Kommentar: zur Ermordung von Pater Frans van der Lugt

Wir alle wissen, dass in Syrien ein Bürgerkrieg tobt. Ein Bürgerkrieg, in dessen Verlauf barbarische Akte der Gewalt vermerkt werden müssen, wie man sie selbst in notorischen Unruheregionen selten zu sehen bekommt. Ja, ich spreche von „ausgeweideten“ Leichen, geköpften Toten etc. Es herrscht nackte Barbarei. Da gibt es nichts zu beschönigen.

kreuzDarüber, wer für diesen Rückfall in präzivilisierte Barbarei verantwortlich ist, wer, umgangssprachlich gesagt „Schuld ist“ an diesem Verfall jeglicher Form zwischenmenschlichen Respekts, gehen die Meinungen auseinander. Die Schuldfrage sei dahingestellt. Wenn man unseren Massenmedien glauben darf, dann wütet die syrische Regierung ebenso unbarmherzig, wie die verschiedenen, islamischen Rebellen-Milizen. Ich selbst bin mir da nicht so sicher, vor allem wenn ich höre, dass es mittlerweile ernsthafte Zweifel daran gibt, dass der Giftgaseinsatz in den Vororten von Damaskus am 21. August 2013 von der „bösen, bösen“ Regierung Assad durchgeführt wurde. Der hochangesehene, US-Reporter Seymour Hersh hatte unlängst aufgedeckt, dass es die türkische Regierung war, welche chemische Kampfstoffe an die Rebellen-Milizen der „al-Nusra-Front“ weitergereicht hatte, damit der Einsatz dieser Waffen dann einen US-Militärschlag provozieren sollte. Als die US-Regierung davon erfuhr, nutzte sie später auch diese Information, um sich in Sachen Syrien anders zu entscheiden. Natürlich dementieren beide Regierungen bis heute vehement, aber, da ja mittlerweile bekannt wurde, dass die Türkei auch auf anderem Wege versucht, sich in Syrien einzumischen (Stichwort: Flugzeugabschuss, der wohl auf syrischem Gebiet erfolgte….), hat Hershs Bericht einen gewissen Grad an Plausibilität erreicht, der ein Aufbrechen des „Gute Rebellen-Böser Assad“-Schemas sinnvoll macht. Vor allem die Rolle der Türkei, die offensichtlich auch vielerlei „Djihadisten“ aus Europa gerne unbehelligt über ihr Territorium nach Syrien ziehen lässt und jetzt auch ihre Luftwaffe dafür benutzt, um den islamischen Rebellen im Norden Syriens Schützenhilfe zu leisten (das o. e. Flugzeug der syrischen Luftwaffe flog nämlich Einsätze gegen die Milizen), muss dabei sehr kritisch hinterfragt werden (Stichwort „Kessab“).

Aber wie die politischen und geostrategischen Gegebenheiten in Bezug auf Syrien auch immer sein mögen, so hat mich doch die Ermordung des holländischen Jesuiten-Paters Frans van der Lugt noch mehr erschüttert, als die vorhersehbaren Lügen von Regierungen, Medien und islamischen Dijadisten. Denn hier kommt eine urmenschliche Komponente in den Fokus, eine urchristliche ebenso. Frans van der Lugt lebte über 50 Jahre in der Nahost-Region und 40 davon in Syrien. Er galt als „Brückenbauer“, als ein Mann, der für die Menschen da war und über den engeren, religiösen Kontext hinausblicken konnte. Weder Syrer, noch Europäer, weder Muslime noch Christen können bis heute etwas Böses über den Pater sagen. Bekannt wurde er u. a. durch seine Ende Januar 2014 aufgenommene, intensive Videobotschaft, in der er die Welt um Hilfe für „seine“ Stadt Homs bat. Homs galt und gilt als eine der am härtesten umkämpften Städte in Syrien. Die Zivilbevölkerung, darunter einstmals über 60.000 Christen, war schnell zwischen die Fronten geraten und in großen Teilen nach langen Verhandlungen mit beiden Seiten evakuiert worden. Zuletzt hatte auch Frans van der Lugt darauf aufmerksam gemacht, dass sich nur noch ca. 66 Christen überhaupt in Homs aufhielten. Aber diese letzten Schäflein, ebenso wie alle, die sonst noch ausharrten, wollte der Pater nicht im Stich lassen. Für diese Verängstigten, in einem Kriegsgebiet Lebenden wollte er als Seelsorger und Helfer weiter zur Verfügung stehen und lehnte eine Evakuierung ab. Am 07. April 2014 wurde dieser gütige und den Menschen so sehr zugewandte Gottesmann nun in einem von den Rebellen kontrollierten Stadtteil von Homs durch „Unbekannte“ erschossen.

Father-Frans-Vander-LugtSie drangen in den angeblich von der „Freien Syrischen Armee“ beschützten Jesuiten – Konvent ein, prügelten auf den Pater ein und erschossen ihn mit zwei Kugeln in den Kopf. Ich kann mir nicht helfen, liebe Leser, aber dabei muss ich immer wieder an die unterschiedlichen Definitionen von „Märtyrern“ denken. Einer, der aus Liebe zu den Menschen sein Leben in Gefahr bringt, der in Kauf nimmt, getötet zu werden, weil er sie einfach nicht im Stich lassen mag und dann darüber tatsächlich hingemordet wird, ist halt etwas ganz anderes als einer, der sich unter Versprechungen von „jenseitigen Belohnungen“ oder von Rachegedanken getrieben (Stichwort: „Schwarze Witwen“ aus Tschetschenien) in die Luft jagt, um noch möglichst viele „Ungläubige“ mitzunehmen. Der erstere steht vor allem dem Christus viel näher, der ja selbst wegen uns Menschen zur Erde kam und letztlich sein Leben aufgab, um uns zu retten. Aus solchem Holz war wohl auch der Jesuiten-Pater geschnitzt. Ein seltenes Holz in unseren Tagen. Seine Situation, als Mittler zwischen einer knallharten Regierung und einem rebellischen, gottverlassenen Volk könnte gar nicht christusähnlicher sein. Rom und Israel, Damaskus und die Rebellenmilizen, dazwischen die Stimme der Menschlichkeit, des „Herzens“ sozusagen. Damals der Christus, heute einer seiner Nachfolger. Nun, ich bin selbst nicht allzusehr dem „Theologisieren“ zugeneigt, lehne es auch als geistige (nur scheinbar „geistliche“) Turnübung für das Gehirn sogar ab, aber selbst ich erkenne hier die Similarität der Bilder, auch wenn die Täter diesmal eben nicht „die Römer“ waren, sondern aus dem fanatisierten, „ungehörigen“ Volk stammten. („Kreuziget, Kreuziget….“)

Was bleibt also zu tun, was „lernen wir nun daraus“, wie man einst so schön formulierte ? Ich bin mir nicht sicher, aber ich denke, wir lernen, dass wahre Nachfolge Christi uns ganz sicher auch auf einen Weg bringen kann, der zur selben Konsequenz führt, wie wir sie von unserem Herrn kennen. „Die Welt“, die „Menschen“, um derentwillen man sich aus Liebe auf den Weg begeben hat, werden uns nicht mehr verstehen, werden oft sogar ihren dunkelsten Trieben, den billigsten Versuchungen nachgeben, um wahre Nachfolger Christi zu diffamieren, zu diskreditieren, auszugrenzen, sie zu vertreiben, zu verfolgen und letztlich auch um sie zu töten. Dieses „Alltagsmärtyrertum“ mit offenem, ofltmals gewaltsamem Ende verbindet uns dann wieder mit Christus, es verbindet Pater Frans mit unserem Herrn. Und das macht den Kern nicht nur der verfolgten Kirchen aus. Wieviele Männer und Frauen aus dem Holze eines Frans van der Lugt haben wir denn beispielsweise in unserem Land noch ? Oder rennen wir lieber dem Zeitgeist hinterher, damit uns niemand als „ewiggestrig“ oder „fanatisch“ beschimpft, wenn wir zum Wort Gottes stehen und seinem Sohn Christus uneingeschränkt folgen wollen ? Anders gefragt: Wollen wir lieber „Gender“-Institute der EKD und ähnlichen Zeitgeist-Unsinn, der Kirchensteuern sinnlos verpulvert, unterstützen oder ein wirklich bedeutsames Leben auf Christi Spuren führen ? Diese Frage stelt uns der Tod von Frans van der Lugt und darauf, wie wir sie beantworten, wird es ankommen, wenn das Christentum in Europa und der sonstigen „freien Welt“ noch eine Zukunft haben soll. Wer schon durch verletzende Worte oder das Gefühl „unbequem zu sein“ unangenehm berührt wird und sich lieber der Welt oder dem Zeitgeist unterwirft, kennt wohl die „enge Pforte“ nicht, auf der wir einzig zu Gott gelangen können.

In diesem Sinne, beten wir für Pater Frans. Er hat es hinter sich und kann mit gutem Gewissen vor seinen Schöpfer treten und Zeugnis von seinem Leben geben. Können wir das auch ?

(P.S. Alle zuvor geäußerten Gedanken, Ideen und Zusammenhänge sind rein individuelle Ansichten. Sie sind weder mit einzelnen Kirchen, Gemeinden, Theologen oder sonstigen „Hirten“ abgesprochen noch durch diese vorbereitet worden.)

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