Bangladesch: Landraub an Kirchen

Bangladesch ist ein Land, das ganz generell nicht allzuoft in den deutschen Nachrichten auftaucht. Außer bei Monsun-bedingten Notfällen nimmt die deutsche Öffentlichkeit nur selten Anteil am poltischen oder sonstigen, gesellschaftlichen Geschehen dort. Immerhin ist den christlichen Hilforganisationen wie etwa „open doors“ Bangladesch immer mal wieder die Beobachtung wert, so dass auch der Rang 43 im aktuellen „Weltverfolgungsindex“ wohlverdient erscheint. 

Bangladesh

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Bangladesch ist ein überwiegend von Muslimen bewohntes Land. Aus seiner Geschichte heraus, sozusagen das „Pakistan des Ostens“ zu sein, also der muslimische Teil Indiens im Osten, ist dies bedingt. Bangladesch hat offiziell eine säkulare Regierung, die sich in der Vergangenheit auch immer wieder im Einsatz gegen fundamentalen Islamismus und Hass-Predigten engagiert hat. Dennoch ist der Islam in Bangladesch seit 1975 Staatsreligion, was fundamentalistischen Ideen und fanatisch-gewalttätigen Strömungen immer wieder eine Basis gibt. Sehr zum Unbehagen diverser Regierungen und vor allem der religiösen Minderheiten im Lande. Zu diesen gehört das Christentum, dessen Anhänger laut open doors jedoch weniger als 2 % der Bevölkerung ausmachen. Wikipedia spricht sogar von weniger als 0,3 % Christen und beruft sich dabei auf einen Zensus von 2010.

Dies vorweggeschickt um klarzustellen, dass das Christentum, welches vor allem von der katholischen Kirche und diversen, Evangelischen Richtungen repräsentiert wird, dort einen schweren Stand hat. Berichte von alltäglicher Diskriminierung und sporadischen Gewaltakten gegenüber einzelnen Gläubigen, christlichen Familien oder Kirchengemeinden treffen immer wieder aus Bangladesch ein. In den letzten Jahren hat sich vor allem der „Kampf“ um den kirchlichen Grundbesitz im Land zu einem Brennpunkt religiöser Auseinandersetzungen entwickelt. In diesem Zusammenhang wird immer wieder versucht, den „Traditionskirchen“ wie Katholischer und Anglikanischer Kirche ihr z. T. schon aus der Kolonialzeit stammendes Eigentum streitig zu machen. Das jüngste Beispiel aus dieser Reihe verbissen und für an rechtsstaatliche Verhältnisse gewohnte, europäische Beobachter geradezu in absurder Weise geführter Konflikte ist ein Fall aus dem Verwaltungsbezirk Barisal.

Dort wurde ausgerechnet von der „Anwaltsvereinigung“ eine Kampagne gegen die „St. Petrus Gemeinde“ geführt, in deren Verlauf es jetzt nicht nur zu juristischen Auseinandersetzungen kam, sondern sogar zu Handgreiflichkeiten und einer Landbesetzung. Die St. Petrus Gemeinde, eine anglikanische Gemeinde im Süden des Barisal-Distrikts, führt ihren Landbesitz, auf dem sich vor allem der Friedhof und das Kirchengebäude samt Verwaltungsanbauten befinden, auf das Jahr 1918 zurück. Seit 2002 wird jedoch von staatlichen Verwaltungsbehörden versucht, ihr angebliches „Eigentumsrecht“ auf Immobilien der Kirchengemeinde durchzusetzen. Von deren Seite wird argumentiert, dass mit der Unabhängigkeit des Landes von Großbritannien im Jahre 1947 alle „Landverträge und Schenkungen“ in Bangladesch aus der Kolonialzeit ungültig geworden seien und die St. Petrus Gemeinde damit nur noch Pächter staatlichen Bodens gewesen sei. Daraus ergäben sich natürlich massive Pacht-Schulden, die es nun durch Land-Beschlagnahmungen einzutreiben gelte. Seltsamerweise stellen sich dabei seit einiger Zeit die Berufsverbände der Anwälte im Barisal – Distrikt eindeutig auf die Seite des Staates und sind nun sogar dazu übergegangen, als „Speerspitze“ der Beschlagnahmungen zu fungieren.

In diesem Zusammenhang kam es vom 09. – 11. April 2015 zu ersten Einziehungen von Immobilien, gegen die Kirchenmitglieder und solidarische Christen anderer Kirchen (es wird von katholischen und evangelischen Christen berichtet) mittels Mahnwachen, Menschenketten und sonstigen Mitteln zivilen Widerstandes protestiert hätten. Sowohl in der Hauptstadt Dhaka, als auch in Barisal. Im Rahmen dieser Proteste „vor Ort“ hätten Anwälte, so lassen es Kirchenleute wie der Vorsitzende des Nationalen Kirchenrates von Bangladesch, Reverend David A. Das, verlauten, die Demonstranten beschimpft und auch körperlich angegriffen. Weibliche Demonstrantinnen mussten sich z. T. sexuelle Übergriffe gefallen lassen, sagt zumindest das katholische Nachrichtenportal „asia news“. Reverend Das ließ sich außerdem folgendermaßen zitieren:

Wir werden protestieren, bis wir unser Land zurückerhalten. … Niemand kann es uns illegalerweise wegnehmen !“

Bereits im vergangenen Jahr, im August 2014, war es vermutlich ebenso im Zusammenhang mit Landkonflikten bereits zur Tötung zweier Christen in Barisal gekommen. Das Klima kann man mit Fug und Recht als „vergiftet“ bezeichnen und die Positionen der Konfliktparteien sind extrem unterschiedlich. Auch die Tatsache, dass die Minderheit der Christen Bangladeschs kaum eine Möglichkeit hat, sich gegen diese Anmaßungen und Übergriffe zu wehren, dürfte sich für ihre Chancen, etwas „weltliche“ Gerechtigkeit zu erfahren nicht positiv auswirken. Immerhin appellieren christliche Funktionäre noch an die Bundesregierung Bangladeschs, den Übergriffen im Barisal-Distrikt ein Ende zu machen. So spricht etwa Nirmal Rozario, der Generalsekretär der „Bangladesch Christian Association“ (BCA) ein deutliches Wort:

Weil wir eine Minderheit sind, greifen skrupellose Männer immer wieder unsere Leute und wollen unser Land und Eigentum. Die Regierung sollte zu unseren Gunsten eingreifen !“

Da, laut „Länderprofil Bangladesch“ von open doors aber die staatlichen Behörden immer wieder unter Druck fanatisierter Muslim-Massen geraten, ist ein Eingreifen der Regierung in Dhaka zu Gunsten der St. Petrus Gemeinde unwahrscheinlich. Wenn aber selbst Vertreter des juristischen Apparates bereits eindeutig Partei bezogen haben, ist nicht damit zu rechnen, das auf dem Rechtswege eine sachliche Klärung unabhängiger Art noch zu bewirken ist. Die Ländereien dürften also als verloren angesehen werden. Und wenn Barisal dann Schule macht, können sich Kirchen und kleine, christliche Hausbesitzer in anderen Distrikten Bangladeschs schon einmal warm anziehen.

In diesem Sinne: beten wir auch für den Seelenfrieden der Christen in Bangladesch. Dafür, dass sie im Konflikt um Respekt für sie und ihre Besitztümer dort eine friedliche und einvernehmlich Klärung der Verhältnisse noch möglich sei.

(Quelle: „asia news“ vom 20. April 2015)

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