Nigeria: eine Witwe erzählt…

Nein, ich werde an dieser Stelle nicht noch einmal auf die Situation von Christen und Kirchen im Norden Nigerias eingehen. Dazu habe ich in der entsprechenden Länderrubrik über die Jahre hinweg schon viel geschrieben und möchte Sie, liebe Leser, nicht damit langweilen, noch einmal auf die politische und sicherheitstechnische Situation in den nördlichen Bundesstaaten dort einzugehen. Vielmehr ist es jetzt einmal wieder an der Zeit, sich anzuschauen, was der Terror der als „Boko Haram“ bezeichneten, islamischen Terrorgruppe (die eigentlich einen anderen Namen hat, aber lassen wir das mal dahingestellt) dort mit Familien, mit menschlichen Schicksalen anstellt.

Unlängst hat nämlich die „christian post“ einen Bericht von „open doors“ weltweit publiziert, in dem die Witwe eines ermordeten Christen zu Wort kommt. Ihr Name ist Deborah Schettima und sie wohnt in der nordostnigerianischen Stadt Maiduguri, dem „Geburtsort“ der „Boko Haram“.  Deborah konvertierte vor einigen Jahren vom Islam zum Christentum. Damit setzte sie sich den üblichen Verfolgungen aus ihrem sozialen Umfeld aus. Ihre Eltern brachen den Kontakt ab und verdammten ihre Ehe mit einem Christen usw. Ein Schicksal das jeden erwartet, der vom Islam zu einem anderen Glauben übertreten möchte. Und das ist noch der geringste Preis, den ex-muslimische Christen für die Nachfolge Christi zahlen müssen, denn die autoritativen Schriften des Islam sehen für eine Abkehr vom Islam eigentlich die Todesstrafe vor. Diese kann durch staatliche Stellen und Gerichte, aber auch durch interessierte, soziale Gruppen wie eben die Familie, exekutiert werden. Sozusagen, um die „Familienehre“ wieder herzustellen. Soweit, so auch aus anderen Ländern bekannt. Deborah Schettima blieb dieses Schicksal zwar erspart, aber der religiös motivierte Terror schlug in anderer Art und Weise in ihr Leben ein.

Deborah_Schettima

Deborah Schettima

Am 25. April 2013 drangen Terroristen der „Boko Haram“ in ihr Haus ein, töteten ihren Ehemann und entführten ihr zwei Töchter Sarah und Tabitha. Wir können nur ahnen, wie es diesen seitdem ergangen ist. Deborah jedenfalls weiss nichts über deren Schicksal seitdem. Vermutlich wurden sie zum Islam zwangskonvertiert und möglicherweise ebenso zwangsverheiratet, wie man es beispielsweise in ähnlicher Art etwa aus Ägypten oder Pakistan her kennt. In jedem Falle betet Deborah dafür, dass sie ein Lebenszeichen von ihnen erhalten mag. Denn drei Monate nach dem Überfall auf ihre Familie zelebrierte die Boko Haram den Jahrestag der Tötung ihres Gründungs-Anführers Scheich Mohammed Jussuf u. a. damit, dass sie erneut in das Haus von Frau Schettima einbrach und auch noch ihren 20-jährigen Sohn töteten.

Die wahre Größe von Frau Schettima und von ihrem Glauben an Christus können wir erst ermessen, wenn wir um all dies wissen und dann hören, dass sie zu Protokoll gibt:

Ich bekomme Frieden, wann immer ich ein Wort der Vergebung über denjenigen ausspreche, die meinen Frieden erschüttert, meinen Mann ermordet und meine Töchter entführt haben.

Und dies muss ebenso vor dem Hintergrund gesehen werden, dass Deborah Schettima seit dem Tod ihres Mannes in prekäre Verhältnisse geraten ist. Sie konnte das Haus nicht halten, weil muslimische Nachbarn ihr zusetzten und sie „herausmobbten“ und sie in dieser offensichtlich für Christen mörderischen Nachbarschaft wohl nicht überlebt hätte. So zog sie schließlich in eine kleine Mietwohnung in der Nähe einer Militärkaserne, weil sie sich nur dort ein wenig Sicherheit erhofft. Open doors hilft ihr dabei, mit der Miete über die Runden zu kommen. Zudem ist sie permanenten, immer dreister werdenden Versuchen ihrer Verwandtschaft ausgesetzt, sie zu einer Rückkehr zum Islam zu bewegen. Man stelle sich vor, sie soll sich also nach dem Willen ihrer Familie zu dem politisch-religiösen Konstrukt bekennen, dessen konsequenteste Anhänger ihren Mann und Sohn ermordet haben. So sagt Frau Schettima dann auch:

Das Leben in Maiduguri, dem Geburtsort der Boko Haram ist für Christen sehr schwierig. Jede Minute ihres Lebens ist ein wunderbares Geschenk von Gott.

Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht, liebe Leser, aber mir läuft bei diesem letzten Satz ein kalter Schauer über den Rücken. Permanente Verfolgung, permanenter Überlebenskampf, weil man Christus nachfolgt. Die Dimensionen des Wahnsinns dieser Welt, die sich hier auftun, übersteigen fast mein Vorstellungsvermögen. Es macht demütig, sich vorzustellen, welchen Preis Christen um ihres Glaubens Willen z. Bsp. in Nigeria, aber auch anderen Ortes zu zahlen bereit sind. Was sagt es über Christen im „Westen“, in Europa oder Deutschland aus, dass wir oftmals nicht einmal mehr die Bedeutung unserer kirchlichen Feiertage kennen, es in sehr vielen Kirchen und Gemeinden nicht einmal für nötig halten, regelmäßig für verfolgte Christen zu beten oder dass wir als Gläubige oft zu feige sind, unseren Glauben auch nur in irgendeiner Weise öffentlich zu bekennen, denn es könnte ja berufliche Nachteile bringen oder unsere Nachbarn und Arbeitskollegen gegen uns aufbringen.

Open doors hält nun aber Kontakt zu Deborah, hilft ihr, wie schon erwähnt, beim Bewältigen des Alltags und deren Kontaktleute bekommen ganz einzigartige Dinge zu hören, wenn sie z. Bsp. Frau Schettima davon erzählen, dass viele Christen weltweit für sie und ihre Töchter beten.

Ich bin es gar nicht wert, dass sich Menschen so viel um mich sorgen.  …. Ich weiss jetzt, dass Menschen für mich beten und ich fühle mich nicht mehr allein. … Der Herr wird jedermann segnen, der für mich gebetet hat.

Außerdem wurden viele Briefe zur Ermutigung von Deborah Schettima an open doors gesandt. Bisher konnte man diese aus Sicherheitsgründen noch nicht an sie weiterleiten, aber ihr immerhin davon erzählen, dass eine große Kiste mit ca. 20 kg Briefen auf sie wartet.

Ich weiss nun, dass Menschen an mich denken. Diese Liebe allein wird mich weitermachen lassen und stärkt mich in meinem Leben mit Christus.

Wer immer mir also in den letzten Jahren, seit ich mit dem „Berliner Gebetskreis verfolgte Kirche“ auf das Schicksal verfolgter Christen aufmerksam mache, gesagt hat, das „Beten ja sowieso nichts bringt“ oder eine seriöse, auf regelmäßige Gebetstreffen hinauslaufende Initiative in meiner Stadt völlig sinnlos wäre, dem möchte ich von Deborah Schettima erzählen. Und davon, dass allein das Wissen, dass Menschen für sie beten, ihr hilft, nicht zu verzweifeln und weiter fest im Glauben zu stehen. Glauben Sie mir, liebe Leser, solche demotivierenden, achtlosen Stimmen hat es zuhauf gegeben. Vor allem aus Kirchenkreisen und von „achsobesorgten“ Geschwistern natürlich, die immer mal wieder darauf hinweisen, ich solle „mich nicht aufreiben“ für eine zweifelhafte Sache.

In diesem Sinne sage ich nur: beten wir weiter ! Informieren wir uns über die Fakten, Hintergründe und Zusammenhänge der weltweiten Christenverfolgung. Beobachten wir auch aufmerksam manche Tendenzen in der deutschen Politik und Publizistik, den Medien und Kirchen. Damit wir wissen, wofür wir den Herrn um seinen Beistand, um seinen Segen auch bitten können.

(Quelle: „the Christian Post“ vom 22. April 2014)

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