haben Sie in Ihrer Gemeinde davon gehört, in ihren Zeitungen davon gelesen oder mit Ihrem Pastor darüber diskutiert ? Nein, die Weihnachtsfreude hält uns oftmals davon ab, solch „unangenehmes Zeugs“ in der Gemeinde zur Sprache zu bringen oder wenigstens im Haus- oder Bibelkreis. Ich kenne diese Überlegung, jetzt nicht „mit dem immergleichen Thema“ anzufangen zur Genüge und habe auch oft geschwiegen, selbst außerhalb der Adventszeit, glauben Sie mir das, liebe Leser. Aber BIBELVERBRENNUNGEN ???

Wie auch immer: die Christen in Hyderabad wollten sich schließlich in Sicherheit bringen und in eine Seitenstraße ausweichen, während sie weiterhin geschlagen und verbal beleidigt wurden. Dort warteten jedoch weitere Hindu-Fanatiker auf sie, so dass sie sich wiederum umringt sahen. Bruder Santosch, 35, der versuchte, die Geschwister in Sicherheit zu bringen, wurde daraufhin verprügelt, zu Boden gezerrt und getreten. Nachdem er später in ein nahegelegenes Krankenhaus gebracht wurde, stellte man Platzwunden, Prellungen und Rippenbrüche bei ihm fest. Er selbst berichtet über die lebensgefährliche Situation:

Ich konnte nicht mehr atmen, als mir 15 oder mehr Leute in den Bauch traten. Sie schlugen und traten mich mindestens 10 Minuten lang. Ich bemerkte, wie mir das Blut aus dem Mund trat, ich wurde sehr durstig und alles um mich herum verschwamm. Ich konnte den Schmerz nicht mehr ertragen. Niemand holte mich aus dieser lebensgefährlichen Situation heraus.

Nachdem Santosch halbtot liegengelassen wurde, gingen die Hindu-Radikalen auf die anderen Mitglieder der Gruppe los. Nachdem sie schließlich den Transporter gefunden hatten, in dem die Mitglieder des Rehoboth-Gebetshauses ihre Traktate und Bibeln zum Straßeneinsatz gebracht hatten, brachen sie das Fahrzeug auf, warfen alle Schriften auf einen Haufen und zündeten diesen an. Bücherverbrennung, Bibelverbrennung. Auf offener Straße. Unwidersprochen. Wir kennen das aus unserem Land aus finstersten Zeiten. Diese Zeiten sind jedoch in weiten Teilen Indiens (zumindest im Bezug auf Religionsfreiheit) heute brandaktuell und längst nicht überwunden !

Für mich das Schlimmste an diesen Ereignissen ist, dass sie ohne Widerstand durch die „Zivilgesellschaft“ stattfinden, dass kein Passant es für nötig hielt, die Polizei zu informieren, kein maßgeblicher Politiker Maßnahmen zum Schutz religiöser Minderheiten einfordert und die Sicherheitsbehörden solche Vorgänge zumeist „achselzuckend“ protokollieren und das Protokoll dann unbearbeitet abheften. Spätestens seitdem die „BJP“, eine nationalistisch-hinduistische Partei, den Ministerpräsidenten Indiens stellt, ist der öffentliche Verfolgungsdruck auf religiöse Minderheiten, speziell die Christen, die sich ja nicht wehren dürfen, immer mehr angestiegen. Unter dem Vorwand „Zwangskonversionen“ unterbinden zu wollen (natürlich nur HIN zum Christentum, denn Christen, die Hindus werden wollen, werden die roten Teppiche ausgerollt) wird dauerhafte und permanente Gewalt gegen Kirchen und Gemeinden ausgeübt. Derzeit soll sogar ein bundesweites „Anti-Zwangskonversionsgesetz“ verabschiedet werden, nachdem solche Vorschriften bislang nur in fünf einzelnen Bundesstaaten galten. Worin nun genau der „Zwang“ bestehen soll, wenn die Kirchen, die sich oftmals der sozial Schwächsten der Gesellschaft annehmen, die im noch immer in den Köpfen der Inder fest verankerten Kastenwesen als „verloren“ gelten, manchen Nachfolger Jesu gewinnen, bleibt wohl ein Geheimnis der notorisch um religiöse Gleichschaltung der indischen Gesellschaft bemühten Kreise. Das Motto „ein echter Inder ist Hindu“ scheint sich immer mehr durchzusetzen. Christen gelten als „Agenten fremder Mächte“ so wie man es etwa auch aus China, Laos oder Vietnam kennt.

Pastor David, ein Gemeindeleiter aus der Region Hyderabad, sagt deshalb auch:

Die Zustände verhärten sich bezüglich des Zeugnisablegens für den Herrn in Indien. Die Lage ist so, dass Pastoren und christliche Evangelisten nicht mehr öffentlich ihren Glauben teilen können.

Nun, wie auch immer, das, was Santosch und den anderen Mitgliedern des Rehoboth-Gebetshauses passiert ist, stellt leider keinen bedauerlichen Einzelfall dar, sondern wird seit etwa 10 Jahren immer mehr zur Normalität für die Gläubigen auf dem Subkontinent. Eine besorgniserregende Entwicklung, die man nicht einfach übersehen sollte. Zumindest im Gebet sollten wir den Geschwistern Indiens beiseitestehen, die übelst verleumdet, beschimpft, körperlich misshandelt und getötet werden.

(Quelle: „persecution.org“ vom 29. Dezember 2015)

Advertisements

2 Gedanken zu “Indien: etwas vom „Alltag“ der Christen zu Weihnachten-Bibelverbrennung

  1. Fürbitte ist auch das einzige was man „machen kann“. Diese Infos an unsere EKD Oberschicht zu senden ist leider sinnlos da unsere Kirche sich damit nicht befasst (oder befassen will ?)
    Es macht trotzdem wütend wie Christen in Indien und vielen anderen Nationen behandelt werden aber die Wirtschaftsbeziehungen und Geschäfte scheinen ja wichtiger zu sein als Menschenrechte!

    Aber Dank für die Jahrelangen Infos den bei uns in Deutschland wird es nicht mehr lange dauern bis auch dieses bei uns zum Alltag gehört.
    In Berlin Mitte sind ja zu Weihnachten Muslime fragend an Passanten herangetreten ,,wir sind Muslime und du“? Wer mit Christ geantwortet hat wurde krankenhausreis geschlagen!!!

    Leider wird dieser Vorgang Medienwirksam totgeschwiegen, Traurig 2015 Deutschland. Trotzdem gehe ich im Glauben das Jesus immer da ist in das Jahr 2016. Leichter und besser wird es nicht mehr! Man könnte wie 1933 das Lied dichten: ..die Nacht ist vorgedrungen ….“
    Ihnen auch ein Gesegnetes Jahr 2016! Jesus kommt bald! (Entrückung)

    • Ja, ich rechne auch damit, dass die offenen Verfolgungen hierzulande noch zu meinen Lebzeiten anfangen werden. Ich gehe seit einigen Jahren regelmäßig in Berlin zum „Marsch für das Leben“, da bekommt man den ein oder anderen Vorgeschmack darauf, wie Christen über kurz oder lang behandelt werden mögen, wenn sie Stellung beziehen und nicht „handzahm“ die Bibel verleugnen. Schweigen tue ich deshalb aber trotzdem nicht, dazu halte ich es zu sehr mit dem Augustinermönch, dem das Zitat in den Mund gelegt wird: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“ Was die von Ihnen erwähnte „EKD-Oberschicht“ angeht, so sind deren Ansichten leider schon viel zu sehr „an die Basis“ durchgedrungen, als dass aus dieser Richtung noch irgendetwas Positives zu erwarten wäre. Eine gute Initiative aus dieser Ecke, die „Freitags-Gebete“ für verfolgte Christen in Berlin gabs ja nur ein paar Wochen lang im Jahr 2014, weil die Gruppe der Teilnehmer einfach nicht größer wurde und der Initiator dann lieber zur „everybody´s welcome“-durchgemerkelten Linie „konvertiert“ ist. Schade, aber typisch. Jetzt bekommt er Anerkennung, Spendengelder für seine Refugee-Initiative und ist wieder „wohlgelitten“ im Kreise der EKD. Mit „verfolgten Christen“ macht man sich hierzulande keine Freunde, schon gar nicht in den Kirchen, das hat der junge Mann inzwischen kapiert. Ein Lernprozess, der traurig macht.
      Den von Ihnen erwähnten Vorgang, wo Muslime auf der Straße Menschen auf ihren Glauben anquatschen und sie bei „nicht wohlgefälliger“ Antwort dann verprügeln oder abmessern, hab ich auch mitbekommen. War eine Randnotiz in den Lokalmedien, die auch die Details der Sache nicht so recht beleuchten wollten. Typisch. Wo z. Bsp. kamen urplötzlich die „Spießgesellen“ des Einzeltäters her, die ihm dann halfen, auf die Opfer loszugehen ? …
      In diesem Sinne dennoch ein gesegnetes Jahr 2016 auch für Sie und alle anderen Leser dieses Blogs, die wissen, was die Uhr geschlagen hat !

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s