Schweden/Iran: zweifelhafte Abschiebung

Das Thema „Asylgewährung“ und „Flüchtlinge nach Europa“ beherrschte den Sommer 2015 in unseren Medien. Was aber nicht berichtet wurde, ist, wie verfolgte Christen in Europa behandelt werden. Österreich, Deutschland und Schweden gelten als Hauptziele der Flüchtlingsströme. Wie aber ergeht es Gläubigen, die tatsächlich in ihren Heimatländern „aus religiösen Gründen“ verfolgt, inhaftiert und körperlich angegangen werden ? Ist die europäische Bürokratie tatsächlich willens und in der Lage, ihre Notlage anzuerkennen ? Dazu ein beispielhafter Fall aus Schweden:

Iran

Iran

Sharzad Sakiani ist eine iranische Christin. Keine „traditionelle“ Christin aus der armenischen Minderheit, sondern eine Konvertitin vom schiitischen Islam. Kurz gesagt: als FRAU, CHRISTIN und „APOSTATIN“ vom Islam hat sie erwartungsgemäß einen schweren Stand in ihrem Heimatland, dem Iran. Oder vielmehr in der „Islamischen Republik Iran“, um ganz genau zu sein. Es ist nicht unbekannt, dass Apostaten in allen „Rechtsschulen“ des Islam die Todesstrafe droht, auch wenn der Iran als Staat wohl in den letzten Jahrzehnten keine derartige Strafe vollstreckt hat. Zu religiös motivierten, innerhalb der Familien vollstreckten (Ehren-)Morden an „Verrätern am Islam“ kommt es jedoch inoffiziell in so ziemlich allen vom Islam kulturell dominierten Staaten. Religionsfreiheit sieht anders aus.

Ex-Muslim-Christen haben im Iran immer mit staatlicher Überwachung, Repressalien von zweifelhafter Legalität, willkürlichen Verhaftungen und Gewalt zu rechnen. Diese zumeist in Hauskirchen organisierten Gläubigen leben halb und halb immer im Untergrund, in den sie staatliche Stellen treiben, indem sie ihnen Dinge wie eigene Räumlichkeiten oder den Gottesdienst in persischer Hochsprache (Farsi) verbieten. Diese Grauzonen-Existenz wird ihnen dann von Strafverfolgungsbehörden immer wieder als „Konspiration gegen den Staat“ ausgelegt. Ein Teufelskreis.

Vor diesem Hintergrund müssen wir den Fall von Frau Sharzad Sakiani betrachten, die im iranischen Shiraz gemeinsam mit ihrem Mann einer Hauskirche angehörte. Diese Hausgemeinde wurde im Jahre 2010 Opfer einer Razzia, bei der sämtliche Anwesenden verhaftet wurden. Frau Sakianis Ehemann, Mahmud Mohammadi, wurde z. Bsp. für 10 Monate in reine „Untersuchungshaft“ gesperrt. Danach wurde er zwar auf freien Fuß gesetzt, aber er erwartete sein Hauptverfahren täglich. Daraufhin flohen er und seine Frau aus dem Iran. Die Fakten werden ab hier etwas nebulös, weswegen ich hier ausdrücklich auf das Ende der Angelegenheit verweise. Das Ehepaar Mohammadi/Sakiani stellte zwei Asylanträge in Norwegen, die abgelehnt wurden. Daraufhin versuchten sie ihr Glück in Schweden und stellten dort einen Asylantrag aus offensichtlichen Gründen der religiösen Verfolgung im Iran. Die schwedischen Behörden lehnten diesen ebenfalls ab und nahmen in der Folge Frau Sakiani am 23. Juni 2015 in Abschiebehaft.

Schwedische Menschenrechtsaktivisten setzen sich seit Längerem für diesen und andere Fälle iranischer Christen ein, die vor der Abschiebung stehen. Trotz massiver Proteste von dieser Seite schob Schweden Frau Sakiani aber dennoch am 15. Juli 2015 unter Begleitung zweier Vollstreckungsbeamten nach Norwegen ab. Als „sicheres Drittland“ oblag es nun den norwegischen Behörden, Frau Sakiani mitsamt einer Deportationsverordnung in ein Flugzeug Richtung Teheran zu setzen. Wie „mohabat news“ berichtet, habe Frau Sakiani massiven Widerstand gegen ihre Deportation geleistet und sei in Oslo gewaltsam in das Flugzeug verbracht worden, welches sie zunächst nach Doha verbrachte. Von dort aus flogen sie und die Beamten der norwegischen Migrationsbehörden weiter nach Teheran, wo sie mitsamt ihrer schon erwähnten Deportationsverordnung aus Norwegen, den iranischen Behörden übergeben werden sollte. Da sie sich jedoch geweigert haben soll, ihre Identität zu bestätigen, weigerten sich die Iraner angeblich, ihre unwillige Staatsbürgerin wieder „willkommen zu heißen“.

Einer der beiden norwegischen Beamten soll daraufhin Frau Sakiani gedrängt haben, zu kooperieren. Er drohte laut Aussage der Betroffenen selbst damit, alle ihre Aussagen, die sie bezüglich der Verhältnisse für Christen im Iran bei ihrer Asylanhörung in Norwegen gemacht hatte, an die iranischen Behörden weiterzuleiten. (Anm. Sollte dies wirklich so gewesen sein, bewegt sich der entsprechende Beamte jenseits der Legalität und sollte ein Amtsprüfungsverfahren seitens der norwegischen Aufsichtsbehörden gewärtigen müssen.) Während des Tauziehens um den künftigen Aufenthalt der Christin Sharzad Sakiani wurde ihr von einem Beamten des Iran gewaltsam das Kruzifix mitsamt Kette vom Hals gerissen. Da ihre Identität jedoch mangels ihrer „Kooperation“ nicht zweifelsfrei festgestellt werden konnte, mussten die Norweger sie wieder nach Oslo zurückführen. Dort wurde sie in eine Einrichtung für Abschiebehäftlinge verbracht, aus der sie bei der ersten Gelegenheit entfloh, da sie in das Verfahren der „westlichen Rechtsstaaten“ Norwegen und Schweden kein Vertrauen mehr hat. Momentan befindet sie sich also in der Illegalität, wieder im „Untergrund“, aus dem sie im Iran ursprünglich geflohen war. Von dort gelang es ihr immerhin, Kontakt mit „mohabat news“ aufzunehmen und die Ereignisse aus ihrer Sicht zu beschreiben.

Ich gestehe, ich stehe vor einem Phänomen, das mich sprachlos macht, denn beim Fall „Sharzad Sakiani“ handelt es sich nach ersten Recherchen keinesfalls um einen Einzelfall. Wirklich verfolgte Christen aus Ländern wie dem Iran oder Pakistan werden oft genug nicht vom UNHCR als religiös Verfolgte und als an Leib, Leben und Freiheit bedrohte Minderheit anerkannt. Sie werden oftmals, sollten sie es bis ans „sichere“ Ufer freiheitlicher, demokratischer Länder geschafft haben, von hiesigen Bürokraten, die keinerlei Gespür für echte Verfolgung haben, wie Dreck behandelt und achtlos wieder ihren Verfolgern zum Fraß vorgeworfen. Christen vor die Löwen, wir kennen das doch eigentlich schon aus dem „alten Rom“. Mich graut´s davor, dass IS-Sympathisanten, als „arme Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien“ nach Europa in Massen einsickern, während Menschen wie Frau Sakiani aber in den Iran zurückverschleppt werden, wo ihnen Gott-weiß-was droht.

Bitte beten sich doch für Sharzad Sakiani, Mahmud Mohammadi und andere Christen, die in Länder islamischer Christenverfolgung ausgeliefert werden sollen. Ganz sicher auch aus Deutschland. Und wem beten nicht reicht: wenn Ihnen ein ähnlicher Fall aus unserem Lande bekannt wird: protestieren sich doch einfach dagegen und entfachen einen „shitstorm“ in Ihrem Bekanntenkreis.

Ihr

Martin Clemens Kurz

(Quelle: „mohabat news“ , zuletzt am 05.September 2015)

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