Pakistan: zwei weitere Christen zum Tode verurteilt (update)

Die Tatsache, dass Pakistan kein Rechtsstaat im modernen Sinn des Wortes ist, wo eine unabhängige Justiz existieren würde, ist sicherlich mittlerweile weithin bekannt. Das Prinzip „schuldig bei Anzeige“ gilt dort für alle ethnischen und religiösen Minderheiten, wie auch der Fall von Sawan Masih unlängst wieder bewiesen hat.

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Wie um dies noch einmal zu unterstreichen, kommen nun erneut Meldungen aus Pakistan über zwei weitere Todesurteile gegen Christen. Auch Shafqat Emmanuel (43), der seit 2004 nach einer Rückenverletzung im Rollstuhl sitzt, und seine Frau Shagufta (42, vierfache Mutter), Reinigungskraft in einer Schule, sind im letzten Jahr zum Opfer des berüchtigten „Blasphemieparagraphen“ 295 des pakistanischen Strafrechts geworden, der üblicherweise dazu genutzt wird, um Christen und andere, missliebige Nichtmuslime in Pakistan zu diskriminieren, zu erpressen und auf juristischem Wege zu verfolgen.. Im Juni 2013 wurden die beiden von den Muslimen Muhammad Hussein und Gojra Tehsil angezeigt, weil sie angeblich „blasphemische“ Textbotschaften betreffend des „Propheten“ Mohammed über ihr Handy verbreitet haben sollen. Seit Monaten wurde ihnen im Gefängnis von Toba Tek Singh (Provinz Pandschab) der Prozess gemacht, da man es nicht mehr für möglich hielt, den Prozess auch nur äußerlich ordnungsgemäß im dafür zuständigen Gerichtsgebäude abzuhalten. Vermutlich waren Morddrohungen gegen Shafquat und Shagufta dafür zuständig. Das Rechtswesen Pakistans kann also bereits keinen ordnungsgemäßen Ablauf eines Strafprozesses mehr gewährleisten, weil islamische Radikale in der Lage sind, „aus dem Stand“ und für jedweden Zweck einen wütenden Mob zu mobilisieren (wir erinnern uns an die Unruhen in Lahore), der eine Ruck-Zuck-Lynchjustiz durchzusetzen imstande wäre.

Nun müssten die Anwürfe, die die Ankläger gegen Shafqat und Shagufta vorgebracht haben, ja eigentlich in einem normalen, zivilisierten Strafverfahren belegt und nachgewiesen werden, um eine Verurteilung der Angeklagten zu gewährleisten. Selbst bei zweifelhaften Beweisen oder reinen Indizienketten würde das klassisch-römische Prinzip des  „in dubio pro reo“/im Zweifel für den Angeklagten gelten. Nicht so in Pakistan. Dort gilt das „Recht des Stärkeren“ oder auch das Faustrecht. Speziell wenn Christen die Angeklagten sind.So spricht der Anwalt von Shafqat Emmanuel jetzt gegenüber verschiedenen Medien davon, dass der dem Verfahren vorsitzende Richter  von den Anwälten der Kläger während des gesamten Prozesses massiv unter Druck gesetzt worden sei. Mit dem Rezitieren von Koranversen, die belegen sollten, dass „Blasphemiker“ in jedem Falle die Todesstrafe zu gewärtigen haben müssten, wurde dem Richter immer wieder eindeutig klargemacht, worauf das Verfahren im Sinne der Anklage hinauslaufen sollte, ja „musste“. Und sei es nur, um einen öffentlichen Aufruhr, geschürt durch islamische Extremisten, zu verhindern.

Ob der weitgehend gehbehinderte Shafqat Emmanuel nun tatsächlich über das Telefon seiner Frau „lästerliche“ Messages abgesetzt hatte, oder nicht, spielte (keine Überraschung mehr) letztlich keine rechte Rolle mehr in dem Prozess. Die Polizei soll ausgesprochen nachlässig ermittelt haben. Shaguftas und Shafqats Anwalt leugnet denn auch jegliche Verantwortung für ein derartiges Tun seitens seiner Mandanten und macht darauf aufmerksam, dass es völlig unbewiesen ist, ob die fragliche Telefonnummer, von der diese SMS angeblich abgesetzt wurden, überhaupt zu einem Gerät gehört, dass Shagufta gehörte oder sich im fraglichen Zeitraum in ihrem Besitz befand. Entsprechende Behauptungen der Anklage konnten in keinem Falle durch Beweise untermauert werden. „Schuldig bei Anzeige“, wie es scheint. In jedem Falle wurden beide Ehepartner erwartungsgemäß zum Tode verurteilt. Aber lassen wir mal ihren Anwalt, Nadim Hassan, zu Wort kommen:

….Richter Mian Amir Habib war ganz eindeutig eingeschüchtert vom Anwalt Tukir Ashraf und einigen anderen, islamistischen Anwälten aus Lahore, welche die Kläger vertraten. Diese Anwälte haben während des gesamten Prozesses den Richter unter Druck gesetzt… Sogar noch am Freitag (, den 28. März 2014) verkündeten sie koranische Zitate und verlangten den Tod für die Angeklagten.

Dieselben Anwälte sprachen vor dem Richter ganz offen darüber, dass, sollte er Shafqat und Shagufta nicht zum Tode verurteilen, sie selbst dafür sorgen würden, dass man beide „draußen“ dann „der gerechten Strafe“ zuführen würde. Noch einmal zum Mitschreiben: in einem offiziellen, staatlichen Gericht Pakistans wird der Koran als Referenz für die Beimessung von Strafen angeführt und bei Zuwiderhandlung des Gerichts mit Lynchjustiz gedroht ! Und der Richter gibt diesem Druck widerstandslos nach. Mein Nacken tut vom vielen Kopfschütteln schon weh…In jedem Falle will Nadim Hassan, sobald er eine schriftliche Ausfertigung des Urteils vorliegen hat, beim nächsthöheren Gericht Berufung einlegen. Zumal auch der Verdacht im Raume steht, ein kurz nach der Verhaftung Shafqat Emmanuels am 18. Juni 2013 aufgetauchtes Geständnis, das später von ihm widerrufen wurde, sei durch Folter seitens der Polizeibehörden erzwungen worden. Nochmal: ein Rollstuhlfahrer wird in Pakistan von der Polizei gefoltert, damit der „Ungläubige“ endlich zugibt, ein „Blasphemiker“ zu sein und die Todesstrafe gegen ihn ausgesprochen werden kann. Mein Abendessen macht sich gerade auf den Weg zum falschen Ausgang, liebe Leser. Ich muss also diesem Beitrag jetzt ein Ende machen, sonst ist mein Friede in Christus in ernstlicher Gefahr.

Bevor ich dies hier jedoch beende, möchte ich Sie aber dennoch um ein kleines, ehrliches Gebet für Shafqat Emmanuel und seine Frau Shagufta bitten. Für sie und ihre vier Kinder Ambrose, 13, Danish, 10, Sarah, 7, und Amir, 5. Mögen sie ihren Frieden im Herrn nicht verlieren, ihre Zuversicht behalten und vielleicht, vor einer anderen, juristischen Instanz doch noch Recht erhalten.

(Quelle: „morning star news“ vom 04. April 2014)

Update vom 07. April 2014:
Inzwischen berichten doch tatsächlich deutsche Massenmedien über diesen Fall ! Hoffentlich werden die jetzt nicht „islamophob“… Zwar haben sie die Tragweite des hier ausgefochtenen Kulturkampfes zwischen Barbarei und Zivilisation noch nicht ganz verstanden, aber sie schweigen immerhin nicht. Beispiel: „die Welt“ vom 06. April 2014.

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