Spanien: Imran Firasat ist frei ! (UPDATES vom 16. Dezember 2014 und 19. Dezember 2014)

Imran Firasat ist wieder auf freiem Fuß und wird nun aller Voraussicht nach erst einmal doch nicht nach Indonesien, wo ihn der sichere Tod erwartet hätte, abgeschoben. Ein zuständiges Gericht („audiencia nacionál“) in Madrid votierte am vergangenen Freitag, den 12. Dezember 2014, mit 10 zu 8 Stimmen dafür, ihn aus der Abschiebehaft in Segovia freizusetzen. 

Jenny und Imran Firasat und ihre Kinder

Jenny und Imran Firasat und ihre Kinder

Wir hatten in der Vergangenheit öfter auf den pakistanischen Aktivisten Imran Firasat hingewiesen, der ein geradezu abenteuerliches Leben führt. In Pakistan geboren, von dort ausgewandert, weil er sich dort als christlicher „Apostat“, also als Konvertit vom Islam, religiös verfolgt sah, gelangte er zunächst nach Indonesien, wo er seine heutige Ehefrau Jenny kennenlernte. Ab jetzt beginnt eine Odyssee, die ihres Gleichen sucht. In einem Wirbel aus Asylgesuchen in Spanien, Abschiebungen nach Indonesien, vermutlich erfundenen, strafrechtlich relevanten Vorwürfen gegenüber Imran und seiner Frau in Indonesien, erneuter Flucht nach Spanien und einer zeitweiligen Anerkennung seines Flüchtlingsstatusses geht es munter hin und her. Wie ein Pingpongball der internationalen Diplomatie wird die Familie Firasat hin und hergespielt, bis sie in Spanien ein wenig zur Ruhe kommt. Aber auch das hält nicht lange an, etwa im Jahr 2012 beginnt das Klima sich für Imran wieder zu verschärfen. Erneute Prüfungen seines Aufenthaltsstatusses, die juristisch umstrittene Konfiskation seiner Papiere durch spanische Beamte und ein von Indonesien beantragtes Auslieferungs- und Abschiebeverfahren setzen ihn unter Handlungsdruck.

Imran Firasat tauchte daraufhin Anfang Juli 2014 in Norwegen auf und versuchte auch dort, einen legalen Aufenthaltsstatus zu erringen. Aufgrund geltender, europäischer Regelungen wird er aber bald schon wieder inhaftiert und nach Spanien zurückgeschafft, wo sein letzter Einspruch gegen die Abschiebung von der „audiencia nacionál“ Ende Oktober 2014 abgewiesen wird. Erst die Ankündigung seiner Anwälte Claudio Lobos Villanueva und Oleksandr Voronyuk, notfalls vor den Eurpäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu ziehen und den Fall damit endgültig zu einem internationalen Politikum zu machen, scheint den ein oder anderen der zuständigen Richter nun dazu bewogen zu haben, seine Meinung zu ändern, wie die Spanische Tageszeitung „El País“  berichtet. Die Anwälte hatten zuvor Berichte von Menschenrechtsorganisationen über das politisch-religiöse Klima Indonesiens als Argumentationshilfen herangezogen, um darauf aufmerksam zu machen, was Firasat dort erwarten würde.

Was macht aber nun diesen pakistanischen Christen und Familienvater so „gefährlich“, dass ein europäisches Land erwägt, ihn in ein für seinen Leib und Leben gefährliches Land abzuschieben ? Nun, Imran Firasat macht aus seinem Herzen keine Mördergrube und berichtet offen und engagiert über die Verhältnisse in seinem Geburtsland Pakistan, vor allem über die Motivationen religiös bedingter Verfolgung von Minderheiten dort. Über diese am eigenen Leibe erlebten Erfahrungen gelangte er zur sog. „Islamkritik“, was in etwa soviel bedeutet, dass er sein Gastgeberland Spanien offen und multimedial davor warnte, Forderungen islamischer Länder und Verbände nach Einschränkung der Meinungsfreiheit, nach Geschlechter-Apartheid und nach diversen Sonderrechten für Muslime nachzugeben. Dafür errichtete er u. a. sein Internetportal „mundo sin islam“, was in etwa soviel bedeutet wie „Welt ohne Islam“. Man mag über die Argumente, die präsentierten Fakten und deren Gewichtung durch Herrn Firasat unterschiedlicher Meinung sein und muss sicher nicht jede seiner Initiativen unterstützenswert finden, aber sein Recht darauf, frei seine Ansichten publizieren und sie damit auf dem „Markt der Meinungen“ zur Diskussion stellen zu dürfen, sollten eigentlich alle Anhänger der offenen Gesellschaft und der Diskurskultur verteidigen. Anders gesagt: nicht jeder Tonfall oder jede Aktion Firasats (u. a. hat auch er die Produktion eines Aufklärungsfilms über den „Propheten“ Mohammed mit Namen „die Unschuld des islamischen Dschihad“ initiiert) muss man mögen oder für sinnvoll erachten, um sein Recht auf freie Meinungsäußerung dennoch zu akzeptieren und zu unterstützen. Wir kennen ja alle Voltaires Credo: „Ich mag verdammen, was du sagst, werde aber mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.“

Leider sahen und sehen das diverse Aktivisten und Fanatiker anders. Allein in seinem ehemaligen Gastland Indonesien gibt es einen Aufruf des sog. „Ulema Councils“, eines dort gesellschaftlich sehr einflussreichen „Rates der Islamgelehrten“, Herrn Firasat, sobald man seiner habhaft werden kann, zu töten. Unter dem Druck diverser, auch in Spanien aktiver, islamischer „pressure groups“ geriet Firasat aber vor allem, weil er auch politisch aktiv werden wollte. Er initiierte vor einigen Jahren eine Petition zum Verbot des Koran in Spanien, analog etwa zum Verbot des offenen Handels mit Hitlers „Mein Kampf“ hier in Deutschland, weil er dieses Buch für gefährlichen, sozialen Sprengstoff hält. Nachdem diese Eingabe tatsächlich in die dafür zuständigen Büros gelangte und zur Beratung vorbereitet wurde, begannen die erneuten Probleme Firasats mit den Immigrationsbehörden Spaniens. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Wie dem aber auch immer sein mag, Imran Firasat ist sicher ein „Unbequemer“, ein nicht zum Verstummen zu bringender Mahner, der in einem Europa schrittweise immer weiter eingeschränkter Meinungsfreiheit sicher einige unausgesprochene Tabus bricht und in „DARÜBER_REDET_MAN_NICHT“-Zonen eindringt.

Sie wundern sich, dass Sie noch nie den Namen Imran Firasat gehört haben ? Nun, als Ex-Muslim, der auch noch seinen abgelegten Glauben als gefährlich und rückwärtsgewandt betrachtet, macht man sich in der „Freien Welt“ des Westens eben derzeit wenig Freunde. Fragen Sie mal Frau Hirsi Ali oder Aktivisten wie Walid Schubat und Nonie Darwisch. Für so einen „Störenfried“ wie Firasat setzen sich also leider weder Amnesty International noch die UN, weder die EU noch open doors ein und die Medien schweigen weitgehend über dessen Schicksal. Weshalb es auch nicht ganz leicht ist, belastbare Fakten aus dem Leben Imran Firasats zu recherchieren und man als Beobachter oftmals auf gesunden Menschenverstand und das Betrachten von Wahrscheinlichkeiten angewiesen ist, um die roten Linien in diesem Falle zu erkennen.

Immerhin: bis auf weiteres ist Imran Firasat nicht mehr inhaftiert. Sobald bekannt ist, ob er in Spanien zu bleiben gedenkt, ober er vielleicht doch noch einmal als legaler Asylbewerber anerkannt wird, ob er weiterhin publizistisch aktiv bleiben wird u. ä. werde ich auf der FB-Seite des BGvK darüber berichten. Auch die englischsprachige FB-Seite seiner Unterstützer kann als Informationsquelle herangezogen werden.

(Quellen: diverse, vor allem „El País“ vom 14. Dezember 2014)

UPDATE: Zum besseren Verständnis: die Abschiebung Firasats ist zwar aufgehoben, sein Aufenthaltsstatus ist aber immer noch ungeklärt ! Sein Asyl in Spanien ist weiterhin aufgehoben, er hat de facto noch immer keine Papiere, die ihm einen Daueraufenthalt in Spanien gewähren würden, ist also wie viele Illegal eingereiste Leute ein sog. „sin papeles“. Aus einer weiteren Quelle, die übrigens ebenso wie ich auf das fehlende Medienecho zu diesem Falle hinweist, habe ich die Anregung für diese Präzisierung gezogen.

(Quelle: „die Achse des Guten“ vom 15. Dezember 2014)

UPDATE: Es ist eine persönliche Erklärung von Imran Firasat in Englisch aufgetaucht, in der er seinen derzeitigen Status deutlich beschreibt. Nach seiner Aussage also ist NUR DIE ABSCHIEBUNG NACH INDONESIEN jetzt vom Tisch, die Verweigerung des Aufenthalts in Spanien ist aber weiterhin gültig. Es scheint, als sei er unmittelbar nach seiner Entlassung aus der Abschiebehaft wieder in Gewahrsam genommen worden, um ihn MIT UNBESTIMMTEN ZIEL, VORZUGSWEISE PAKISTAN, des Landes zu verweisen. Beten wir also weiter für Imran Firasat. Denn ob Indonesien oder Pakistan: für ihn würde es so oder so tödlich enden. Danke, Spanien.

(Quelle: „International Solidarity Group for Imran Firasat“ vom 15. Dezember 2014 / Facebook-Seite)

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