China: Gao Zhisheng spricht erstmals über seine Zeit im Gefängnis

Liebe Freunde des BGvK, liebe Mitbeter und Leser, Sie kennen sicher, wenn Sie schon von Anfang an bei uns mit dabei sind, den Fall des chinesischen Anwalts Gao Zhisheng. Dies war einer der ersten Fälle, die wir hier im Blog aufgegriffen und konsequent weiter verfolgt haben. Er hatte u. a. Bürger vertreten, die von Staatskonzernen eingeschüchtert wurden und auch Mitglieder der meditativen „Falun-Gong“ Bewegung juristisch betreut. Aber hier keine weitere „Rückschau“, sondern nur der Hinweis auf unser Blogarchiv, in dem die Entwicklung des Falles Gao inklusive diverser Details nachvollzogen werden kann.  

Gao Zhisheng

Gao Zhisheng

Gao Zhisheng, der chinesische Christ und Anwalt, der lange Zeit im Gefängnis verbrachte und sogar mal für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen worden ist, wurde am 07. August 2014 nach mehrjähriger Haft freigelassen. Erste Berichte sprachen davon, dass er ein „gebrochener Mann“ sei, der physisch am Ende sei und auch mental Anzeichen für eine Abstumpfung erkennen liesse. Aufgrund von Mangelernährung im Gefängnis in der Xinjiang-Provinz seien ihm Zähne ausgefallen und er sei sehr anfänglich sehr abgemagert gewesen.

Nun, mehr als ein Jahr danach, gab Gao Zhisheng der US-Nachrichtenagentur „Associated Press“ (AP) jetzt ein Interview, in dem er relativ offen über die Folter spricht, der er im Gefängnis ausgesetzt wurde. Zwar setzen verschiedene Webseiten Anführungszeichen um den Begriff der Folter, ich selbst tue dies aber nicht, da ich fest davon überzeugt bin, dass Gao Zhisheng nicht lügt. Was aber die Bedeutung des Gefängnisses im repressiven System der Chinesischen Kommunistischen Partei angeht, so ist vielleicht folgende Aussage Gaos besonders bemerkenswert:

Jedes Mal, wenn einer von uns (Gefangenen, Anm. d. Übersetzers) lebend wieder auftaucht, ist das eine Niederlage für unsere Gegner.

Implizit heisst dass: Chinas Gefängnisse sind letztlich Orte, wo Regimegner und gesellschaftlich Unbequeme abgeladen werden, um auf „Nimmerwiedersehen“ zu verschwinden. Weiterhin sprach Gao von monatelanger Einzelhaft, in der er gehalten wurde, von akustischem Terror, der mittels lautstarker Dauerberieselung mit Staatspropaganda auf ihn ausgeübt wurde und von Folter mittels elektrisch aufgeladener Schlagstöcke, mit denen er ins Gesicht geschlagen wurde. Die mangelhafte, medizinische Versorgung im letzten Gefängnis, in dem Gao Zhisheng Zeit verbrachte und die willkürliche Behandlung von Besuchsanfragen lässt er scheinbar unerwähnt. Sie scheinen im chinesischen Strafvollzug allzusehr zum Normalfall zu gehören.

Schon vor einigen Jahren hatte Gaos Ehefrau, Geng He, China verlassen und sich in den USA angesiedelt. Dort gehen auch seine Kinder zur Schule. Gao selbst aber machte klar, dass er China nicht zu verlassen gedenkt. Er hält es für seinen Auftrag von Gott, weiterhin hier zu wirken. Derzeit steht er weiterhin unter Überwachung. Das Interview mit AP gab er vor Wochen nur unter der Maßgabe, dass es eine längere Zeit hinweg nicht veröffentlicht würde. Nun, nach der Veröffentlichung, gibt es auch erste Gerüchte, dass Gao erneut von Sicherheitsorganen Chinas befragt oder sogar wieder in Haft genommen wurde. Ich werde an diesem Fall dranbleiben. Versprochen.

Bitte beten Sie auch für das Wohlergehen von Gao Zhisheng und seiner Familie in den USA. Alleine die Trennung macht beiden Seiten schwer zu schaffen.

(Quellen: „Associated Press“ vom 24. September 2015 und „Christian Today“ vom 25. September 2015)

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