Sri Lanka: Asylsuchende Christen ausgewiesen

Fangen wir mit Pakistan an: Pakistan steht im „Weltverfolgungsindex“ der Hilfsorganisation „open doors“ auf Platz 8. Im vergangenen Jahr stand es auf Platz 14, eine Tendenz ist also erkennbar. Christen haben in Pakistan einen schweren Stand, müssen mit alltäglicher Diskriminierung, mit dem Versagen von Bildungs- und Karrieremöglichkeiten leben ebenso wie mit der Möglichkeit spontaner Pogrome, wenn ein Christ vermeintlicher „Blasphemie“ im islamischen Sinne bezichtigt wird. Unsere Pakistan-Rubrik ist voll mit entsprechenden Beispielen. Kein Wunder, dass pakistanische Christen es oftmals im Lande nicht mehr aushalten und zu fliehen versuchen. U. a. auch nach Sri Lanka. Dies könnte sich nun ändern…

Sri_LankaDenn Sri Lanka hat damit begonnen, eine Reihe pakistanischer Asylsuchende auszuweisen, darunter mehrheitlich Angehörige der dortigen, christlichen Minderheit. Mindestens 88 Personen seien seit Anfang August 2014 nach Pakistan „rückgeführt“ worden. Ob ihnen dort Gewalt oder gar der Tod drohen, scheint für die Behörden des Inselstaates keine Rolle zu spielen. In Colombo scheint man davon auszugehen, dass die Versorgung von Flüchtlingen aus anderen, asiatischen Ländern die Ressourcen des Staates überfordert. Mittlerweile soll sogar die UN Bedenken gegen die Vorgehensweise von Sri Lanka erhoben haben. Aber rollen wir den Vorfall mal vom Anfang her auf.

In Sri Lanka ist der Buddhismus de facto Staatsreligion. Alleine die zuständige Behörde verrät durch ihren Namen („Ministerium für religiöse Angelegenheiten und buddhistische Lehre“) bereits, dass so etwas wie die Religionsfreiheit und religiöse Neutralität des Staates im klassischen Sinne dort kaum existiert. Vor allem singalesische (Mehrheitsbevölkerung, anderes Thema 🙂 ) Christen müssen damit rechnen, ausgegrenzt und diskriminiert zu werden. Ähnlich wie im hinduistischen Nachbarstaat Indien, wird auch in Sri Lanka eine „ein Volk, eine Religion“-Politik notfalls gewaltsam durchgesetzt, nur dass es sich im ehemaligen Ceylon eben nicht um den Hinduismus sondern den Buddhismus handelt.

Vor diesem Hintergrund muss auch die Kontroverse um die Flüchtlinge aus Pakistan gesehen werden, die in ihrer Mehrheit wohl zur christlichen Minderheit gehören. Wenn in einem Land wie Sri Lanka schon die „eigenen“ Christen den „sozialen Frieden“ im Sinne des vorherrschenden, politischen Klimas zu gefährden scheinen, was können dann ausländische Christen, die noch dazu auf Hilfe und Nächstenliebe angewiesen wären, erwarten ? Eben. Nix.

Gegen die Abschiebungspolitik Sri Lankas war bereits vor längerer Zeit juristischer Einspruch eingelegt worden. So hatte z. Bsp. der Anwalt Lakshan Dias am 15. August 2014 im Namen einer von der Abschiebung betroffenen, pakistanischen Christin eine vorläufige Aussetzung der Deportationen gefordert, weil in dem knappen Zeitrahmen angeblich keine ausreichende Prüfung des Flüchtlingsstatus durch das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) möglich sei. Ein Gericht hatte diesen Antrag am 01. September 2014 abgelehnt, eine erstinstanzliche Verfügung damit de facto aufgehoben und die Abschiebungen gehen dementsprechend weiter. Die Regierung Sri Lankas lässt zur Festigung dieser Entscheidung auch Gerüchte kolportieren, wonach Asylbewerber in Kriminalität verstrickt und als Krankheitsträger (Malaria) für das Wohl der Bürger Sri Lankas gefährlich seien.

Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass auch das Hochkommisariat für Flüchtlinge der UN mittlerweile davon spricht, dass Sri Lanka „internationales Recht bezüglich der nicht-zwangsweisen Rückführung von Flüchtlingen“ breche. Sri Lanka hingegen macht geltend, dass es die U.N. Flüchtlingskonvention von 1951 nie unterschrieben habe und somit auch nicht an sie gebunden sei. Wie dem auch immer sein möge, in jedem Falle scheint es so zu sein, dass Sri Lanka als Möglichkeit für pakistanische Christen, die akut von Pogromen, Todesstrafen wegen „Blasphemie“ o. ä. bedroht sind, sich als Flüchtlinge wegen religiöser Verfolgung registrieren zu lassen, ausfällt. Die buddhistische Intoleranz (Sri Lanka) und die islamische Gewalt gegen Christen (Pakistan) zerreiben hier die pakistanischen Geschwister zwischen sich. Die Spielräume für das Überleben des Evangeliums in der Region werden somit immer enger.

(Quelle: „bosnewslife“ vom 09. September 2014)

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