IGfM und Mahnwache für Nordkorea…

Die „Mahnwache Nordkorea“ und die „Internationale Gesellschaft für Menschenrechte“ (IGfM) luden zu einer Kundgebung vor der Nordkoreanischen Botschaft ein, um für die Abschaffung der schrecklichen Arbeitslager dort Stellung zu beziehen. Vertreter diverser Organisationen und sogar ein Bundestagsabgeordneter äußerten dabei ihre An- und Einsichten über die Lage im vielleicht am besten abgeschotteten Staat der Welt. 

Wie so oft, wenn man ein gutes Anliegen teilen und „mitteilen“ möchte, spielte uns das Wetter wieder einen kleinen Streich. Ausgerechnet während der Ansprachen und damit verbundenen Unterschriftensammlung für den in Nordkorea inhaftierten Pastor Kenneth Bae begann ein heftiger Schauer herniederzugehen. Hier zeigt sich, wem es wirklich um das Anliegen geht und wer höchstens ein gelegentlicher Unterstützer der zwei einladenden Gruppen ist. In jedem Falle aber musste das Programm heute „zügig“ abgespult werden, um erste Erkältungen zu vermeiden.

DSCI0826_compressedDie Vertreter-innen der IGfM waren extra aus Frankfurt/Main angereist, um hier auf die Verhältnisse in Nordkorea aufmerksam zu machen, Unterschriften zu Gunsten der Befreiung von Kenneth Bae zu sammeln und Passanten über die Menschenrechtsverletzungen in der Kim-Diktatur zu informieren. Wie immer vorneweg der so ungeheuer umtriebige und tätige Kampagnenmanager Daniel Holler, den ich persönlich schon von diversen anderen Veranstaltungen her kenne und schätze. Respekt für die junge, fröhliche Truppe, die so viele Autostunden Fahrt hinter sich hatte und dennoch so eine gute Figur machte ! Sie hatten einen Käfig mitgebracht, der die Gefängnisse in Nordkorea symbolisieren sollte, hatten Masken mit dem Konterfei des derzeitigen Diktators von Nordkorea, Kim-Jong-Un, angelegt und machten mit selbstgebastelten „Atomraketen“ auf das brutale Ungleichgewicht im Finanzhaushalt dieses Landes zu Gunsten des Militär-Etats aufmerksam.

Arnold Vaatz, MdB, spricht

Arnold Vaatz, MdB, spricht

Die Mahnwache Nordkorea stockte dann pünktlich um 14.00 Uhr die Reihen der Menschenrechtler auf und schon konnte die eigentliche Kundgebung beginnen. Mit ihren Rufen nach Abschaffung der Straflager und der Abschaffung von Nordkoreas Atomprogramm zu Gunsten der hungernden Bevölkerung stimmte die Mahnwache alle Anwesenden auf das Thema ein. Im Anschluß sprach der Bundestagsabgeordnete Arnold Vaatz (CDU) über seine Erfahrungen, die er bei einer Reise nach Nordkorea vor einem Jahr gesammelt hatte. Gemeinsam mit „Kap Anamur“ – Gründer Rupert Neudeck hatte Vaatz das Land besucht und war über die Zustände dort so sehr erschüttert, dass er sie sogar im Vergleich mit der DDR, die er ja noch aus eigener Erfahrung kennt, für katastrophal hält. Er erinnerte auch daran, dass wir Deutschen es als Gnade begreifen dürfen, die Vereinigung der deutschen Staaten erlebt zu haben, was vielen Millionen Deutschen zu Gute gekommen sei. Dies freudige Ereignis ist in Korea noch nicht eingetreten, weshalb ein Teil der Halbinsel in bitterster Armut lebt.

Danach sprach Frau Soun-Kyoung Beck, die Vizepräsidentin der „Deutsch-Koreanischen Gesellschaft“. Ihre bewegenden Worte gingen ein wenig in den Windböen und Regenschauern unter, aber unvergesslich bleibt ihre Aussage: „Wir erwarten ja gar keine großen Dinge, wie plötzliche Freiheit oder Wohlstand für alle. Aber dafür, dass jeder Nordkoreaner sich satt essen kann, wollen wir uns doch einsetzen.“ Man stelle sich dies vor: im 21. Jahrhundert hungern Millionen Menschen, weil ein Staat es für wichtiger hält, korrupte Militärs und Beamte durchzufüttern und sich Atomwaffen anzuschaffen, anstatt die Grundversorgung seiner Bevölkerung sicherzustellen.

Frau Gerda Ehrlich von der Mahnwache Nordkorea erinnerte als nächste Rednerin daran, dass regelmässig Christen in Lager gesteckt, Besitzer von Bibeln mit dem Tode bedroht und die Bevölkerung in ein Drei-Klassen-System eingeteilt werde. Alle staatlichen Stellen klassifizieren Bürger in „Freundlich gesonnen“, „Weniger freundlich“ und „Feinde“. Je nachdem, wo man eingruppiert wird, gestalten sich Zugänge zu medizinischer Versorgung, Nahrungsmitteln, staatlichen Jobs etc. mehr oder minder schwierig bis unmöglich. „Feinde“ müssen de facto damit rechnen die Hunderttausenden ihrer Landsleute in den Vernichtungs- und Arbeitslagern unfreiwillig zu verstärken.

DSCI0863_compressedDie Bundestagsabgeordnete und ehemalige Familienministerin Christina Schröder ließ ein Grußwort verlesen, das sie der IGfM zugesandt hatte. Auch darin verwies sie darauf, wie dankbar wir Deutschen sein können, dass wir schon vor 25 Jahren das letzte, diktatorische Regime auf unserem Boden abgeschüttelt hätten. Leider konnte ich die Rede von Dr. Wolfgang-Christian Fuchs von der „Union der Opferverbände der kommunistischen Gewaltherrschaft“ (UOKG) nicht recht verstehen, da ausgerechnet jetzt das Megafon seinen Dienst nur z. T. versah. In jedem Falle verwies auch er darauf, dass kommunistische Regime im allgemeinen selten in der Lage seien, ihren „Opfern“, der Bevölkerung nämlich, sichere, materielle Verhältnisse, sichere Grundversorgung und ein menschenrechtlich unbedenkliches Lebensumfeld zu verschaffen.

Anwesende, koreanische Demonstranten stimmten dann noch ein bekanntes Volkslied an, in dem es wohl um die Heimkehr und die Liebe zu Korea geht. Es sei, so sagte man mir, so alt, dass es vermutlich alle Koreaner, sowohl im Norden wie im Süden, kennen würden.

Wie nicht anders zu erwarten, hielt sich das Medien-Interesse an der Kundgebung leider arg in Grenzen, um es vorsichtig zu formulieren. Vermutlich war die Eröffnung der „Mall of Berlin“ am Leipziger Platz, die am selben Tag stattfand, den Medienvertretern wichtiger. Von solchem Luxus wie in diesem Edel-Einkaufszentrum können die meisten Bewohner Nordkoreas natürlich nur träumen, was aber sicher keinem öffentlich-rechtlichen oder sonstigen Vertreter der einheimischen „Qualitätsmedien“ schlaflose Nächte bereiten dürfte. Schade eigentlich.

Die Mahnwache schloß dann mit dem schon seit Jahren bekannten Gesang des „Kyrie Eleison“ und löste sich dann langsam auf.

Beim nächsten Male dann vielleicht mit mehr Teilnehmern ? Kommen auch Sie ? Jeden Donnerstag, 14 – 15 Uhr vor der Botschaft Nordkoreas, Glinkastraße 5-7, 10117 Berlin.

Gruß

Ihr Martin Clemens Kurz

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