„Free Abedini“ – Protestkundgebung in Berlin

Wir wissen es: es ist jetzt zwei Jahre her seit im Iran der US-Pastor Said Abedini verhaftet wurde. Aufgrund absurder und mit dem Phrasenbaukasten diktatorischer Regime „erbastelten“ Anklagen wurde ihm eine gegen die „Islamische Republik Iran“ gerichtete Tätigkeit unterstellt, vor Gericht „nachgewiesen“ und er selbst daraufhin zu acht Jahren Haft verurteilt. 

saeed-abedini

Said Abedini

Und Gefängnis im Iran dürfen wir uns halt nicht wie eine deutsche Justizvollzugsanstalt vorstellen mit Freizeitangeboten, Therapie-Möglichkeiten und Arbeitsprogrammen, sondern eher wie einen Alptraum aus verbaler und körperlicher Gewalt. Vor allem Konvertiten aus dem Islam haben, wie wir nicht erst seit dem Fall Youcef Nadarkhani wissen, einen schweren Stand in iranischen Gefängnissen. Sie müssen damit rechnen, gezielt und bewusst mit notorischen Gewaltverbrechern zusammengesperrt zu werden, die dann gegen Vergünstigungen von den Wachen den Auftrag erhalten, die Gläubigen weiter zu quälen und zu verprügeln. Der Druck auf sie, ihren Glauben wieder abzulegen und zum Islam zurückzukehren wird mit einer Mischung aus Sanktionen und Verlockungen hoch gehalten, dem man in dieser Situation menschlich betrachtet eigentlich kaum widerstehen kann. Männer wie der schon erwähnte und seit zwei Jahren wieder auf freiem Fuß befindliche Youcef Nadarkhani und sein Leidensgenosse Behnam Irani widerstanden und widerstehen im Glauben diesem Druck, den gesundheitlichen Problemen, die eine unzureichende, medizinische Versorgung bei ihnen auslöst und lassen sich auch im Gefängnis nicht dazu bringen, irgendwelche „Straftaten“ einzugestehen. Weil sie nämlich genau wissen, dass sie letztlich zum Ziel der Sicherheitsbehörden des Iran geworden sind, weil sie „Ungläubige“, in diesem Falle „Christen“ sind.

Wie in vielen anderen Ländern nämlich auch, will man im Iran so etwas wie eine „Einheit von Religion und Staatsvolk“ herstellen, eine Deckungsgleichheit von Iranischem Staatsbürger und schiitischem Muslim erzwingen. Da stören Christen, speziell ehemalige Muslime, die Weltsicht der geistlichen und politischen Führer des Iran scheinbar schon gewaltig. Ähnliche Tendenzen zur Ausgrenzung bestimmter, religiöser Minderheiten kennen wir etwa derzeit auch aus Indien, Pakistan oder Nepal. Zurück aber zum Iran und zum Fall Said Abedini.

Vor allem Said Abedinis Ehefrau Naghmeh wird seit der Verhaftung ihres Mannes nicht müde, sich lautstark und vernehmlich für ihren Ehemann einzusetzen. Sie macht mit einer eigenen Webpräsenz („http://beheardproject.com/saeed„) und vor allem ihrer Facebook-Seite („https://www.facebook.com/PrayForPastorSaeedAbedini„) auf das Schicksal ihres Mannes aufmerksam, vernetzt sich mit Menschenrechtsorganisationen und Kirchen sowie allen Interessierten, um Said Abedinis Schicksal nicht in der Flut „aktuellerer“ Nachrichten untergehen zu lassen. Sie gab und gibt diveren Medien Interviews, war schon mehrfach im TV zu sehen, stellt kleine Videos ins Netz, sprach schon vor Mitgliedern des US-Kongresses und hat nun den Tag der Gebets-Mahnwachen für Said initiiert, zu dem sich nach ihren letzten Angaben über 500 Kirchengemeinden in mehr als 30 Ländern zusammengeschlossen haben sollen. Auch der in den USA sehr prominente Prediger und Leiter von „Samaritan´s Purse“, einer Organisation für sofortige Nothilfe in Krisengebieten, Franklin Graham hatte sich erst unlängst dieser Bewegung angeschlossen.

Said und Naghmeh Abedini und ihre Kinder

Said und Naghmeh Abedini und ihre Kinder

Auch vor dem Weißen Haus in Washington hatte Frau Abedini in der Vergangenheit schon eine Mahnwache für ihren Mann abgehalten, mit der sie den US-Präsidenten dazu bringen wollte, sich stärker für die Freilassung von Said zu engagieren, als die Obama-Administration dies bisher zu tun scheint. Frau Naghmeh Abedini wird dabei nicht müde, darauf hinzuweisen dass vor allem ihre beiden Kinder den Vater vermissen und um die Familien-Gemeinschaft mit Said betrogen werden. In diesem Sinne hat auch die Menschenrechtsorganisation „Internationale Gesellschaft für Menschenrechte“ (IGfM) hier in Deutschland einen Protest gegen Saids Inhaftierung und seine schikanöse Behandlung im Gefängnis organisiert, Unterschriften für eine Petition zu seiner Freilassung gesammelt und sogar die Politik für Saids Fall sensibilisiert.

Dr. Stefan Heck, MdB erklärt sich mit Said Abedini solidarisch

Dr. Stefan Heck, MdB, erklärt sich mit Said Abedini solidarisch

Im Rahmen des „Patenprogramms“ der IGfM für in diversen Ländern aus Gewissens- oder Glaubensgründen Inhaftierte hatte nämlich jüngst der Bundestagsabgeordnete Dr. Stefan Heck (CDU) aus Marburg die Patenschaft für Said Abedini übernommen. Dieser Politiker ließ sich auch an diesem zweiten Jahrestag der Inhaftierung Pastor Saids vor der Botschaft des Iran im Berliner Nobelbezirk Zehlendorf nicht nehmen, persönlich dabeizusein, als Menschenrechtler der IGfM und willkommene Gäste die Freilassung Abedinis forderten. Er sprach ein hochwillkommenes Grußwort, dass authentischerweise einigen Anwesenden auf Farsi übersetzt wurde, der Hoch- und Amtssprache des Iran. Denn wie immer bei ähnlichen Anlässen, hatten es sich einige Exil-Iraner aus Berlin, vor allem die Mitglieder einer sehr, sehr engagierten Kirchengemeinde, nicht nehmen lassen ihre Solidarität mit Behnam Irani etwa und an diesem Tag natürlich vor allem mit Said Abedini zum Ausdruck zu bringen. Mit vehementen Sprechchören in Richtung der Botschaft forderten sie im Anschluss an die verlesenen Grußadressen dann auf Deutsch und Farsi die Freilassung Abedinis. Eine der zuvor gehörten Grußadressen stammte übrigens von Naghmeh Abedini, die auch Deutschland für seine Anteilnahme am Leiden ihres geliebten Ehemannes dankte.

DSCI0944_compressedPassanten wurden wieder mit Informationen zur Menschenrechtslage im Iran bedacht, Unterschriften für die Said-Petition gesammelt, gemeinsam dem Herzen Luft gemacht, welches es einfach nicht hinnehmen will, dass ein Christ um seines Glaubens willen leiden muss. Ein Rundfunkreporter führte ein Gespräch mit dem Pastor der o. e. Kirchengemeinde, der es sich nicht hatte nehmen lassen, ebenfalls aus Solidarität mit Said und natürlich mit seinen anwesenden Schäfchen herbeizueilen. Auch die Rede des MdB Dr. Heck wurde übrigens von dem Reporter registriert. Immerhin. Rundum eine gelungene Veranstaltung, die natürlich keine Gebetsrunde ersetzt, aber aufgrund der strikten, religiösen Neutralität des Veranstalters IGfM, die als „weltliche“ Menschenrechtsorganisation keinen kirchlichen Auftrag haben kann, aber genau so abgehalten werden musste. Die anwesenden Polizeibeamten hatten jedenfalls wie immer wenig zu tun und konnten so in Ruhe miteinander plauschen. Das ist auch nicht bei jeder Kundgebung in der deutschen Hauptstadt so und dafür darf man auch schon mal dankbar sein.

So konnte man in Frieden wieder nach Hause gehen und hoffen, dass solche Kundgebungen in jeder Richtung (Politik, Kirchen, Diplomatie…) hin Wirksamkeit entfalten werden, damit sich auch im Falle von Said Abedini etwas bewegen möge.

Bitte beten doch auch Sie für Said Abedini, seine Familie und alle, die aus ähnlich konstruierten Gründen in iranischen Gefängnissen sitzen.

Ihr

Martin Clemens Kurz

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