Mehr Details über Gao Zhishengs Haft…

Erst vor wenigen Wochen wurde der Christ und ehemalige, chinesische Menschenrechtsanwalt Gao Zhisheng aus seiner Haft entlassen. Am 07. August 2014 wurde er wieder auf freien Fuß gesetzt, worauf wir auch in einem Beitrag hier im Blog hingewiesen haben. Nun werden langsam mehr Details aus seiner Haftzeit bekannt, von denen einer seiner Anwälte einige jetzt publiziert. 

gao zhisheng3Aber, mit der „neugewonnenen Freiheit“ ist es für Gao Zhisheng nicht gar soweit her, denn derzeit steht er im Hause seiner Schwägerin in Xinjiang unter permanenter Beobachtung durch die Sicherheitsbehörden.  Immerhin ist dies ein Fortschritt im Vergleich zu den Haftbedingungen, von denen jetzt die Rede ist. So soll Gao komplett isoliert gehalten worden sein, seine Wärter durften angeblich kein Wort mit ihm wechseln und von der Mangelernährung möchte man eigentlich gar nicht erst anfangen. Weiter hatte Bruder Gao keinerlei Zugang zu Medien irgendwelcher Art, ganz zu schweigen von einer Bibel. Seine Zelle war praktisch kaum erleuchtet und insgesamt verlor er in seiner Zeit im Gefängnis fast 1/3 seines Körpergewichtes. Auf die Probleme, die eine nur mangelhaft mögliche Zahnhygiene hinterließ, habe ich ja bereits im Artikel über seine Freilassung hingewiesen.

Es wird weiterhin davon ausgegangen, dass Gao Zhisheng auch regelmäßigen, körperlichen Misshandlungen seitens des Wachpersonals ausgesetzt war. Sein derzeitiger physischer und mentaler Status soll, so wollen es Berichte aus China wissen, „erschütternd“ sein. Dennoch wird ihm auch außerhalb des Gefängnisses weiterhin der Besuch eines Arztes durch die Sicherheitsorgane unmöglich gemacht. Es scheint fast so, als habe man Gao wie ein waidwundes Tier „nur zum Sterben“ aus dem Gefängnis entlassen. Seine mittlerweile seit einigen Jahren in den USA lebende Ehefrau Geng He, die damals aufgrund der akuten Gefahr ähnlich schwerer Misshandlungen seitens der Staatsorgane Chinas mit ihren Kindern ausreiste, veröffentlicht nach einem ersten Telefonat mit ihrer Schwester und mit Gao selbst, folgendes Statement:

Ich bin komplett erschüttert durch das, was die chinesische Regierung meinem Mann angetan hat. Das einzige, was ich immer mehr gefürchtet habe, als dass man ihn tötet, war, dass er eine dauerhafte, erbarmungslose Misshandlung erleiden würde, während man ihn gerade noch am Leben ließe. Meine Kinder und ich hatten das Glück, durch die USA beschützt zu werden, seit wir im März 2009 hier ankamen.

Geng He appelliert nun an US-Außenminister Kerry und Präsident Obama, sich dafür einzusetzen, dass ihr Ehemann für eine medizinische Behandlung in die USA ausreisen dürfe. Als Ehefrau wolle sie die Möglichkeit haben, für ihn zu sorgen und ihn zu pflegen. Menschenrechtsanwalt Jared Genser zeigt sich ebenso schockiert davon, in welchem Zustand Gao sich befindet. Er habe sich, so eine Erklärung gegenüber den Medien, nicht vorstellen können, dass die Behörden in China so weit gehen würden.

Wer als Menschenrechtler Guantánamo für bedenklich hält, der sollte angesichts der Bedingungen, die Gao Zhisheng seit 2011 im Schaja-Gefängnis von Xinjiang erlebte, aus Protest einen Dauersitzstreik vor der Chinesischen Botschaft in Berlin durchführen ! Aber leider, darauf wies ein bekannter, christlicher Blogger im Internet unlängst hin, sind Christen die hierzulande (zumindest in den Medien) mit Abstand „unbeliebtesten“ Opfer von Verfolgung und Gewalt. Die Tatsache, dass z. Bsp. die Greueltaten von ISIS und anderen Milizen in Syrien und dem Irak erst dann zum Thema der internationalen Massenmedien wurde, als sie nicht mehr primär die „andere-Wangen-hinhaltenden“ Christen betrafen, sondern auch andere, religiöse und ethnische Minderheiten dem Wahn der Terroristen zum Opfer fielen, mag dies Argument stützen. Deshalb darf man gerne Guantánamo anprangern, aber darauf hinzuweisen, dass „normale“ Gefängnisse in China noch viel übler sind, ist ein „no-go“, weil ja Kommunismus, der offiziell noch dort herrscht, für die meisten Medien per se sakrosankt ist. Oder haben wir in letzter Zeit mal wieder etwas aus dem „Paradies der Arbeiter“ in Cuba gehört ? Richtig, auch dort haben´s Kirchen nicht leicht und christliche Aktivisten werden in Scharen entweder inhaftiert, oder gleich ganz zur Ausreise in die USA getrieben… Aber das hat ja nix mit China oder Gao Zhisheng zu tun, also zurück zum Thema.

Sobald es weitere Entwicklungen gibt, die Gesundheit und Zukunft von Bruder Gao betreffend, werden wir hier im Blog wieder darüber berichten. Dieser Fall liegt uns nämlich seit dem Beginn unserer Publikationstätigkeit besonders am Herzen. Bitte beten Sie doch für den Gesundheitszustand von Bruder Gao, dafür, dass er medizinische Versorgung erhält, bald seine Frau und Kinder sehen kann.

(Quelle: „China Aid“ vom 13. August 2014)

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