Türkei: Kirchengemeinde zwangsgeschlossen, Pastor wird deportiert

Über den Kurs der Türkei bezüglich seiner religiösen Minderheiten sollte man sich keine Illusionen machen. Wer gelegentliche Signale der Lockerung eines Ausbildungverbots für Geistliche oder des Bau- und Restaurierungsverbots von Kirchen überinterpretiert, wird immer wieder enttäuscht werden, wenn etwa historischer Kirchengrundbesitz enteignet wird oder Kirchen, die historische Bedeutung für die gesamte Christenheit haben (Nicäa/Iznik) in Moscheen umgewandelt werden. Die Taten sprechen hier deutlicher, als nettgemeinte Worte aus den Kreisen der Regierungspartei AKP. 

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Und so darf man auch nicht „aus allen Wolken fallen“, wenn man jetzt hört, dass im August 2014 eine evangelische Kirchengemeinde in Gaziantepe von den Behörden geschlossen wurde. Der dort tätige Pastor, ein US-Bürger mit dem Namen Patrick Jensen wurde kurze Zeit später festgenommen und soll deportiert werden. Vorwurf der Behörden: „illegale Beschäftigung“. Wie plausibel diese Vorwürfe sind, muss abgewartet werden, da die Gemeinde Anwälte eingeschaltet hat, um zunächst einmal Auskunft über die genaue Art und Weise der Anklagen und das von den Behörden gewählte Verfahren des Vorgehens zu bekommen. Was also sind die bekannten Fakten ?

Patrick Jensen lebt seit 2005 in Gaziantepe und leitet dort eine kleine, evangelische Gemeinde mit dem Namen „New Life Church“. Ihm und seiner Kirche wird vom zuständigen Ministerium unterstellt, ein Arbeitsplatz wie jeder andere zu sein. Um also in der Gemeinde arbeiten zu können, sei im Falle des „Ausländers“ Jensen eine Arbeitserlaubnis notwendig, die in seinem Falle aber nicht vorliege. Mit dieser Begründung wurde am 28. August 2014 die New Life Church geschlossen und versiegelt. Zwei Wochen später wurde Patrick Jensen dann von den Behörden festgenommen, 30 h festgehalten und soll nun als „Illegaler“ deportiert werden. Zunächst ist er aber wieder auf freiem Fuße, solange das Verfahren andauert.

Die Gemeinde hat Anwälte eingeschaltet, die zunächst am 26. September 2014 einen Eilantrag zur Abwendung der Deportation von Pastor Jensen beim zuständigen Gericht eingereicht haben. Pastor Jensen selbst wird so zitiert, dass er bemerkt habe, wie sich die Stimmung in der Stadt im letzten halben Jahr gegen sie gewandt habe. Seit der Gründung der Gemeinde nach seiner Ankunft in Gaziantepe im Jahre 2005 wäre die Atmosphäre eigentlich nicht schlecht gewesen, weshalb er sich erstaunt darüber zeigt, wie „feindlich“ die Behörden sich jetzt zeigten. Allerdings sei der Fall Jensen auch kein Einzelfall, wie der Generalsekretär der türkischen, evangelischen Kirchen betont. Umut Sahin spricht davon, dass auch andere, ausländische Geistliche plötzlich Probleme mit den Arbeitspapieren und damit auch mit ihrem Aufenthaltsstatus haben. Er deutet auch an, dass die Bedingungen, nach denen legale Papiere ausgestellt werden, in der Türkei stark variieren und damit bis zu einem gewissen Grade willkürlich seien. Mit dem gleichen Begriff wird übrigens auch das Vorgehen der Behörden von Gaziantepe gegenüber der New Life Church und deren Leiter Pastor Jensen von Beobachtern bezeichnet. Die Gemeinde selbst trifft sich bis auf weiteres öffentlich in Parks oder privat bei einem ihrer Mitglieder daheim.

(Quelle: „world watch monitor“ vom 30. September 2014)

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