Indien: Christendiskriminierung auf dem Lande…

Wenn ich Ihnen erzählen würde, dass es in mehr als 50 Orten im indischen Bundesstaat Chhattisgarh mittlerweile für „illegal“ erklärt wurde, andere, als hinduistische, religiöse Rituale zu praktizieren, würden Sie, liebe aufmerksame und mitfühlende Leser, mir das glauben ? Nun, ich erzähle Ihnen heute genau dies…

Karte von Indien

Indien

Im Rahmen einer immer stärker fortschreitenden „Re-Hinduisierung“ Indiens, bei der interessierte Politiker nationalistischer Parteien das ultimative Ziel „ein Land-eine Religion“ ausgeben, finden immer absurdere Formen der Diskriminierung nicht-hinduistischer Glaubensformen statt. Spätestens seit bei den jüngsten Parlamentswahlen auf Bundesebene die hindu-nationalistische Partei „Bharatiya Janata Partei“ (BJP) deutliche Stimmengewinne erzielen konnte und mit Narendra Modi nun auch den indischen Ministerpräsidenten stellt, geht die alltägliche Ausgrenzung beispielsweise der indischen Christen nicht nur ungehindert weiter, sondern verschärft sich immer weiter.

Vor allem auf dem „flachen Lande“ sehen jetzt offensichtlich die Feinde des Evangeliums ihre Stunde gekommen und ergreifen immer neue Maßnahmen, um Christen das Leben zu erschweren und ihnen die Ausübung ihres Glaubens unmöglich zu machen. Die „Gleichschaltung“ der indischen Gesellschaft beginnt damit im „Kleinen“. Z. Bsp. im Bundesstaat Chhattisgarh, wo mehr als 50 Orte im Distrikt Bastar unlängst Verordnungen erlassen haben, nach denen es allen Bewohnern untersagt ist, andere, als hinduistische, religiöse Rituale durchzuführen. Einige dieser Landgemeinden sind sogar so weit gegangen, Nicht-Hindus den Zugang zum Ort zu untersagen. Stellen Sie sich also vor, dass, wenn Sie einen indischen Nachbarn, Freund oder Verwandten besuchen wollen, Ihnen am Ortseingang ein Dorfpolizist die alles entscheidende Frage stellt: „Sind Sie Hindu ?“ Wenn Sie dies dann wahrheitsgemäß verneinen, dürfen Sie gleich wieder umdrehen. Oder, falls Ihnen auf Schleichwegen der Zugang zum Ort gelingt, darf jeder Nachbar, Passant auf der Straße oder neugierige Bekannte Sie bei der Ortspolizei anzeigen, sobald ihm bekannt ist, dass Sie kein Hindu sind. Klingt absurd ? Nach einer Art „Monty-Python“-Sketch ? Sie haben Recht. Aber für die Christen nicht nur im Distrikt Bastar kann dieser Akt religiöser Intoleranz üble Konsequenzen haben.

Darauf weist unter anderem die „Evangelische Jüngerschaft Indiens“ (EFI) hin. Der Vorsitzende ihrer „Kommission für Religionsfreiheit“, Pastor. Vijayesh Lal, hat nämlich am 10. Juli 2014 in einem offenen Brief an verantwortliche Politiker sowohl auf Bundes- als auch auf  Landesebene seiner tiefen Besorgnis darüber Ausdruck verliehen, dass diese Verordnungen nun zum Vorwand genommen werden könnten, um Christen weiter auszugrenzen und zu verfolgen. In diesem Brief forderte Pastor Lal u. a. :

Die Regierung muss sofort die Entscheidungen dieser Ortschaften aufheben, um das Vertrauen der christlichen Gemeinschaft in den Staat wieder herzustellen, welches in jüngster Zeit massiv erschüttert wurde.

Die umstrittenen Verordnungen wurden Ende Juni/Anfang Juli im Rahmen der Kampagne gegen „Zwangskonversionen“ erlassen. In mehreren, indischen Bundesstaaten, vor allem denen, wo die BJP und ähnliche Hindu-nationalistische Gruppen großen Einfluss haben, gibt es seit mehreren Jahren Gesetze, die generell „Zwangskonversionen“ unter Strafe stellen. Eigentlich eine noch recht sinnvolle Überlegung. Gerichtet sind diese Vorschriften vor allem aber gegen nicht-hinduistische Glaubensgemeinschaften, denen damit in der Praxis das Leben schwer gemacht wird. Bereits mehrfach habe ich auch hier im Blog darüber berichtet, wie unter dem pseudolegalen Vorwand der dortigen „Praktizierung von Zwangskonversionen zum Christentum“ beispielsweise kleine, abgelegene Christengemeinden immer öfter von hasserfüllten, durch BJP-nahe Jugendgruppen o. ä. aufgeputschte Mobs attackiert und belästigt werden. Die geistlichen Leiter dieser Gemeinden werden dann zumeist verprügelt und später der Polizei übergeben, die im vorauseilenden Gehorsam gegenüber dem hinduistisch-politischen Zeitgeist nur allzuoft sehr willig sind, nicht etwa die Angreifer zu verhaften sondern die Pastoren festzusetzen und gegen sie zu ermitteln. Für Details schauen Sie, liebe Leser, bitte in unserer „Indien-Rubrik“ nach, wo ich mehrere Fälle aus den vergangenen Jahren dokumentiert habe.

Ein Vertreter des „Welt-Hindu-Konzils“ (VHP), Suresh Yadav, berichtete denn auch vor Kurzem stolz davon,dass im Bastar-Distrikt mehr als 50 Orte nun auch Verordnungen  gegen die Anwesenheit von christlichen Missionaren erlassen haben. Was das konkret für die Verbreitung der „Guten Nachricht“ vom Erlösungswerk Christi bedeutet, kann sich jeder Mensch mit etwas Phantasie selbst ausmalen. Wir wissen ja: der Glaube kommt u. a. vom Hören der Nachricht von der Gnade Gottes und der Befreiung von der Sünde durch Jesus, unseren Herrn. Wenn nun niemand mehr diese Botschaft hören würde…. Wo nicht gesät wird, kann nichts erblühen.

Ok, genug der blumigen, biblischen Worte. Die Anwältin Tehmina Arora von der „Allianz zur Verteidigung der Freiheit“, einer Menschenrechtsgruppe in Indien, spricht in einem Kommentar zu den beschriebenen Entwicklungen deshalb auch von einem Verstoß gegen das „Ethos der Verfassung“ und sieht hier Teile der staatlichen Autorität als potentielle Diskriminierer religiöser Minderheiten. Christliche Zusammenschlüsse und Verbände diskutieren deshalb auch seit dem 11. Juli 2014 mögliche Reaktionen auf die fortschreitenden Diskriminierungen. Arun Pannalal vom  „Chhattisgarh Christian Forum“ (CCF) beschreibt dann auch de Konsequenzen solcher, lokaler Verordnungen für Christen im Bundesstaat. So hätten etwa bei einer Hungersnot im Dorf Sirisguda in Chhattisgarh 52 christliche Familien als einzige Betroffene keine Hilfsgüter und Nahrungsmittel erhalten. Als sie dennoch bei Offiziellen um Berücksichtigung baten, wurden sie verprügelt und zehn von ihnen mussten daraufhin ins Krankenhaus gebracht werden. Deshalb spricht Pannalal auch von einem „offenen Angriff auf die grundlegenden Rechte, die in der Verfassung Indiens verankert sind“. Verbände wie das „CCF“ erwägen deshalb, gerichtlich gegen die betreffenden Verordnungen vorzugehen bzw. Verfassungsbeschwerde einzulegen.

Besonders tut sich bei den Verfolgungen der hier erwähnte Bundesstaat Chhattisgarh hervor, in welchem während des ersten Halbjahres 2014 mehr als 10 schwere Übergriffe gegen Christen dokumentiert werden mussten, wie die Evangelische Jüngerschaft Indiens (EFI) meldet. Als Beispiel nennt Pastor Vijayesh Lal von der EFI den Fall des Christen Antu Ram aus dem Dorf Kue Mari bei Keschkal, der von den örtlichen Hindu-Aktivisten unter Androhung des Abfackelns seines Hauses dazu gezwungen wurde, 2.000 Rupien „Christensteuer“ zu bezahlen, weil er sich weigerte, seinem christlichen Glauben abzuschwören. Es braucht wohl nicht weiter erwähnt zu werden, dass sie ihm selbst nach der Entrichtung dieses, an Mafia-Methoden erinnernden „Schutzgeldes“, dennoch das Haus niederbrannten und Antu Ram heute in einer Hütte aus Plastikplane lebt. Interessant übrigens,dass solche Methoden von islamischen Extremisten abgeschaut wurden, die ebenfalls in der Tradition ihres „Propheten“ stehend Christen in ihren Einflussgebieten oftmals die sog. „Dschizijah“,eine Sondersteuer für Christen abpressen. Schutzgeld eben unter dem Motto: „wir lassen euch leben, so lange ihr bezahlt“. Vielleicht sollte jemand mit mehr Zeit und größerer, intellektueller Kapazität als ich mal ein Werk über die „Systematik“ in der weltweiten Christenverfolgung schreiben und über die Parallelen und Schnittmengen der Methoden von Islamisten, radikalen Hindus, national-Buddhisten (Sri Lanka etwa.) und Kommunisten etc.

In diesem Sinne: beten Sie bitte auch für Indien. Das Evangelium gerät offensichtlich auch dort in die Defensive und muss verteidigt und beschützt werden. (Wer mir jetzt mit dem theologisch-verschwiemelten „der Herr schützt aber die Seinen“ daherkommt, der sollte vielleicht mal mit Antu Ram aus Kue Mari sprechen oder mit den vertriebenen Christen von Mossul, um einmal das Land zu wechseln.)

(Quelle: „morningstar news“ vom 21. Juli 2014)

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