Argentinien: neues Gesetz bringt Kirche in Probleme

Zugegeben: Aus Südamerika hört man wenig über echte „Christenverfolgung“. Zwar geraten Pastoren, Laien und Ordensleute oft zwischen die Fronten von Bürgerkriegen oder staatlichen Sicherheitsbehörden und Verbrecherkartellen, aber nur im kommunistischen Kuba oder den Gebieten, wo marxistische Rebellen bestimmte Landesteile in südamerikanischen Ländern beherrschen, kann man von gezielten Versuchen reden, Christen zum Schweigen zu bringen, oder sie zu vertreiben.

ArgentinienInsofern ist Südamerika ein sehr differenziert zu betrachtendes Gebiet. Argentinien fällt dem Beobachter jedenfalls sicher nicht als erstes auf, wenn er über Christendiskriminierung oder über Druck auf Kirchen, Gemeinden oder Pastoren nachdenkt. Dennoch ist auch dort langsam der Druck auf christliche Gemeinden nicht mehr hinweg zu leugnen. Vor allem evangelische Gemeinden haben es in diesem, südamerikanischen Land schwer, Fuß zu fassen oder ihre Arbeit zu tun. Wo es etwa im benachbarten Brasilien einen Boom der charismatischen oder pfingstlerischen Freikirchen gibt, ist in Argentinien eher noch die katholische Kirche dominant, die trotz „eigenem Papst“ doch oft sehr traditionsgebunden und behäbig-banal daherkommt. Das ist hierzulande bei den beiden „Staatskirchen“ ja auch nicht anders, also soll diese Feststellung weniger Anklage, als simple Situationsbeschreibung sein.

Im zentralargentinischen Bundesstaat Cordoba ist nun vor kurzem ein Gesetz verabschiedet worden, dass vor allem evangelischen Freikirchen Probleme bereitet. Es soll die Bürger Cordobas vor „psychologischer Manipulation“ durch jedwede „Organisation“ schützen und wurde, wegen seiner unklaren Definition des Begriffs „Manipulation“ deshalb auch in ganz Argentinien vor allem von evangelischen Christen der „Confederación Evangélica Bautista Argentina“ abgelehnt.  Diese hatten vor der Verabschiedung des Gesetzes, im November 2013, landesweit dagegen protestiert.

Eigentlich war die Initiative des Bundesstaate Cordoba sicher gut gemeint. Schutz der Bürger vor „manipulativen Machenschaften“ diverser Sekten, Vereine, „Geisterheiler“, Okkultisten etc. mag ja die Absicht gewesen sein, aber alle Menschen mit etwas Lebenserfahrung wissen ja auch, dass „der Weg zur Hölle mit guten Absichten gepflastert ist“, wie das Sprichwort sagt. Denn das Problem im vorliegenden Falle ist ja: wer bestimmt eigentlich, was „psychologische Manipulation“ nun genau ist ? In welchem Kontext man genau davon sprechen kann und welcher bezifferbare, benennbare und somit quantifizierbare und qualifizierbare Schaden den Betroffenen nun genau durch „manipulative Organisationen“ entstanden ist ? Sind z. Bsp. politische Parteien Organisationen, die ihre Mitglieder etwa durch Informationsabende oder Massenkundgebungen im Wahlkampf einer Gehirnwäsche aussetzen ? Wir Deutschen kennen den Sog, den laute Reden, Uniformen, Fahnen und zackig daherkommende „Parteisoldaten“ fatalerweise ausüben können, nur zu genau. Aus mindestens zwei Diktaturen.

Oder sind etwa Werbekampagnen von Unternehmen, die voll sind von suggestiven Bildern, falschen Versprechungen und unklaren (Halb-)Informationen nicht auch „psychologische Manipulation“ in Reinkultur ? So ehrenwert es erscheint, dass man den Bürgern des Bundesstaates Cordoba eine Handhabe gegen die Ausbeutung durch Scharlatane, unseriöse Unternehmen oder Ärzte mitgeben wollte, so unklar sind die Regeln dafür, wie meine willkürlich gewählten Beispiele hoffentlich aufgezeigt haben.

Und nun kommen wir zur baptistischen „Pueblo Grande“ – Kirchengemeinde von Rio Tercero im Bundesland Cordoba. Der dortige Pastor muss sich schon seit Längerem mit Anfeindungen und einem immer feindlicher werdenden Umfeld herumschlagen, auch schon vor der Einführung des „Gesetzes 9891“. Aber spätestens seit dessen Inkrafttreten gehört wohl die kleine (zu ihren besten Zeiten 150 Mitglieder zählende) Kirchengemeinde zum „Freiwild“ für staatliche Repression und öffentliche Anfeindung, wie Pastor Marcelo Nieva, 34, erzählt.

Das Gesetz ist eine Gefahr für die gesamte Christenheit in Argentinien. Zunächst betrifft es nur unsere Kirche, so daß die Menschen noch nicht die Gefahr darin erkennen. Aber wir hier sehen es bereits, weil wir es durchleben müssen.“

Der „world watch monitor“, dem ich diese Informationen verdanke, beschreibt die Intentionen der Gesetzgeber mit folgenden Worten:

Das argentinische Gesetz 9891 wurde geschaffen als ein Programm, dass es erreichen sollte, frühzeitig Situationen psychologischer Manipulation aufzuspüren und sie zu unterbinden. Außerdem sollten Opfer solcher Manipulationen Hilfe erhalten können.

Mittlerweile dient diese gutgemeinte (gutgemeint ist aber eben nicht immer auch gutgemacht) Initiative aber diversen Interessengruppen im Lande dazu, vermeintliche Konkurrenten „mundtot“ zu machen und sie mit Prozessen und Anzeigen zu überziehen, um dies zu erreichen. Insofern erinnert das Gesetz 9891 in Cordoba übrigens fatal an die „Anti-Zwangskonversionsgesetze“ in Indien, die von guten Absichten (Revolver-Evangelisation und islamische „Konvertiere oder Stirb“-Taktiken zu unterbinden) zu einer Waffe im Kampf gegen angebliche „un-indische“ Religionen, vor allem das Christentum natürlich, geworden ist. Ähnliches widerfährt nun Pastor Nieva und seiner Baptistengemeinde, die seit dem Beginn der Übergriffe bereits bis zu 100 Mitglieder verloren haben soll. Auch staatliche Behörden beteiligen sich an den Angriffen, indem sie in unschöner Regelmäßigkeit die Räumlichkeiten der Gemeinde durchsuchen, um Beweise für „manipulative Maßnahmen“ an den Gemeindemitgliedern aufzustöbern.

Inzwischen scheint sich die Lage in Rio Tercero so aufgeheizt zu haben, dass Pastor Marcelo Nieva, seine Frau Janet, 23, und ihre kaum einen Monat alte Tochter Marta Todesdrohungen erhalten haben. Was kann nur an Baptisten so gefährlich sein, dass man sie durch Einschüchterung, Polizei-Razzien und juristische Maßnahmen vernichten will ? Ich gestehe, ich weiß es nicht. Als ein Christ, der vor einigen Jahren auch einige Zeit lang gastweise eine Baptistengemeinde in seiner Heimatstadt besucht hat, kann ich mir nicht vorstellen, dass Pastor Nieva mit seinen heute nur noch ca. 50 Schäfchen für irgendjemanden, außer dem Teufel und seinen dämonischen Spießgesellen, eine Bedrohung darstellt. Oder ist jede Art von Evangelisation jetzt schon (ich sehe gerade, dass meine Fehlerkorrektur mir „Evangelisation“ als falsch anstreicht. Ist das schon der „Teufel im Detail“ ?) als „Manipulation der Psyche mit negativen Konsequenzen für die Betroffenen“ definiert ?  Vermutlich, und darin liegt die Gefahr. Denn, machen wir uns nichts vor: christenfeindliche Politiker hierzulande könnten durch solche Dinge auf falsche Ideen gebracht werden. Wenn man die Verbreitung des Wortes, die Verkündigung der „Guten Nachricht“ vom Evangelium nämlich als „schädlich“ definieren kann, dann kann man über kurz oder lang jegliche Seelenrettung hierzulande auch unmöglich machen.

Nicht, dass die deutschen Großkirchen sich in Sachen „Binnenmission“ besonders hervortun würden. Ganz im Gegenteil sind sie ja eher weniger am Verbreiten des Evangeliums interessiert und befassen sich lieber mit Gender- oder Toilettenfragen, aber dennoch ist die Gefahr, die durch „Anti-Manipulationsgesetze“ in den falschen Händen, in denen sie zu einer Waffe gegen Christus werden können, ausgeht, durchaus imminent. Und so verstehe ich auch die Widerstände der argentinischen Baptisten dagegen. „Holzauge sei wachsam“, denn das könnte uns auch bevorstehen, was der Hauptgrund ist, warum ich diesen Vorgang überhaupt hier im Blog anspreche.

Beten wir doch vielleicht auch mal für Pastor Marcelo Nieva, seine Familie und Gemeinde in Rio Tercero im argentinischen Cordoba. Möge er standhaft bleiben im Angesicht der Gefahr.

(Quelle: „world watch monitor“ vom 05. Mai 2014)

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