Bhutan: Missionare seit einem Monat inhaftiert. Warum ? (Update)

Das zwischen China und Indien gelegene Königreich Bhutan taucht ja nicht gerade oft in der Berichterstattung auf. Dennoch ist auch dieses Land auf dem „Weltverfolgungsindex“ von „open doors“ präsent und dies seit Jahr und Tag. Aktuell auf Platz 31. Warum das so ist, verdeutlicht eine jüngst publizierte Geschichte aus dem Süden des Landes. 

250px-Bhutan_CIA_WFB_2010_mapDenn im Dorf Khaptani im Samtse-Distrikt wurden am 05. März 2014 die beiden Pastoren M.B. Thapa (aka Lobzang) und Tandin Wangyal inhaftiert und sind bislang nicht wieder auf freiem Fuße. Wie open doors und andere Quellen verlautbarten, seien sie durch eine Beschwerde gegen ein angeblich illegales Seminar in den Fokus der Sicherheitsorgane geraten. Die Vorwürfe gegen beide Evangelisten sind jedoch durchaus umstritten. So äußerte sich der bhutanische Kulturminister Damcho Dorji dahingehend, dass die beiden „Zwangsevangelisationen“ versucht hätten und dies auch noch im Rahmen von öffentlichen Veranstaltungen, der keine Genehmigung zugrunde gelegen hätten. Ein örtlicher Polizeioffizier, Pema Wangdi, soll jedoch im Gespräch mit der bhutanischen Zeitung „business Bhutan“ den Vorwurf der Zwangsevangelisation verneint haben. Nach Gesprächen mit den Pastoren und den bei dem christlichen Seminar Anwesenden, hätten sich keine Anhaltspunkte dafür ergeben. Die Verhaftung sei einzig aufgrund fehlender Genehmigungen für die angeblich „öffentliche“ Veranstaltung erfolgt. Warum die Pastoren deshalb aber bis heute in Haft geblieben sind, darüber gab er keine Auskunft. Die gesamte Angelegenheit bleibt also aufgrund der widersprüchlichen Aussagen recht obskur. 

Wie ist die Situation der Christen in Bhutan ganz allgemein zu bewerten ? Nun, es gibt ca. 20.000 Christen in Bhutan, das sind weniger als 2,6 % der Gesamtbevölkerung. Die vorherrschende Religion im Land ist der Mahayana-Buddhismus. Dessen Traditionen beherrschen das Land kulturell. Auch wenn in der Verfassung zwar die „buddhistische Tradition“ betont wird, so gibt es offiziell doch Glaubens- und Gewissensfreiheit. Aber Papier ist eben auch in Bhutan geduldig, denn in der Realität wird das Christentum von den Bhutanern, speziell auf dem Lande, als „ausländische, westliche“ Religion verachtet und so dem Vorankommen des Evangeliums zeitweise massivster Widerstand entgegengebracht. „Open doors“ schreibt dazu in ihrem Länderporträt Bhutan:

Die allgemeine Einstellung gegenüber Christen in Bhutan zeigt sich in einem Interview, das der damalige Premierminister Jigme Thinley im Jahr 2011 gab. Seiner damaligen Einschätzung nach schlägt in Bhutan „die demokratische Kultur langsam feste Wurzeln“. Gleichzeitig sprach er der kleinen christlichen Minderheit jedoch vehement das Recht ab, ihren Glauben weiterzugeben. Es gebe für die Christen keinen nachvollziehbaren Grund dafür, andere Menschen zum Übertritt zu ihrem Glauben einzuladen, sagte Thinley und formulierte damit eine in Bhutan weit verbreitete Überzeugung.

Vor diesem Hintergrund muss auch die Verhaftung der Pastoren betrachtet werden. Das tiefsitzende Misstrauen gegenüber allem „Fremden“ behindert die Botschaft von der Vergebung Gottes bis heute. Ebenso wie die Tatsache, dass nur buddhistische und hinduistische Organisationen eine notwendige „staatliche Registrierung“ durchführen können. Von der Rechtmäßigkeit einer solchen, in vielen asiatischen Ländern notwendigen, Registrierung von religiösen Gemeinschaften einmal abgesehen, bleibt den Christen also immer ein Status „in der Schwebe“ erhalten, wo ihre Treffen und Gemeinden (von Kirchen wage ich noch gar nicht zu sprechen) letztlich immer irgendwie davon bedroht sind, für „illegal“ erklärt zu werden.

In jedem Fall kann aber davon ausgegangen werden, dass das Verfahren gegen die Pastoren aber bisher sehr, sehr langsam anläuft. So langsam gar, dass sich die Familie von Pastor Wangyal dazu gezwungen sah, eine Eingabe an den Ministerpräsidenten Bhutans zu machen, in der sie Tshering Tobgay dazu aufforderten, sich dafür einzusetzen, dass die Behörden ihrer Arbeit zügiger nachgehen. Denn aus dem Büro des Generalstaatsanwaltes ist bislang nur zu hören, man würde weiterhin in dem besagten Falle ermitteln. Und dies vor dem Hintergrund, dass der vor Ort ermittelnde Polizeibeamte, besagter Pema Wangdi, bereits zugegeben hat, seine Emittlungen abgeschlossen und einen Bericht an die Staatsanwaltschaft abgesandt zu haben. Es steht zu vermuten, dass man dort nun an „wasserdichten“ Anklagen bastelt, damit die Pastoren auch unter allen Umständen verurteilt werden können. Als Abschreckungsmaßnahme für andere, evangelisierungswillige Christen im Land. Dennoch sind aus dem Familienumfeld der Pastoren immer wieder Stimmen zu hören, die sagen, sie hätten das Vertrauen in die Justiz noch nicht verloren und würden alle legalen Möglichkeiten ausschöpfen, um ihre Angehörigen wieder nach Hause zu bringen. Wir werden sehen.

Immerhin können wir für das Land Bhutan, für eine größere Offenheit für das Evangelium dort und für das Wohlergehen von M.B. Thapa (aka Lobzang) und Tandin Wangyal und die Geduld und Vergebungsbereitschaft ihrer Familien beten. 

(Haupt-Quelle: „morningstar news“ vom 10. April 2014)

Nach einer Meldung vom 23. April 2014 seien beide Festgesetzte mittlerweile wieder auf freiem Fuß. Jedoch nur vorläufig, da ihr Gerichtstermin am 05. Mai weiterhin gilt. Die genauen Anklagepunkte sind jedoch noch immer unklar.

(Quelle: „world-watch monitor“ vom 23. April 2014)

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