Ägypten: Kopte bleibt inhaftiert, schuldlos

Wie es um Dinge wie „Rechtsstaatlichkeit“ oder ein faires Verfahren in vielen Ländern dieser Welt bestellt ist, zeigt uns u. a. der Fall des ägyptischen Christen Bishoy Garas. Dieser ist bereits seit 38 Monaten inhaftiert, ein Freispruch von der Anklage der „Beleidigung des Islam“ steht unmittelbar bevor, aber um auf „gesellschaftliche Sensitivitäten“ Rücksicht zu nehmen, wird Bishoy nicht aus der Haft entlassen. Dröseln wirs mal auf, was ist eigentlich passiert ?

Bishoy_GarasBishoy Garas ist Christ, Kopte, um genau zu sein, und ‚Ägypter. Er besitzt oder besaß ein Facebook-Konto. So weit, so normal. Im September 2012 wurde Bishoy wegen „Beleidigung des Islams, des Präsidenten Mursi und der Schwester eines muslimischen Scheichs“ zu sechs Jahren Haft verurteilt. Er soll diese „Beleidigungen“ auf seinem Facebook-Konto publiziert haben.

Fakt ist aber: es wurde zuvor von Unbekannten ein zweites Facebook-Konto in Bishoys Namen eingerichtet, womit er nichts zu tun hatte. Aber Bishoy Garas erlangte Kenntnis von diesem „Fake-Konto“ und warnte explizit auf seinem echten FB-Auftritt vor diesem von ihm nicht authorisierten Treiben. Auch informierte er als anständiger Bürger sofort die zuständigen Polizeibehörden über diese Angelegenheit.

Was dann folgte, ist beispielhaft für Staaten, in denen Christen Menschen zweiter Klasse sind. Bishoy Garas wurde aufgrund der Ermittlungen, zu denen er durch seine Anzeige selbst Anlass gegeben hatte, angeklagt und, wie schon erwähnt, 2012 verurteilt. Schon damals soll es, so „World Watch Monitor“ reichlich Belege seiner Unschuld gegeben haben, aber Christen wegen „Blasphemie“ und ähnlicher Delikte ins Gefängnis zu stecken, war in den Monaten vor der Machtübernahme des Generals al-Sisi, in den „Mursi“-Zeiten, eben „en vogue“. Jetzt aber läuft Bishoys Berufungsverfahren und hier sah es eigentlich wieder gut aus. Reichlich Beweise, die im ersten Verfahren, wie gesagt in der „Muslimbruder-Mursi-Zeit“, nicht zugelassen worden waren, kamen jetzt zum Tragen.

Aber auch jetzt noch nimmt die ägyptische Justiz offensichtlich Rücksicht auf radikalislamische Kreise. Vielleicht wünschen sich die jetzigen Machthaber Ägyptens einfach „Ruhe im Lande“ und haben ihre „Lektion“ u. a. auch aus den Anschlägen in Frankreich gelernt, die da heißt: „Lieber nicht provozieren, sonst fliegt uns im wahrsten Sinne des Wortes das Land um die Ohren.“ Und als Provokation sieht man im Nil-Staat offensichtlich die Freilassung eines Christen aus dem Gefängnis an. So einfach ist das, lassen wir uns nichts anderes erzählen. Die Trennung zwischen Politik, Justiz, Medien und Religion ist hierzulande nicht gerade ausgeprägt.

Bishoys Anwalt, Magdy Farouk Said, berichtet davon, dass er sicher sei, das Ersturteil würde keinesfalls bestätigt. Bereits am 25. Juli 2015 hat der Kassationsgerichtshof in Kairo das Ersturteil „kassiert“. Es ist also nur noch eine Frage des „Wann, Wo und Wie“ die nächste, juristische Instanz die Freilassung von Bishoy Garas verkündet. Bereits am 14. November 2015 hätte ein Richter die Möglichkeit, den Kopten aus der Haft zu entlassen, nutzen können. Wie der Anwalt Bishoys weiter berichtet, habe dieser Richter aber wegen der „besonderen Sensitivität“ des Falles die Angelegenheit auf…jetzt kommts…FEBRUAR 2016 verschoben. Frohe Weihnachten, Bruder Bishoy (ja, die Kopten feiern Weihnachten später, am 06. Januar, aber dennoch dürfte er zu dieser Zeit wohl weiterhin im Knast sitzen !!!!!!!!!).

Bitte beten doch auch sie für Bishoy Garas, der NICHTS FALSCH GEMACHT hat und dennoch aus politischen und religiösen Gründen angeklagt und zu einer Haftstrafe verurteilt wurde. Bitten wir den Vater im Himmel doch darum, dass Er dieser Travestie eines rechtsstaatlichen Verfahrens ein Ende macht und damit den christenfeindlichen Kreisen im Lande aufzeigt, dass sie nicht immer mit dem massiven Druck, den sie auf Richter, Anwälte und sonstige Justizangestellte in vergleichbaren Verfahren gegen Christen ausüben, durchkommen können ! Bishoy Garas gehört nach Hause zu seiner Familie !

(Quelle und ausführliche Informationen/Englisch: „world watch monitor“ vom 17. November 2015)

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