Kundgebung für Said Abedini leider ohne „i-Tüpfelchen“

Fast hatte ich es geahnt. Da hatte ich wochenlang für diese Mahnwache und Protestkundgebung die Werbetrommel gerührt und der „Ehrengast“ ließ sich nicht blicken. Said Abedinis Ehefrau Naghmeh, die gerade eine Tour durch Europa macht. Offen gestanden fand ich das aber weniger bedeutend, denn zum „Promi-Gucken“ war ich auch gar nicht erst angereist. Zu zeigen, dass auch in Deutschland, auch in Berlin Aktivisten bereit sind, die Menschenrechtsverletzungen im Iran, die etwa von einer Frau Claudia Roth bei ihren Besuchen dort weitgehend mit Nichtachtung gestraft werden, während sie sich mit Mullahs und deren Schergen eine schöne Zeit macht, anzuprangern und für deren Ende zu demonstrieren, fand ich viel interessanter. 

DSCI1465_compressedDie jüngste Mahnwache vor der Iranischen Botschaft in Deutschland war wie immer bestens vom Veranstalter, der „Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte“ (IGfM) vorbereitet. Diesmal waren sogar auffällig mehr Plakat-Aufsteller im Einsatz, als bei vorherigen, ähnlichen Gelegenheiten. Der Eindruck war dann auch dementsprechend. Mehrere Autofahrer fuhren ganz langsam an unserer Position vorbei und wollten genau wissen, was wir da machen. Auch die Polizei war mit einem vierfachen Aufgebot des Üblichen angetreten. Ganze ACHT Beamte sicherten die Iranische Botschaft vor möglichen „Übergriffen“ von uns Kundgebungsteilnehmern. Offensichtlich hatte den braven, Berliner Polizeibeamten noch niemand mitgeteilt, dass es bei dementsprechenden Kundgebungen noch NIE zu Ausschreitungen gekommen ist und dass sowohl die Aufstockung von zwei auf acht Beamte unnötig war, wie auch das Aufstellen von Absperrgittern. Das offensichtlich „von oben“ angeordnete Abfotografieren der Aufsteller und Spruchbänder hätte allerdings nicht unbedingt sein müssen, da klingelt bei mir der „Stasi-Reflex“ Alarm, sorry.

Denn es waren ja „nur“ die „üblichen Verdächtigen“ dort. Z. Bsp. der unvermeidliche und umtriebige Pastor Martens von der „Dreifaltigkeitsgemeinde“ in Berlin-Steglitz, der unlängst einige Medienaufmerksamkeit bekam, als die ein oder andere Zeitung über seine ausgesprochen erfolgreiche Evangelisation unter in Berlin lebenden Muslimen berichtete. Dabei ist er dazu gekommen, wie die sprichwörtliche „Jungfrau zum Kinde“ und hat nicht mal gezielt missioniert. Aber Gottes Wege….
Überhaupt ist es sehr angenehm, dass bei diesen und ähnlichen Mahnwachen, Demonstrationen und sonstigen Veranstaltungen seit etwa zwei Jahren verstärkt Exil-Iraner und ihre Familien mitmachen. Diese bringen nämlich außer einer, wie ich finde, sehr erfreulichen Lautstärke auch die notwendigen, griffigen Parolen in schönstem Farsi mit. Das macht Freude, da ist viel Herzensgüte und auch Solidarität mit inhaftierten Christen wie Behnam Irani oder eben Said Abedini zu spüren. Schade nur, dass sich noch immer nur wenige „Deutsche“ (denn ich frage keinen Exil-Iraner nach seinem Pass, wäre kein Wunder, wenn einige den deutschen bereits hätten) beteiligen. Offensichtlich haben wir, vor allem auch die Christen in der Stadt, wichtigere Dinge zu tun, als Solidarität mit einem der Ihren zu bekunden, der wegen UNSERES Glaubens leidet. Na, ich will nicht nur immer schelten, aber zumindest mal dran erinnern. (Am Sonntag Abend, 24. Mai 2015, übrigens, treffen sich diverse Oberhirten am Brandenburger Tor, um die „Nacht der offenen Kirchen“ Berlins zu feiern. Diese steht in diesem Jahr unter dem Motto: „Seht, der Mensch! Unsere Stimme für verfolgte Christen.“, ab 17.00 Uhr Vorprogramm, ab 18.30 Uhr: „Pfingstwegs-Prozession“ zum Berliner Dom. Ich werd mir das mal angucken und hören, ob die Herren Bischöfe wirklich ein offenes Ohr für verfolgte Christen haben. Zumindest, wenn tatsächlich, wie angekündigt, der koptische Bischof Anba Damian da sein wird, dürften einigen Weichspülern im Bischofsrock die Ohren klingeln! Der kennt nämlich keine unnötige Political Correctness und benennt die Dinge immer beim Namen. Ich möchte den am liebsten knuddeln, aber die Würde seines Amtes hält mich immer davon ab, wenn ich mal auf derselben Demo bin wie er, was eher selten vorkommt.)

DSCI1471_compressedAlso, diesmal war sogar ein „Verpflegungswagen“ der Heilsarmee zugegen, wo man die vom Skandieren der diversen Slogans angekratzten Stimmbänder mit etwas Tee wieder auf „Vordermann“ bringen konnte. Ausgeprochen super organisiert. Soweit ich weiß hat auch hier der besagte Pastor Martens die ein oder andere „Strippe“ gezogen. Der auf unserer Mahnwache noch fehlende Ehrengast, Frau Nahgmeh Abedini, war dann aber gerüchteweise zu einem ruhigen Info-Abend in Pastor Martens Gemeinde für 19.00 Uhr angekündigt. Leider hatte ich dafür keine „offizielle“ Terminbestätigung und hätte selbst anderenfalls wohl nicht die Möglichkeit gehabt, daran teilzunehmen. Immerhin ist Frau Abedinis Terminkalender ihrer Europa-Reise ja nicht ganz grundlos so „picke-packe-voll“ gedrängt. Sie hatte bereits vor ihrer Abreise aus den USA auf ihrem Facebook-Account ein eher sorgenvoll klingendes Posting hinterlassen, in dem sie die Trennung von ihren Kindern als schwierig kennzeichnete, weshalb sie natürlich nicht endlos unseren Kontinent erforschen konnte. Und die Pressekonferenzen, Meetings mit Politikern und sonstigen, wichtigen Leuten hinterlassen sicherlich auch ihre Spuren, weshalb ich eben auch nicht wirklich enttäuscht war, ihr keinen persönlichen Segenswunsch mit auf den Weg nach Hause geben zu können.

Dafür haben wir den Damen und Herren von der Botschaft eine gute Stunde lang akustisch „eingeheizt“ wie auf dem Fussball-Platz. Das haben die sicher in Berlin so auch noch nicht erlebt. Ein breites Grinsen konnte ich mir also nicht ganz verkneifen. Schließlich müssen Menschenrechts-Engagement und Spass ja keine Gegensätze sein. Asadie, Abedini !

Also dann, vielleicht sehen wir uns mal bei irgendeiner Veranstaltung in Berlin, die auf Schicksale verfolgter Christen hinweist. Eine davon habe ich ja im Text erwähnt. Wenn ihr jetzt noch hinkommt…:-)

ihr

Martin Clemens Kurz
(Berliner Gebetskreis „verfolgte Kirche“ – BGvK)

Ja, der Termin morgen vormittag, 10.00 Uhr, vor der türkischen Botschaft steht noch. Davon berichte ich dann morgen ! 🙂

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