Indien: Christen aus den „unteren Kasten“ mehrfach in Gefahr

Aus Indien erreichen uns ja seit Jahren Nachrichten über Diskriminierung und Gewalt gegen Christen in unterschiedlichen Landesteilen. Auch zum Jahreswechsel 2014/15 stellt sich die Situation vor allem der sozial ohnehin Benachteiligten besonders bedrohlich dar und weitere, dunkle Wolken zeichnen sich auch bereits am Horizont ab.

Karte von Indien

Indien

So berichtet „International Christian Concern“ (ICC) davon, dass eine Präsidialanordnung von 1950, die explizit darauf abzielte, die Verteilung von staatlichen Fürsorgeleistungen zu regeln, den Christen, die aus der Not geboren darauf angewiesen sind, zu schaffen macht. Es ist kein Geheimnis, dass viele Inder arm sind. Auch ist es eine Binsenweisheit, dass das indische Kastensystem, welches zwar offiziell außer Kraft gesetzt wurde, weiterhin inoffiziell das Denken und Verhalten vieler Inder bestimmt. Die mehr politische Entwicklungen beobachtende „Bundeszentrale für politische Bildung“ sah dann vor einigen Jahren auch einen „Zwiespalt“ zwischen der verfassungsmäßigen Gleichheit aller Inder und dem noch immer weitgehend an Kasten gebundenen System von staatlichen Job- und Sozialleistungs-Distributionen.

Wie dem auch immer sein mag, die unter den klassischen Kasten stehenden „Dalits“, auch „Unberührbare“ oder „Parias“ genannt, gehören de facto zur prekären Unterschicht Indiens. Es geht ihnen zumeist wirtschaftlich schlecht, sie können oder dürfen oftmals nur unqualifizierte Arbeiten durchführen, wenn sie überhaupt Arbeit finden können. Kein Wunder also, dass sie zu großen Teilen von staatlichen Versorgungs- und Hiflsleistungen abhängig sind. Diese sind nun aber wie bereits angedeutet, laut der o. g. Präsidialanordnung an die religiöse Präferenz der Empfänger gebunden. Ein Zustand, der letztlich direkt der Verfassung Indiens widerspricht, wie u. a. auch Franklin Caesar, ein christlicher Menschenrechtler, gegenüber ICC aussagte. Christen und Muslimen aus dieser Bevölkerungsgruppe würden so staatliche Leistungen vorenthalten, was viele dazu zwinge, ihren wahren Glauben offiziell geheimzuhalten, um nicht zu verhungern. Die derzeit geschätzt 25 Mio indischen Christen aus der Gruppe der Parias sollten so, das schätzen manche Beobachter so ein, dazu gezwungen werden, wieder zum Hinduismus zurückzukehren.

Zumal zeitgleich auch eine andere Nachricht ans Tageslicht kam, nach der radikal-hinduistische Gruppen, die das „Re-Konvertieren“ von indischen Nicht-Hindus zurück zum Hinduismus auf ihre Fahnen geschrieben haben, immer lautstärker ihre Ziele proklamieren. Ganz entgegen der „Anti-Zwangskonversionsgesetze“, die in verschiedenen, indischen Bundesstaaten gültig sind, üben solche Gruppen wie die „Dharma Jagran Samiti“ (DJS) massiven Druck vor allem auf in der ländlichen Provinz lebende und auf in prekären Verhältnissen lebende Christen aus, wieder Hindus zu werden. Die dahinter stehende Ideologie der „Hindutva“, nach der das Staatsvolk Indiens in Religion und Politik „geeint“ sein müsse, motiviert unter anderem auch den derzeitigen, radikalhinduistischen Ministerpräsidenten Indiens, Narendra Modi. Im Schatten dieses mächtigen Mannes hat nun die DJS ihr Ziel der „Ausmerzung von Christentum und Islam“ in Indien bis zum Ende des Kalenderjahres 2021 proklamiert. Alle Christen sollen entweder re-konvertiert oder vertrieben werden.

Wieviel Einfluss solche Gruppen de facto wirklich haben, kann ich von meinem kleinen Schreibtisch aus natürlich nicht abschließend einschätzen. Die Tatsache aber, dass sehr viel politischer Wille etwa hinter der Partei von Ministerpräsident Modi steht, der nun auch in Wahlergebnisse umgesetzt werden kann, gibt selbst den scheinbar absurdesten Forderungen hinduistischer Radikaler massiven Auftrieb. Fassen wir also zusammen: Die vielen Armen Indiens, die keine Hindus mehr sind, werden im Spannungsfeld aus Verfassung, Anti-Zwangskonversionsgesetzen und Präsidialbefehl aufgerieben. Die schon erwähnten Gesetze gegen die Zwangskonversion werden in der Praxis nämlich nur gegen Christen und andere, religiöse Minderheiten Indiens angewandt. Sie dienen als Waffe gegen christliche Evangelisation und gegen christliche Gemeinden, wie wir hier im Blog immer wieder berichten mussten (siehe unsere „Indien“ – Rubrik). Zum Schutz vor Druck und Konversionszwang zum Hinduismus werden sie jedoch nicht genutzt. Bezeichnend.

Wer jedoch Christus verleugnet bekommt eine Chance. Eine Chance auf den menschlichen Mindestrespekt, eine Chance auf die ihm vermutlich verfassungsgemäß zustehenden Leistungen und eine Chance, überleben zu „dürfen“. Keine gute Aussichten für Bekenner. Und bis 2021 ohnehin nicht.

(Quellen: „the christian post“ vom 29. Dezember 2014 und „worthy news“ aus einem Artikel der „Daily News India“ vom 31. Dezember 2014)

 

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