China: antichristliche Kampagne in Wenzhou geht weiter

Erst vor kurzem berichteten wir hier über die mutwillige Zerstörung der Sanjiang-Kirche im chinesischen Wenzhou (Zhejiang-Provinz). Die außergewöhnliche Rücksichtslosigkeit, mit der hier kommunistische Funktionäre gegen einen ihnen „ungenehmen“ Kirchenbau vorgingen, hat weltweit für ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit gesorgt. Nun gibt es neue Aktivitäten des Staates gegen christliche Symbole in Wenzhou zu vermelden. Eine Kampagne scheint dort anzulaufen. 

China

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Wir alle wissen es ja: in China gibt es zweierlei Arten von Kirchen. Diejenigen, die staatlicherseits kontrolliert werden und sich in Gruppierungen zusammengeschlossen haben, die solche lustigen Namen haben wie die „Drei-Selbst-Bewegung“ etc. und die mehr oder minder illegalen Hauskirchen, die sich um keine staatliche Anerkennung bemühen. Die ersteren müssen sich gefallen lassen, komplett überwacht zu werden und über ihre Mitglieder, Prediger, Geldquellen etc. staatlichen Stellen Rechenschaft legen zu müssen. Ebenso nimmt der chinesische Staat in diesen Kirchen ganz direkt Einfluss darauf, was von der Kanzel herab verkündigt wird. Das volle Evangelium, alle Inhalte der Bibel können und dürfen dort nicht gepredigt werden. Die Hauskirchen hingegen haben sich dem Studium des vollen Evangeliums und der ganzen Bibel gewidmet. Sie halten Versammlungen ab, um sich voll vom Heiligen Geist leiten und im Willen Gottes unterrichten zu lassen. Allerdings tun sie das im Wissen, dass sie „illegal“ handeln und somit z. T. schwersten Repressionen und Verfolgung ausgesetzt sind. Ihre Treffen sind oftmals nur als „konspirativ“ zu bezeichnen und ihre geistlichen Leiter haben oftmals mehr als ein Bein im Gefängnis.

Nun hat sich unter den Organisationen, Beobachtergruppen und engagierten Christen, die sich mit dem Thema der aktiven und böswilligen Verfolgung von Nachfolgern Christi befassen, in den letzten 1-2 Jahren der Trend breitgemacht, die Verhältnisse in China ein wenig schöner zu reden, als sie meiner Ansicht nach wirklich sind. Warum das so ist, darüber kann ich nur Vermutungen anstellen. Wunschdenken, politische Rücksichtnahmen und eine gewisse Ermüdung, immer wieder die Altkommunisten im ehemaligen „Reich der Mitte“ anprangern zu müssen, ohne wirkliche Erfolge zu sehen, mögen da eine gewisse Rolle gespielt haben. In jedem Falle hörte man doch öfter auch von „Experten“ die Ansicht, dass sich die Situation der Christen in China langsam aber sicher entspanne und die staatlichen Repressionen nachließen. Gemeinden wie der Shouwang-Gemeinde in Peking müssen solche Thesen wie ein Schlag ins Gesicht vorkommen. Auch die Sanjiang-Gemeinde von Wenzhou kann von einer Entspannung nur träumen. Insofern teile ich auch die etwas sehr „rosaroten“ Blütenträume vom Burgfrieden zwischen Kirchen und Staat nicht und sehe ganz im Gegenteil eine wachsende Hostilität des Staates selbst gegenüber den „gezähmten“, staatlich registrierten Kirchen auf dem Vormarsch. Vielleicht googlen Sie selbst den Namen „Shouwang“-Gemeinde in Peking, wenn Sie meinen Einschätzungen nicht vertrauen sollten.

Wie auch immer: Aus derselben Provinz, sogar aus derselben STADT, in der gerade erst der Sanjiang-Gemeinden-Kirchenneubau unter höchst umstrittenen Umständen abgerissen wurde, kommt nun die Nachricht, dass auch weitere, deutlich sichtbare Zeichen christlicher Präsenz in Wenzhou im Auftrage des Staates unkenntlich gemacht und beseitigt werden. Da es eine relevante, katholische Christenheit in Wenzhou gibt, nimmt es nicht Wunder, dass es auch Heiligen- und Marienstatuen in Wenzhou zu bestaunen gab. Die teilweise großen, bis zu 5 Tonnen schweren Statuen waren auf dem sog. „Longgang“-Hügel platziert, wo sie z. T. die Passion Christi symbolisierten. Nun haben laut Meldungen der britischen Zeitung „the Telegraph“ ca. 50 Bauarbeiter im Auftrage der lokalen Behörden damit begonnen, den Longgang-Hügel für die Öffentlichkeit abzuriegeln und die Statuen von St. Joseph, der Jungfrau Maria und von Jesus zu vermauern, so dass sie nicht mehr eingesehen werden können. Andere Statuen wurden gar mit Kränen aus ihrer Verankerung gerissen und abtransportiert. Betrachtet man dies vor dem Hintergrund des bereits erwähnten Abrisses der Sanjiang-Kirche scheint hier eine gezielte Kampagne der Stadt- oder Provinzialverwaltung gegen das Christentum in Wenzhou vorzuliegen. Zumal angeblich auch Quellen dem „Telegraph“ eine Liste vorgelegt haben sollen, nach der bis zu 20 Kirchen in der Zhejiang-Provinz bereits von Abriß- und Abbruchmaßnahmen betroffen sein sollen.

Es wird weiterhin darüber berichtet, dass bis zu 100 katholische Christen, die zum Longgang-Hügel gelangen wollten, daran gehindert wurden. Der „Telegraph“ schreibt von Fassungslosigkeit und Tränen unter den Gläubigen, als sie die Zerstörung ihrer beliebten Wallfahrsstätte mitansehen mussten. Auch vom Absingen von Hymnen wird berichtet. Manche Augenzeugen fühlten sich bereits wieder an die unseligen Zeiten der chinesichen „Kultur-Revolution“ unter Mao erinnert. Da der Longgang – Hügel in Wenzhou den katholischen Einwohnern der Zhejiang-Provinz also offensichtlich wichtig war, hätte man auch eine Reaktion aus dem Vatikan erwarten können. Meine üblichen, öffentlich zugänglichen Quellen aus der „Welt des Katholizismus“ haben jedoch noch keinen Mucks von Franziskus oder einem seiner Mitarbeiter vermeldet. Was nicht ist, kann ja noch werden, also wird man abwarten dürfen, ob der Konsens-Papst, der sich so ungern mit irgendjemandem anlegt, das Rückgrat besitzt, die Dinge in China beim Namen zu nennen und sich so mit der sehr mächtigen, chinesischen Regierung anzulegen. Noftfalls wird sich schon ein Kardinal oder so finden, der ein paar deutliche Worte veröffentlichen wird, denke ich.

(Quelle: „The Telegraph“ vom 01 Mai 2014)

 

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