Ägypten: ungeklärte Tode von Christen in der Armee

Ein Thema, das mir so recht eigentlich erst heute auf den Plan kam, ist die Art und Weise wie christliche Soldaten in mehrheitlich von Muslimen geführten Armeen behandelt werden. Die Armee, ohnehin kein Ort des „Zuckerschleckens“ und der fröhlichen Freizeitgestaltung, ist für Christen, die sich aus Patriotismus oder sonstiger Überzeugung heraus dienstverpflichten (oder per Gesetz dienstverpflichtet werden), ein problematischer Ort, wenn sie in einer mehrheitlich muslimischen Gesellschaft aufgewachsen sind. Die alltäglichen Diskriminierungen, Ausgrenzungs- und Gewalterfahrungen im zivilen Leben können für Christen innerhalb des Militärdienstes in unerträglichen Sadismus eskalieren. Man hört diesbezüglich z. Bsp. recht zweifelhafte Dinge aus Ägypten.

Ägypten

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Der jüngste, aber beileibe nicht einzige Fall ist der des Zeitsoldaten Bishoy Boushra, der am 19. November 2015 Selbstmord begangen haben soll. Sein Vater wurde am folgenden Tag darüber in Kenntnis gesetzt und hat, wie die gesamte Familie Boushra, seine Zweifel an der These von der Selbsttötung. Denn sein Sohn, der nur 21 Jahre alt wurde und sich in seinem zweiten und letzten Dienstjahr befand, war allgemein als ausgeglichener und zielstrebiger Mann bekannt. Er hätte nur noch drei Monate abzudienen gehabt und wollte danach in ein koptisches Kloster gehen mit dem Ziel, dort Mönch zu werden.

Die Zweifel der Familie Boushra werden dadurch gestützt, dass Bishoy weder krank war, noch einen Abschiedsbrief hinterlassen hat. Außerdem ist seiner nur der letzte in einer Reihe ungeklärter und obskurer Todesfälle von Kopten in der ägyptischen Armee. Allein in diesem Jahr wurde bereits im August ein koptischer Soldat namens Baha Saeed Karam, 22, unter ungeklärten Umständen während einer „Schießerei“ getötet und bereits im Juni ein weiterer koptischer Soldat, Bahaa Mikhail Silwanus,  mit dem Stempel „Selbstmord“ ins Kühlfach geschoben. Ein wenig zu auffällig für Zufälle, meinen Beobachter und Menschenrechtsgruppen im Land am Nil.

Was diese Aktivisten u. a. bemerkt haben wollen, ist, dass z. Bsp. der Todesfall, welcher aus o. g. „Schießerei“ resultierte, bis heute nicht aufgeklärt ist und keinerlei strafrechtliche oder miltärstrafrechtliche Konsequenzen nach sich zog. Es gibt sogar keinerlei Akten darüber, dass dieser Fall überhaupt untersucht wurde ! Weil dies aber scheinbar kein Einzelfall zu sein scheint, wird darüber spekuliert, dass die ägyptische Regierung das Problem der besonderen Brutalität im Militär gegenüber Christen negieren und einfach nicht zur Kenntnis nehmen will. Was nicht sein darf, das ist auch nicht. Basta.

Das Problem dabei, dieser Situation auf den Grund zu gehen und sie den Verschleierungsversuchen der höheren Ränge zu entziehen, ist es, dass das ägyptische Militär per se unzugänglich ist und alles, was mit „Landesverteidigung“ zu tun hat, letztlich „intern“ geregelt wird. So sagen es zumindest Beobachter wie Mina Thabet von der ägyptischen „Kommission für Rechte und Freiheiten“. Durch diese Umstände ist es auch schwer, wenn nicht fast unmöglich, aktive Verfolgung von Christen im Militär konkret nachzuweisen.

Es ist üblich geworden für die Regierung überhaupt alles zu verschleiern und das macht die Details jeglicher Probleme, die existieren mögen, unscharf. Das passiert üblicherweise, wenn die Angelegenheit die Armee oder die Polizei betrifft. Normalerweise wird alles dementiert, so dass die Öffentlichkeit nie erfährt, was wirklich passiert.

Mina Thabet prangert weiterhin den Anspruch des Militärs an, dass die Bevölkerung alles glaubt, was es veröffentlicht. „Wenn wir sagen, es ist Selbstmord, dann ist es Selbstmord.“ skizziert Frau Thabet diese Haltung.

Aber die Reihe ähnlicher Vorfälle lässt sich weiter zurückverfolgen. Im Jahre 2006 berichtete der koptische Soldat  Hany Seroufim seiner Familie von permanenter Schikane und Misshandlung durch einen vorgesetzten Offizier, weil er Christ sei. Selbiger Offizier habe ihn unmißverständlich dazu aufgefordert, zum Islam zu konvertieren, um wieder die gleiche Behandlung zu erfahren, wie andere Soldaten auch. Soviel zur auch hierzulande üblichen Mär, es gäbe „keinen Zwang in der Religion“ des Islam, denn solche Vorfälle werden aus vielen Ländern berichtet. Offensichtlich muss Hany Seroufim aber dem Druck widerstanden haben, denn seine misshandelte Leiche wurde im August 2006 im Nil treibend aufgefunden. Auch hier wurde keine (der Öffentlichkeit bekannte !) Untersuchung durch die Militärbehörden eingeleitet und niemand juristisch zur Rechenschaft gezogen.

So ergibt sich ein neues Feld des Gebets für uns Christen, die mit offenen Augen durch die Welt gehen. Wir können und dürfen unseren Himmlischen Vater um Frieden für die gequälten Gläubigen im ägyptischen Militär bitten, um ebensolchen Frieden für ihre Familien und Freunde. Und darum, nicht Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Bitten können wir auch um einen Bewusstseinswandel im ägyptischen Militär und in allen Armeen, wo Christen Minderheiten darstellen, damit diese ihren Militärdienst gleichberechtigt und frei ableisten können.

(Quelle: „Morning Star News“ vom 11. Dezember 2015)

 

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