Iran: christlicher Gefangener verlegt, Motive suspekt

Farshid Fathi, der „Gefangene des Monats“ der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGfM) vom Oktober 2012, wurde unlängst verlegt. Die Gründe dafür sind momentan noch unklar, deuten aber auf eine Art von Bestrafung oder Strafverschärfung für den christlichen Aktivisten hin. 

Farshid Fathi

Farshid Fathi

Farshid Fathi wurde 1979 geboren, ist verheiratet und zweifacher Vater. Er war leitend im Netzwerk der christlichen Hauskirchen des Iran tätig, die vorwiegend aus Konvertiten vom Islam bestehen. Seine Festnahme am 26. Dezember 2010 und auch seine “geheime” Verurteilung zu einer sechsjährigen Haftstrafe wegen „Aktivitäten im Namen ausländischer Organisationen und Spendensammlung für diese“ muss im Rahmen der sich seit Jahren verschärfenden Situation der Hauskirchen im Iran betrachtet werden. Führende Offizielle der “Islamischen Republik Iran” wie der Teheraner Gouverneur Morteza Tamadon und ebenso Staatschef Khamenei haben sich schon seit 2010 mehrfach abfällig über die Hauskirchen geäußert. Sie seien “Extremisten”, die den “Körper des Islam” missbrauchten und seien “abartig”. In diesem Licht betrachtet sind die diversen Anklagen gegen christliche Leiter und Verantwortungsträger im Iran wegen „staatsgefährdender Aktivität“ etwa oder ähnlich schwammigen Anklagen de facto als Einschränkung der Religionsfreiheit zu betrachten, da sie gezielt gegen Christen und Bahais eingesetzt werden.

Im Zusammenhang mit den Verhaftungen etwa von Behnam Irani oder Said Abedini hatte ich schon vor zwei Jahren etwa folgende Kurzeinschätzung verfasst, die leider auch heute noch gültig ist:

Die Islamische Republik Iran ist als einer der offensten Verletzer von Minoritäten- und Menschenrechten weltweit bekannt. Das streng-schiitische Regime der Mullahs wacht eifersüchtig über die kleinsten und größten Dinge im Lande. Alles, was der Religiös-Politischen Auslegung ihrer Repräsentanten als „unislamisch“ erscheint, wird auch sofort als „uniranisch“ deklariert und kann somit als „Verrat“ ausgelegt werden. Hier sehen wir die Unfähigkeit und den Unwillen islamischer Regime, Politik und Religion in zwei gesellschaftliche, voneinander getrennte Fächer zu tun, wie dies in unserem Kulturkreis nach langem Ringen üblich geworden ist.

Unter dieser Vermischung von Religion und Politik leiden sämtliche ethnischen und religiösen Minderheiten des Iran. „Apostaten“, …, ohnehin. Dabei verletzt der Iran offen und ohne Rücksicht seine eigene Verfassung, die im Artikel 23 besagt, dass niemand zu seinem persönlichen Glauben befragt werden darf, oder deswegen belästigt werden soll. Von der eklatanten Verletzung internationaler Abkommen, die auch der Iran gezeichnet hat, ganz zu schweigen. Schon allein, um dem Vorwurf, Christen alleine wegen ihres Glaubens ins Visier zu nehmen, zu entkommen, werden also Gläubigen immer wieder „Verbrechen gegen die nationale Sicherheit“ angehängt, die natürlich strafbar sind.

Diesen Worten ist bedauerlicherweise noch immer nichts hinzuzufügen. Außer, dass auch die Gefängnisse im Iran besonderen Zwecken dienen, die nicht einzig und allein im Vollzug der Haftstrafe als solcher liegen. So ist etwa das „Evin“ – Gefängnis in Teheran hauptsächlich eine Einrichtung, in der politische Gefangene und Gefangene der Gewissens, wie verfolgte Bahai und Christen, einsitzen. Mehr als einmal wurden Gerüchte darüber laut, dass dort Folterungen und schwere Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung seien. Während nun wiederum etwa das „Rajaj – Schahr“-Gefängnis in Karaj  eher dafür bekannt ist, eine besondere Abteilung für Schwerstkriminelle und „Unverbesserliche“ Gewalttäter zu besitzen. Sowohl Said Abedini, dessen Frau Naghmeh seit Monaten versucht, die (vor allem US-amerikanische) Öffentlichkeit auf den Fall ihres Mannes aufmerksam zu machen, als auch Farshid Fathi sind nun mittlerweile ins Rajaj-Schahr-Gefängnis verlegt worden. Und zwar in den für die bereits erwähnten Schwerstkriminellen angelegten Trakt Nr. 10. Im Falle von Farshid Fathi erfolgte diese Verlegung am 19. August 2014.

Die gewöhnlich gut informierte Webseite „Mohabat-News“ zitiert nun eine aus gutem Grund anonyme Quelle, die wissen will, dass es sich hierbei um eine Strafverschärfung für Farshid Fathi handeln soll. Folter, Vergewaltigung und Prügel durch Mitgefangene werden hier bewusst in Kauf genommen bzw. ermutigt. Wobei die Strafvollzugsbehörden angeblich (ich bin kein Jurist, der sich noch dazu mit Details wie den Vorschriften für die Gefangenen-Unterbringung im Iran auskennt, also verlasse ich mich auf die Quellen) sogar geltendes Recht mißachten, da Gefangene im Iran angeblich nach ihren jeweiligen „Kategorien“ der begangenen Straftaten zusammengelegt werden müssen. Davon abgesehen, dass die Anklagen gegen Männer wie Behnam Iran, Said Abedini und Farshid Fathi ohnehin hahnebüchen waren und ihre Verurteilungen letztlich in die Kategorie der „Christenverfolgung durch das iranische Justizsystem“ gehören, weil die Anklagepunkte so dermaßen konstruiert und schwammig daherkamen, dass selbst Gummiparagraphen im iranischen Strafrecht bis zum Brechen gebeugt werden mussten.

Was soll nun also mit den Verlegungen nach Karaj, in den angeblich sogar auf dem Gefängnisgelände abgesonderten Schwerstkriminellen-Trakt des Rajaj-Schahr-Gefängnisses bewirkt werden ? Sollen die christlichen Aktivisten sich dort selbst wie Schwerstverbrecher vorkommen ? Sollen sie dort von Schwerstverbrechern gequält werden, damit die Justizbehörden „ihre Hände in Unschuld“ waschen können, da ja nicht ihre Wärter die Prügel und Folter ausführen ? Wir werden an diesem Fall dran bleiben und weiterhin alle wichtigen Details dazu hier im Blog veröffentlichen. Bis dahin, liebe Leser, bitte beten Sie doch für die geistige und körperliche Gesundheit und Unversehrtheit von Farshid Fathi und Said Abedini.

(Quelle: „Mohabat-News“ vom 24. August 2014)

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