Statt eines langen Ostertextes…

Liebe Leser, Mitbeter, Kommentatoren und Teilnehmer an diversen Mahnwachen u. ä. : Es ist Karfreitag 2015 und ich fragte mich bis vor wenigen Minuten noch, was ich in diesem Jahr schreiben soll. Da stieß ich in einem sozialen Netzwerk auf die Zeilen eines dort sehr aktiven, jungen Christen und sofort war mir klar, dass ich dazu etwas sagen möchte.

good-friday-god-hd-wallpapersErstmal eine grundsätzliche Überlegung. Ich mochte ja schon immer den englischen Begriff des „good Friday“, des „guten Freitags“ für den Karfreitag. Diese Kennzeichnung nimmt den Schleier der Trauer, der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit vom Karfreitag. An einem „guten Tag“, den wir uns ja in Deutschland traditionell schon zur Begrüßung wünschen, müssen wir den Kopf nicht hängen lassen, brauchen wir nicht in Trauer und Verzweiflung zu versinken. Wir dürfen uns natürlich vor Augen führen, warum und für wen Christus ans Kreuz ging. Wir dürfen gerne auch mal wieder unsere Bibel „entstauben“ und im Markus- oder Matthäus-Evangelium lesen. Niemand kann uns auch dazu zwingen, heute schon zu jubeln oder in feiertagsbedingte Euphorie zu verfallen. Aber zu wissen, dass das gesamte Ostergeschehen ein „gutes“ ist, gibt mir persönlich einen großen Frieden. Deshalb mag ich eben die Bezeichnung „guter Freitag“. Gott zerreißt den Schleier im Tempel, läßt die Gläubigen jetzt ganz direkt, oder doch zumindest über den „Weg“ („Weg, Wahrheit, Leben“, Sie erinnern sich) zu sich kommen. Wie super ist das denn ?!

So sehr ich auch die traditionellen Beschränkungen (Tanzverbote etc.) schätze und würdige, so sehr ist mir doch der Karfreitag dennoch nur das „Vorspiel“ zum Sonntag. Die „Ouvertüre“ für das Geschehen des Ostersonntags. Mit der Auferstehung Christi ist die Macht des Todes für alle seine Nachfolger schon gebrochen !!!!! WIE KLASSE IST DAS DENN ?! Ich gestehe, ich habe oftmals keine Worte, um meine Freude über das Ostergeschehen auszudrücken. Dann sitze ich schon mal mit tränenfeuchten Augen am Fenster, schaue raus in Gottes Schöpfung und fühle mich unwürdig. Zumindest für einen kleinen Moment lang. Denn: wen der Herr für würdig der Erlösung hält, wer bin ich, um daran zu zweifeln ? Na, eben. Also: das Grab ist leer. Halleluja. Das ist Gottes Versprechen an uns alle. ER wird es einlösen. Das sagt mir Ostern.

Und dann las ich da auf dem bewussten, sozialen Netzwerk einen Eintrag (Namen des Verfassers und des Netzwerkes sind bekannt, aber aus unterschiedlichen Gründen halte ich sie hier mal unter Verschluss), der zur zumeist etwas nachdenklicheren Stimmung des Karfreitags passt. Ich zitiere hier mal kurz mit ein paar redaktionellen Änderungen:

Denken wir auch an unsere verfolgten Geschwister, in den Ländern wo Verfolgung herrscht. Beten wir für sie. Gerade an diesen Tagen erleben die Christen in den Ländern in denen Verfolgung herrscht, die schrecklichsten Tage. Sie werden oft überfallen, umgebracht oder vertrieben. Es tut weh, zu wissen das wir hier Luxus haben und andere müssen Ostern auf dem Boden feiern, ohne großes Essen und Trinken, z.B Syrien/Iraq.

Denken wir also bitte an unsere verfolgten Geschwister.

Hebräer 13,3 Gedenkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und derer, die mißhandelt werden, als solche, die selbst auch noch im Leib leben.

Diese nachdenkliche, und doch von der tiefen Liebe Christi zu den Seinen erfüllte Botschaft brachte mich umgehend von meinen Überlegungen wieder auf den „Boden der Tatsachen“ zurück. Ja, der Bruder, der dies geschrieben hat, weiß, so wie alle Leser dieses Blogs und sonstige, am Thema Christenverfolgung interessierten Menschen, dass die hohen, christlichen Feiertage von den Dienern des Bösen genutzt werden, um Gläubige zu vertreiben, zu misshandeln und zu töten. Aus Ländern wie Nigeria, Kenia, Pakistan, Ägypten, Syrien, dem Irak können wir seit Jahren mit trauriger Erwartung die Meldungen abwarten, wieviele Kirchen wieder über den Köpfen der Gemeinde angezündet wurden, wieviele Pastorenfrauen zu Witwen gemacht wurden, wieviele Gläubige sich wieder auf der Flucht befinden… Das Leid der Gemeinde spiegelt die Leiden Christi wieder, denen der Karfreitag gewidmet ist. Alle Trauer, allen Schmerz hat der Christus mit ans Kreuz genommen, wohl wissend darum, was auch seine Nachfolger noch zu erleiden haben werden.

Ist es nicht allzu einfach, in Ländern der Religionsfreiheit, die übrigens immer weniger werden, seinen christlichen Glauben zu leben? Der Author der zitierten Zeilen deutet dies an. Und dennoch „entchristlicht“ sich die „freie, westliche“ Welt immer mehr. Ist also Christ zu sein, ohne Widerstände, Gewalt und Hass, der uns entgegenschlägt, zu simpel ? Ist es für die in komplexen Denkstrukturen gefangenen Menschen des Abendlandes vielleicht zu einfach geworden ? Stimmen die Theorien, die uns sagen wollen, dass das Christentum vor allem dort blüht und gedeiht, wo es mit dem Blut von Märtyrern gedüngt wird und massive Widerstände erfährt ? Immerhin müssten wir uns dann ja keine Sorgen mehr machen, denn in Zukunft werden Gewalt und Verfolgung auch Europa, Amerika und Asien bzw. die Christen dort erreichen. Die Vorboten sind ja schon zu erkennen.

Ich gestehe, auf die im letzten Abschnitt gestellten Fragen habe ich keine eindeutigen Antworten. Aber sich darüber Gedanken zu machen, dazu kann auch ein arbeitsfreier „Guter Freitag“ dienen.

In diesem Sinne, einen besinnlichen Karfreitag und ein frohes, gesegnetes Osterfest Ihnen allen ! 🙂

Ihr

Martin Clemens Kurz

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