Pakistan: wie man sich dort „frohe Ostern“ wünscht

Unmittelbar vor dem Karfreitag kam noch folgende Meldung aus der pakistanischen Stadt Lahore ans Licht der Öffentlichkeit: ein 22-jähriger Christ wurde dort von einem Wachmann erschossen. Über den Verlauf der Tat gibt es bislang zwei leicht differierende Berichte. Auch die Motive des Täters müssen genau hinterfragt werden.

Pakistan

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Am 16. April 2014 wurde im pakistanischen Lahore der Christ Harun „Sunny“ Hyder erschossen. Der 22-jährige Putzmann einer Bank befand sich offensichtlich in einem Disput mit einem der Wachmänner des Geldinstitutes namens  Umar Faruk. Dieser tötete den jungen Mann mit einem Kopfschuss und soll dann dessen Leiche später auf einer Baustelle abgeladen haben. Damit hatte er beabsichtigt, die Tat wie einen Selbstmord aussehen zu lassen.

Über die Vorgeschichte gibt es zwei leicht variierende Versionen. In der einen soll es dem muslimischen Wachmann übel aufgestoßen sein, dass Sunny Hyder mit Kollegen über die christlche Fastenzeit und das bevorstehende Osterfest gesprochen haben soll. Offensichtlich für viele Pakistani ein todeswürdiges Verbrechen, wie verschiedene Fälle der Vergangenheit beweisen. Die Konsequenz, der Mord an Sunny Hyder, ist dann sozusagen als islamischer Ostergruß zu verstehen.
In der anderen Version soll dagegen Umar Faruk über einen längeren Zeitraum hinweg versucht haben, den jungen Christen zum Islam zu konvertieren. Als dieser die permanenten „Bemühungen“ (in einem zivilisierten Lande würde man von Belästigung oder versuchter Nötigung sprechen) Faruks zurückwies und keinerlei Bereitschaft erkennen ließ, den christlichen Glauben zu verleugnen, soll der Muslim dann am 16. April den Mord begangen haben. Inwiefern das mit islamischen Traditionen begründet werden kann, die auf aus deren heiligen Büchern abgeleiteten Beispielhandlungen beruhen, kann derzeit noch nicht eindeutlg gesagt werden. Auch ein persönlicher Rachefeldzug wegen „Ehrverlustes“, da Sunny Hyder dem Muslim nicht zu Willen sein wollte, wäre denkbar.

Wenn man mich nach meiner persönlichen Einschätzung der oben erwähnten zwei Varianten des Tatherganges fragte, so würde ich wohl antworten, dass an beiden Erzählungen etwas dran sei. Denn die eine Geschichte schließt die andere ja keinesfalls aus. Wahrscheinlich war Sunny Hyder tatsächlich massivem Konversionsdruck ausgesetzt (wo sind „Anti-Zwangskonversionsgesetze, wenn man sie wirklich braucht ?) und dennoch kann der letzte Auslöser für die blutige Tat ein Gespräch des Opfers über den Sinn von Ostern gewesen sein. Massive Bemühungen, Pakistan zu einem unireligiösen, islamischen Allahs-Staat zu machen, prägen tatsächlich den Alltag von Hindus und Christen dort.

In jedem Falle aber müssen die Vertuschungsmaßnahmen Umar Faruks so durchschaubar gewesen sein, dass selbst die notorisch christenverachtende Polizei und Justiz in Pakistan nicht daran vorbeikam, ihn vorläufig in Gewahrsam zu nehmen. Immerhin hatte Harun Hyder die Probleme mit dem Wachmann seinem Vater, Hyder Masih, mitgeteilt, der seinen Sohn aber vor dessen Tode immer mal wieder anwies, die Sache „nicht so ernst“ zu nehmen. Dies kann man durchaus als Lehrstück auch für uns Christen in Europa und der (noch) freien Welt nehmen. Wenn wir selbst auf kleine Anfeindungen und Anfechtungen gar nicht reagieren, kann das Übel, aus dem diese Dinge entstammen, ja nur größer und stärker werden, da es auf keinen Widerstand trifft. Harun „Sunny“ Hyder jedenfalls hat dieser Rat das Leben gekostet, das „Wegducken“ vor Christenfeindlichkeit hat also ebenso einen Preis, wie das Aufrechtstehen.

Aber auch über die Umstände der Inhaftierung Umar Faruks gibt es wieder unterschiedliche Berichte. Ich fasse diese hier einmal so zusammen, dass die Verhaftung Faruks wohl recht zeitnah zum Verbrechen selbst geschehen sein soll, aber die Polizei sich anfänglich geweigert habe, eine Anzeige wegen Mordes auszufüllen. Man wollte wohl vielmehr den Versuch unternehmen, die Selbstmord-Theorie irgendwie zu untermauern. Einer der mir vorliegenden Berichte spricht davon, dass erst massive Proteste von Seiten der christlichen Community Lahores dazu geführt haben sollen, dass letztlich eine Anzeige protokolliert wurde und Umar Faruk in Haft blieb. Inwiefern dies rechtsstaatlichen Prinzipien entspricht, ist natürlich auch zu hinterfragen. Macht die pakistanische Polizei in ähnlich gelagerten Fällen also nur dann ihren Job, wenn es lautstarken (auch medialen) „Wirbel“ darum gibt ?

Um die Situation etwas besser einschätzen zu können zitiert der Bericht aus der „Pakistan Christian Post“ noch einen Mitarbeiter der Menschenrechtsgruppe „Center for Legal Aid, Assistance and Settlement“ (CLAAS) namens Nasir Said, der auf das sich verschärfende, intolerante, religiöse Klima im Lande hinweist. Ebenso zitiert er einen ihm vorliegenden, inoffiziellen Bericht, der von Tausenden von Zwangskonversionen spricht. Dort würden angeblich auch Fälle erwähnt, in denen Zwangskonversionsversuche zum Islam, die an Männern versucht werden und scheitern, oftmals in Gewalt enden. Diese Körperverletzungen und Morde werden aber von der Polizei angeblich unter anderen Überschriften protokolliert. Wenn man diese, zugegebenerweise nur auf Erfahrungswerten beruhende, Einschätzung Nasir Saids zugrundelegt, scheint der Fall Sunny Hyders sowohl in Bezug auf die Ursachen der Tat, als auch auf den möglichen Vertuschungsversuch als „Selbstmord“ einen Sinn zu ergeben.

In jedem Falle gibt Herr Said folgendes zu Protokoll.

Diese Situation dauert an, weil die Regierung untätig bleibt. Wenn Leute, die in solche Verbrechen verstrickt sind, abgeurteilt werden, dann könnte dies als abschreckendes Beispiel dienen. Stattdessen aber werden sie von lokalen Religionsführern, Imamen und Koranschulen noch ermutigt.

Es ist interessant, hier die Parallele etwa zu Ländern wie Indonesien zu erkennen. Auch dort weigern sich zögerliche und wohl heimlich mit den Radikalen sympathisierende bzw. von diesen eingeschüchterte Behörden, der wachsenden Welle von Gewalt gegen Christen, illegalen Einschüchterungen, Kirchenschließungen etc. aktiv und offen entgegenzutreten. Diese Zögerlichkeit wird von fanatischen, angeblich z. T. auf der arabischen Halbinsel geschulten, Hasspredigern genutzt, um allen Nichtmuslimen ihre Religionsausübung unmöglich zu machen, sie zu diskriminieren und zu vertreiben. Ein roter Faden, der sicher nicht nur von Pakistan bis Indonesien reicht. In jedem Falle fordert auch Nasir Said, das Zwangskonvertieren von Nichtmuslimen zum Islam in Pakistan unter Strafe zu stellen. Dies würde auch dem internationalen Ansehen seines Landes zu Gute kommen.

(Quellen: „Christians in Pakistan“ vom 17. April 2014 und „Pakistan Christian Post“ vom 18. April 2014)

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