Brunei: Weihnachten wird abgeschafft.

Wir hatten es angesichts der Einführung der Scharia im Sultanat Brunei bereits geschrieben: die Verhältnisse werden sich dort sicher nicht bessern. Die Befürchtung, dass in Brunei schrittweise der Boden für Christen und das Evangelium als solches „heiss“ würde, hatte mich bereits im Frühjahr 2014 dazu gebracht, zwei Artikel darüber zu veröffentlichen. Denn immerhin ist ja Brunei sonst nicht gerade ein regelmässiger Gast in den Schlagzeilen dieses Landes und auch nicht hier im Blog.

Sultanat Brunei

Sultanat Brunei

Nun kommt eine weitere, scheinbar schariakonforme Absurdität aus dem Sultanat ans Licht der Öffentlichkeit. Brunei hat ganz offensichtlich einen Feind des Islam und einen „Künder des Bösen“ ausgemacht, dessen negativer Einfluss unbedingt zurückgedrängt und letztlich verhindert werden muss: der Weihnachtsmann. Denn das hauptsächlich für seinen Ölreichtum bekannte Brunei hat durch seinen Sultan Hassanal Bolkiah, der gleichzeitig auch Premierminister, Außenminister, Finanzminister und „oberster Religionsführer“ ist, beschlossen, Weihnachtsfeierlichkeiten weitgehend zu untersagen. Die staatsnahen Medien Bruneis haben dazu u. a. folgende Erklärung publiziert, die von den irischen RTE-news in Teilen wiedergegeben wurde:

„Muslime sollen vorsichtig sein, an Feierlichkeiten anderer religiöser Communities teilzunehmen“, da „diese in keiner Weise mit dem Islam in Verbindung stehen und ihren Glauben ungewollt beschädigen könnten“. In dem offiziellen Statement heißt es weiter, dass Geschäfte „ihre Weihnachtsdekoration entfernen müssen.“, so der Bericht von der irischen „RTE-News“.

Soso, Weihnachten beschädigt also den Glauben der Muslime. Pfui. Sollte also abgeschafft werden, unbedingt ! In Deutschland gibt es ja bereits auch erste dahingehende Forderungen von besonders „pfiffigen“ Polit-Zwergen aus der Piratenpartei, wie ich irgendwo gelesen haben (link dazu hier). Auch die Umbenennung diverser, deutscher Weihnachtsmärkte in „Wintermärkte“ soll ja dazu dienen, Angehörige anderer Religionen nicht zu „diskriminieren“ oder zu „beleidigen“. Aha. Mit anderen Worten: hierzulande läuft also eine freiwillige Abschaffung von Weihnachten auf vollen Touren, wozu es in Brunei noch die „ordre de Mufti“ benötigt. Zumal ja offensichtlich ist, dass sich in Deutschland jahrzehntelang niemand durch den Begriff „Weihnachtsmarkt“ etwa provoziert oder angegriffen fühlte. Jetzt aber wird „kultursensibel und tolerant“ die Abschaffung von Weihnachten auch hierzulande betrieben. Und wir wissen ja, dass dies ausschließlich mit dem Islam in Verbindung gebracht wird, weil kein Buddhist, Sikh oder Hindu in Deutschland ernsthafte Probleme mit dem Christfest hat. Aber es gibt ganz sicher keine Islamisierung in Deutschland, nicht wahr, Frau Merkel ?

Wie dem auch immer sei: die Verbannung des Weihachtsfestes aus Brunei wurde eingeführt, nachdem dort Kinder und Erwachsene in Weihnachtsmann – Kostümen gesichtet worden seien. Sie werden meine Bestürzung ob dieses höchst unsensiblen, ja beinahe christlich-fundamentalistisch-imperialistischen Vorfalls sicher verstehen, liebe Leser ! Kein Wunder, dass so ein harmloses, hifloses Pflänzchen wie der bruneische Islam durch so etwas in Erschütterung, ja sogar in ernste Gefahr gerät !

Aber Scherz beiseite: natürlich habe ich als bibelorientierter Christ auch so meine Probleme mit dem konsumgünstig verzerrten Abbild des Heiligen Nikolaos von Myra, das da alljährlich unsere Straßen, TV-Bildschirme und Häuser heimsucht. Diese Maske, die eben angelegt wird, um Kindern Gutes zu tun, wäre m. E. nach sicher nicht notwendig. Sie lenkt vom wahren Sinn des Christfestes ab (außer, man gibt dem guten, echten Heiligen eben die Ehre bereits am 06. Dezember ! Eine Tatsache, die beispielsweise meine US-Freunde noch immer in Erstaunen versetzt, weil diese Tradition niemals in die „Neue Welt“ kam.) und dient letztlich nur der Ankurbelung des Umsatzes von Schokoladen-Herstellern. Insoweit beobachte ich Jahr für Jahr den „Weihnachtstrubel“ in meiner Stadt auch mit sehr zwiespältigen Gefühlen.

Dennoch wäre mir die „Abschaffung von Weihnachten“ die „Gefährlichkeit“ des Weihnachtsmannes o. ä. nie eingefallen. Und hier frage ich mich, was wohl wirklich hinter der „Anti-Weihnachts-Order“ des Sultans steckt. Hat er als sicherlich umfänglich gebildeter Mensch nämlich verstanden, was die Weihnachtsbotschaft letzlich wirklich bedeutet ? Die Befreiung der Menschen von Sünde, Hoffnungslosigkeit und Lieblosigkeit ? Die Ankunft der fleischgewordenen Erlösung vom Bösen ? Hat der Mann davor Angst, dass seine Bürger, wenn sie dies auch wüssten, vielleicht ein anderes Bild vom Christentum erlangen könnten, das dann eben nicht (wie von ihm beabsichtigt) zu weniger sondern zu mehr Toleranz führen würde ?

Schwer zu sagen und ich mag auch nicht weiter über die Motive dieses anachronistischen Alleinherrschers und Despoten spekulieren. In jedem Falle bleibt es schwierig in Brunei. Beten wir dafür, dass sich das ändern möge.

Ihr

Martin Clemens Kurz

(Quelle: „RTE news“, Irland, vom 08. Januar 2014)

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