Eritrea – das „Nordkorea Afrikas“

Es gibt Länder und Regionen, die für uns „Mitteleuropäer“ scheinbar nicht existieren. Deren Schicksale, innere und äußere Kämpfe uns nicht sonderlich zu interessieren scheinen. Nur Exilanten und deren Angehörige scheinen ein Herz für die Leiden der Menschen in solchen Staaten zu haben. Für diese Fälle gibt es aber natürlich die diversen, „weltlichen“ Menschenrechtsorganisationen wie „amnesty international“ oder die „Gesellschaft für bedrohte Völker“, die versuchen, die Schleier des Desinteresses ab und an etwas zu lüften. Verfolgte Christen in solchen Staaten vertrauen natürlich auf christliche Hilfswerke wie „open doors“ oder die „Hilfsaktion Märtyrerkirche e. V.“. Eines dieser „vergessenen Länder“ ist sicher Eritrea in Afrika. Die „westliche Welt“ hat dort nur wenige strategische und praktisch keinerlei wirtschaftliche Interessen, was sicherlich so Einiges erklären kann. 

Eritrea

Eritrea

Eritrea wird von vielen Beobachtern als das „Nordkorea Afrikas“ bezeichnet, weil die Christenverfolgung dort mit einer absoluten Konsequenz betrieben wird, die an das System der Arbeits- und Vernichtungslager Nordkoreas erinnert. Wenngleich die Verfolgung in Eritrea auch andere Formen annimmt. So sind zwar drei Kirchen in Eritrea offiziell anerkannt, aber selbst deren Mitglieder und Klerus sind oftmals starken Repressionen ausgesetzt. Jenseits von der katholischen Kirche, der eritreisch-orthodoxen Kirche und der evangelisch-lutherischen Kirche darf es nach dem Willen des Regimes in Asmara jedoch keinerlei Äußerungen christlichen Glaubens im Land geben. Auf dem Weltverfolgungsindex von „open doors“ steht Eritrea derzeit auf dem 09. Rang.

Eritrea ist seit 1993 ein eigenständiger Staat, der sich von Äthiopien gelöst hat. Seitdem regiert jedoch auch die „Volksfront für Demokratie und Gerechtigkeit“ des Präsidenten Isaias Afewerki. Anders als die lustige „judäische Volkfsfront“ oder „Volksfront für Judäa“ aus Monty Python´s „Leben des Brian“ ist diese Partei jedoch ein brutaler Macht- und Unterdrückungsapparat, der das kleine, ostafrikanische Land in einem brutalen Würgegriff hält und dort so eine Art spätstalinistische Diktatur pflegt. Was vielleicht deutschen Ostalgikern von der Linkspartei wohlige Schauer der Begeisterung durchs Gemüt rieseln lässt, ist jedoch für die Eritreer selbst ein Alptraum, der scheinbar nicht enden will. Da sich das aufs Militär gestützte Regime, wenn man den üblicherweise gut informierten Quellen von „open doors“ glauben darf, in letzter Zeit scheinbar mit muslimischen Fanatikern in obskure „Geschäftsbeziehungen“ begibt, ist die Lage des Christentums in Eritrea insgesamt äußerst fragil, mit absteigender Tendenz. Vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, dass derzeit mindestens 1200 Christen aufgrund ihres Glaubens oder damit verbundener „Verbrechen“ inhaftiert sind (andere Quellen sprechen von ca. 3000). Haft in Eritrea bedeutet u. a. die Unterbringung in unterirdischen Bunkern oder in glühender Sonne abgestellten, metallenen Frachtcontainern.

„International Christan Concern“ (ICC-persecution.org), eine weitere Organisation, die es sich auf die Fahnen geschrieben hat, über die Nöte und Leiden verfolgter Christen nicht zu schweigen, publizierte unlängst eine „Fallgeschichte“, die deutlich machen soll, dass vor allem evangelikale Christen in Eritrea schlimme Dinge erleiden, da sie sogar von den „legalen“ Kirchen oftmals ausgegrenzt werden. Aus Sicherheitsgründen gibt ICC den Namen der Betroffenen nur mit „Alice“ an, was durchaus ein Alias sein kann.
Alice emigrierte in den frühen 90ern in die USA, wo sie fast zwanzig Jahre lang lebte. Doch das brennende Bedürfnis, ihren Landsleuten in der Heimat ein tieferes Verständnis des Evangeliums zu vermitteln, brachte sie 2008 wieder zurück nach Eritrea. Sie organisierte dort Bibelstudien-Gruppen und ähnliche Dinge. Als Alice ein Jahr später versuchte, auszureisen, um persönliche Angelegenheiten zu regeln, wurde sie noch am Flughafen festgesetzt und schließlich mit unbekanntem Ziel abtransportiert. Ohne nachvollziehbares Verfahren wurde ihr eine Haftstrafe mit unbestimmter Dauer auferlegt, die sie am 24. Januar 2009 antrat. Warum wurde sie festgenommen und was waren die Anklagepunkte ? Unbekannt. Alice „verschwand“ einfach, wie allzuviele Menschen unter derartigen, politischen Regimen. Wie Menschen, die bei Kim-Jong-Uns langwierigen und langweiligen Reden in Nordkorea einschlafen oder deutsche Kriegsgefangene in Stalins Sowjetunion. Alices Familie wusste bis zu ihrer Haftentlassung weder, wo sie sich befand, noch warum.

Immerhin tauchte Alice im Februar 2015 wieder auf. Über ihre Haftbedingungen o. ä. wird aber fast nichts bekannt, da Alice weiterhin von Agenten des Staates überwacht wird. Sie darf kein kritisches Wort über das Justiz- oder das Haftsystem Eritreas verlieren, ohne befürchten zu müssen, wieder ins Gefängnis zurückkehren zu müssen oder gar schlimmeres. Immerhin wurde aber bekannt, dass Alice im Gefängnis weiterhin das Evangelium geteilt haben soll, denn vor ihr entlassene Häftlinge erwiesen sich oftmals als „frische“ Konvertiten vom Islam zum „Weg, der Wahrheit und dem Leben“. Gerüchte wollen wissen, dass Alice dafür maßgeblich Verantwortung trug. Derzeit hat Alice in Eritrea keine Arbeitserlaubnis, wird durch ein selbst von alten Stasi-Leuten beneidetes Überwachungssystem kontrolliert und hofft dennoch gegen jede weltliche Wahrscheinlichkeit auf eine Ausreise in die USA. Alle Informationen, die zu diesem Fall vorliegen, stammen von einer Freundin von Alice, die mit ihr in Eritrea Kontakt hatte und ihr Umfeld gut kennt.

ICC bittet um Gebet für Alice, für ihr körperliches und geistiges Wohlergehen, welches wohl in den über sechs Jahren eritreischen Gefängnisaufenthalts sehr gelitten habe.

(Quelle: „International Christian Concern“ vom 08. Mai 2015, sowie „Länderprofil Eritrea“ von „open doors“.)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s