Sudan: Christin wegen Konversion zum Tode verurteilt (UPDATED)

Der Fall der Meriam Jahia Ibrahim Ischak im (Nord-) Sudan hat bereits medial Wellen geschlagen. In ihm manifestiert sich exemplarisch die Sicht frommer Muslime auf alle „Ungläubigen“ („Kuffar“, was gelegentlich auch als „Lebensunwerte“ übersetzt wird). Ebenso ist es eine Warnung, was passiert, wenn die Scharia in einem Land bis zur letzten Konsequenz angewandt wird. 

SudanNorden-mapWas ist nun eigentlich passiert ? Meriam Jahia Ibrahim Ischak machte von ihrem durch die UN-Menschenrechtscharta abgedeckten Recht auf freie Religionswahl Gebrauch. Diese Menschenrechtscharta wird seit 1990 von den islamisch geprägten Ländern der sog. „Organisation der Islamischen Konferenz“ (OIC) nur unter dem Vorbehalt der Vereinbarkeit mit den Vorschriften islamischen Rechts, als de facto der Scharia, anerkannt. In mehrheitlich islamisch geprägten Gesellschaften und Nationen sind die grundlegensten Menschenrechte also oftmals abhängig von den Auslegungen islamischer Rechtsgelehrter (Muftis) und der konkreten Anwendung islamischen Rechts durch staatliche Institutionen. Da der Islam jedoch die einzige Weltreligion ist, in der der Austritt bei Todesstrafe verboten ist (zumindest in der Theorie) hängt über jedem Islam-„Aussteiger“ latent ein Todesurteil, das oftmals von der eigenen Familie vollstreckt wird, falls der Staat sich aus dieser Angelegenheit heraushalten will. Zumindest muss ein Konvertit damit rechnen, von der Familie verstoßen zu werden und aus seinem sozialen Umfeld gemobbt zu werden. Das hält jedoch in der Praxis dennoch viele Menschen nicht davon ab, den Islam zu verlassen und Atheisten, Christen oder sonst etwas zu werden. Das Beispiel des deutsch-ägyptischen Publizisten Hamad abd-el Samad sei dafür genannt, dessen Vater ein Imam ist und der dennoch (oder genau deshalb?) sich heute zum Atheismus rechnet.

Der Sudan nun ist ein Land, das auf Platz 11 im Weltverfolgungsindex der Organisation „open doors“ steht und dem von dieser Organisation Akte „schwerer Verfolgung“ attestiert werden. Nicht erst seit der Abspaltung des heute Bürgerkriegs-geschüttelten Süd-Sudan im Jahre 2011 ist der Regierung in Khartum kaum ein Mittel zu schade, um ihr Land komplett von anderen Religionen als dem Islam zu „reinigen“. Man erinnere sich in diesem Zusammenhang an diverse Ultimaten, die christlichen Sudanesen gestellt wurden, um das Land zu verlassen. Die Regierung des wegen Menschenrechts-Verbrechen in Darfur bereits mit internationalem Haftbefehl gesuchten Präsidenten Al-Bashir hat in jedem Falle seit 2011 massiven Druck auf die letzten Kirchen des Nord-Sudans ausgeübt. Auch hier im Blog haben wir vereinzelt darüber berichtet. Vor allem Ex-Muslime haben vor dem bisher geschilderten Hintergrund besonders zu leiden. Eine Scharia-Sittenpolizei überwacht seit Jahren die „öffentliche Ordnung“ im Lande und orientiert sich hierbei ganz offensichtlich an Vorbildern aus Saudi-Arabien (und ungewollt auch dem Iran, aber das würden sunnitische Fanatiker nie zugeben).

Meriam Ischak und Ehemann Daniel

Meriam Ischak und Ehemann Daniel

Frau Ischak, 27 und derzeit mit ihrem zweiten Kind schwanger, wurde von dieser islamischen „Sittenpolizei“ am 17. Februar 2014 verhaftet (nach anderen Quellangaben bereits im August 2013). Sie ist orthodoxe Christin, zugelassene Ärztin und seit 2011 mit Daniel Wani, einem christlichen Sudanesen mit US-Staatsbürgerschaft, verheiratet. Dieser sitzt im Rollstuhl und ist z. T. auf ihre Hilfe angewiesen. Ihr erstgeborenes Kind, ein Sohn namens Martin, 20 Monate alt, wurde ebenfalls mit der Mutter inhaftiert und soll gesundheitlich in schlechtem Zustand sein. In der Haft wurde Frau Ischak massiv unter Druck gesetzt, zum Islam „zurückzukehren“ (der genaue Familienstatus, sowie Ort und Zeit der möglichen Konversion sind unklar, nach islamischem Recht ist sie aber Muslima, da ihr Vater Muslim war, die Mutter war hingegen orthodoxe Christin). Noch bis zum am 11. Mai 2014 ergangenen Schuldspruch in einem Gericht von Khartum gegen Frau Ischak wurde intensivster Druck auf sie ausgeübt. So hat etwa ein Imam noch auf der Anklagebank versucht, sie zum Islam zu „bekehren“, was sie aber ablehnte. Nun wurde sie wegen (ja, weswegen eigentlich ?) diverser Verstöße gegen das auf der Scharia basierende, sudanesische (Familien-) Recht verurteilt. Als Sudanesin sei sie „per Geburt“ Muslima. Sie dürfe diese Religion nicht verlassen. Ebensowenig einen Nichtmuslim heiraten und dessen Kinder bekommen. Alleine der Vorwurf der „Apostasie“, also des Verlassens des Islam hat ihr dann die erwartete Strafe eingebracht: die Todesstrafe, denn sie sieht sich nicht in der Lage, Christus im Gericht zu verleugnen. Mal ehrlich: Wie würden Sie und ich in dieser Situation reagieren ? Die Alternative lautet (wie so oft in der islamischen Welt): „Islam oder Tod“. Sie hat den Tod im Vertrauen auf Christus und dessen Auferstehung gewählt. Die Urteilsverkündung erfolgte nun am 15. Mai 2014. Der angebliche „Ehebruch“ brachte ihr die zusätzlichen 100 Peitschenhiebe ein.

„T-online“ berichtet:

„Wir haben Ihnen drei Tage gegeben, um zu widerrufen, aber Sie haben darauf beharrt, nicht zum Islam zurückzukehren“, sagte Richter Abbas Mohammed al-Chalifa, der die Angeklagte bei ihrem muslimischen Namen nannte. Die Frau wurde zudem zu hundert Peitschenhieben wegen Ehebruchs verurteilt.

Welche Ehe sie denn gebrochen haben soll, darüber liegen mir derzeit keine Angaben vor, aber das ist auch nicht notwendig. Im Notfall würde sie ein derartiger, von der Scharia beeinflusster Gerichtshof auch wegen „Ein- und Ausatmens in nichtislamischer Weise“ verurteilen, um ein deutliches Signal an die Frauen und die christliche Minderheit im Lande zu senden. In jedem Falle hat dieses Urteil ein gewisses Maß an Protest in der zivilisierten Welt ausgelöst. Die Botschaften der USA, Kanadas, Großbritanniens und der Niederlande (auffällig, dass die deutsche Botschaft nicht dabei ist ! Was sagt das über das Verhältnis unseres Landes zu den Menschenrechten ?) haben den Sudan aufgefordert, die internationalen Menschenrechte anzuerkennen und „das Recht auf einen Glaubenswechsel zu respektieren“. Alleine, dass man einen Staat an so etwas Fundamentales erst erinnern muss, sagt viel über dieses Land aus. Einem sudanesischen Minister rutschte denn auch etwas sehr Interessantes in einer Presse-Erklärung heraus:

Der sudanesische Informationsminister Ahmed Bilal Osman hatte nach dem Schuldspruch gegen Ischak gesagt, Konversion sei in allen muslimischen Ländern verboten. 

Da könnte etwas dran sein, aus den von mir eingangs geschilderten Gründen. Wir werden sehen, ob das Urteil, das auf die zitierten 100 Peitschenhiebe (für den „Ehebruch“) plus Todesstrafe (für die „Apostasie“, also den „Abfall vom Islam“) lautet, dann auch vollstreckt werden wird. Bis dahin beten wir doch bitte für das Seelenheil der Familie von Frau Ischak und von Frau Ischak selbst.
UPDATE: Frau Ischak hat mittlerweile am Dienstag, den 27. Mai 2014, ihre Tochter zur Welt gebracht. Paradoxerweise könnte dies die Ausführung ihres Todesurteils beschleunigen, wie der „Spiegel“ berichtet, denn nach den Gebräuchen der Scharia würden Todesurteile an jungen Müttern erst ausgeführt, nachdem diese abgestillt hätten. (Ich finde es ehrlich gesagt, unfassbar, dass ich mich mit derartigen Widerwärtigkeiten sog. „Rechtsprechung“ befasse. Es ekelt mich an, ich schüttele permanent den Kopf, während ich dies tippe.)
(Quelle: „Spiegel online“ vom 27. Mai 2014)

Martin Clemens Kurz

(Quellen: „T-online“ vom 15. Mai 2014 und „persecution.org“ vom 15. Mai 2014)

Weitere Quelle:

„Bild-Zeitung“ vom 16. Mai 2014.

Unterschriftenliste für Meriam Ischak, die den Sexismus und angeblichen (von mir nicht beobachtbaren) „Rassismus“ ihres Falles anprangert:

U-Liste-Stoppt Rassismus im Sudan

Anmerkung des BGVK: „Rassismus“ sehen wir als klar umrissenen Begriff, der eine Diskriminierung oder Verfolgung aufgrund von Ethnie bzw. Hautfarbe voraussetzt. Ob dies im Fall Meriam Ischak gegeben ist, ist unklar. Möglicherweise gehören die beiden Ehepartner Daniel Wani und Meriam Ischak unterschiedlichen Ethnien an. Vielleicht reicht es auch bereits, dass Daniel Wani laut Medienangaben Süd-Sudanese ist. Dennoch bitten wir darum, die Unterschriftenliste herunterzuladen, in den Gemeinden weiterzureichen und ausgefüllt an die IGfM zurückzusenden. DANKE

Am

  • MITTWOCH, den 21. Mai 2014, wird vor der
  • SUDANESISCHEN BOTSCHAFT in Deutschland,
    Kürfürstendamm 151, 10709 Berlin
  • VON 08:00 – 10:00 Uhr für Meriam Ischak

demonstriert. Zugeben, das ist sehr kurzfristig, aber das Anliegen ist ja auch dringlich, denn nach der Geburt ihres zweiten Kindes kann nun die Hinrichtung erfolgen !

UPDATE vom 01. Juni 2014:
Die BBC berichtet darüber, dass Meriam Ischak angeblich bald begnadigt und freigelassen werde. Ist der internationale Abscheu, der medialen Druck erzeugte, dafür verantwortlich ? Der Fall Youcef Nadarkhani aus dem Iran würde das nahelegen, bei dem wohl auch die weltweiten Kampagnen zu seiner Freilassung beigetragen haben.
Wir werden sehen, ob es tatsächlich dazu kommt, dass Frau Ischak freigelassen wird. Vermutlich wird sie aber nicht mehr in ihrer Heimat leben können, sondern in ihrem Abkommen zur „Begnadigung“ wird eine Ausreise in die USA, das Heimatland ihres Ehemannes, vereinbart werden, schätze ich.
(Quelle: „BBC“ vom 31. Mai 2014)

 

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