Brunei: Taufe bald illegal ?

Es ist erst wenige Wochen her, da schrieb ich hier einen Artikel über das Sultanat Brunei. Mit dem speziellen Fokus auf den Konsequenzen, welche die Einführung der Scharia dort wohl für die religiösen Minderheiten, speziell die Christen in Brunei, haben würde.

Sultanat Brunei

Sultanat Brunei

Und das erwartete „Trara“ aus der entsprechenden Ecke folgte auf dem Fuße, wie das „Amen“ in der Kirche. Speziell aus Kirchen- und Christenkreisen wurde mir wieder vorgeworfen, alles „falsch darzustellen“, mich zum Handlanger „von fundamentalistischen, christlichen Hasspredigern“ gemacht zu haben oder schlicht und ergreifend keine Ahnung zu haben. Denn der Sultan von Brunei habe ja öffentlich und medienwirksam versichert, diese Einführung der Scharia als Rechtsgrundlage seines kleinen Ländchens betreffe ausschließlich die Muslime im Lande und die anderen Religionsgruppen würden davon ja gar nicht berührt.

Nun mag es ja sein, dass ich von sehr vielen Dingen wirklich keine Ahnung habe. Z. Bsp. von den Beweggründen „moderner“ christlicher Hirten in unserem Lande für ihr Schweigen über die weltweite Christenverfolgung und -diskriminierung. Und tatsächlich habe ich keine Ahnung, warum es im Jahre 2014 immer noch vorkommt, dass ich auf Christen in Deutschland treffe, die mir glaubhaft versichern, ebenfalls KEINE AHNUNG vom Ausmaß der Feindschaft zu haben, die auf diesem Planeten dem Evangelium entgegengebracht wird. Weil ihnen in den Gemeinden davon keiner etwas erzählt, weil die Massenmedien sich in relativistischem Geschwurbel ergehen, etc.

Immerhin kommen jetzt Meldungen aus Brunei, die meinen Verdacht, der Boden für Christen würde dort langsam aber sicher „heiss“ unter ihren Füßen, zu bestätigen scheinen. Eine davon will ich hier mal sinngemäß widergeben. Zunächst ein paar Worte vorweg: Es ist bekannt, dass im Sultanat Brunei ca. 30.000 Philippinos arbeiten. Die meisten von ihnen sind, wie die überwiegende Mehrheit aller Einwohner der Philippinen, katholische Christen. Der Botschafter der Philippinen in Brunei, seine Exzellenz Nestor Ochoa, hat nun unlängst seiner Besorgnis Ausdruck gegeben, dass die Möglichkeiten seiner christlichen Landsleute, ihrem Glauben nachzugehen, durch die Einführung neuer, scharia-konformer Gesetze massiv eingeschränkt würden. Laut britischen und philippinischen Medien habe er seine Landsleute gar vor den Implikationen der neuen Gesetzgebung in Brunei „gewarnt“. Hat Nestor Ochoa also auch „keine Ahnung“ wovon er spricht ? Worum geht es konkret ?

Vater Robert Leong, ein katholischer Priester, der in Brunei Christen betreut, wird folgendermaßen zitiert:

Es wird keine Taufen mehr geben. Da ist nicht viel, was wir dagegen tun können. Wir werden wohl abwarten und sehen müssen, was passiert.

Wie kommt der Priester zu diesem Schluss ? Nun, nach Meldungen in besagten Medien werde es einen Paragraphen im neuen, bruneischen Scharia-Recht mit einer Bestimmung geben, die sozusagen „maßgeschneidert“ auf christliche Tauf- und Erstkommunionsrituale angewandt werden können, um diese für illegal zu erklären. So dürfe in Zukunft in Brunei kein Kind mehr „jeglicher Zeremonie, Anbetungsakt oder religiösen Aktivität abseits des Islam“ ausgesetzt werden bzw. „an Aktivitäten teilnehmen, die anderen Religiönen dienen“. „Anders“ bezieht sich dabei auf „nichtislamisch“. Übersetzen wir dies mal in klares Deutsch: Keine Taufen, Erstkommunionen oder sonstige, nichtislamische Rituale und  Religionskundgebungen mehr für Menschen, die nicht volljährig sind. Die Staatsbürgerschaft spielt dabei keine Rolle, nur der Aufenthalt in Brunei eben. Wie gesagt: der Islam ist als „Staatsreligion“ natürlich davon ausgenommen. Ups, ist das etwa religiöse Diskriminierung ? Ja, es ist. Insofern kann man die Besorgnis von Botschafter Ochoa und Vater Leong verstehen. Die Vorbereitung eines „Zweiter-Klasse-Bürger“-Status für alle Nichtmuslime in Brunei ist also in vollem Gange. Menschenrechtlich betrachtet eine äußerst bedenkliche Entwicklung, von der aber weder die Weltpresse noch die etwa um die Minderheiten auf der Krim oder den freien Ausdruck sexueller Identität in Russland besorgten Menschenrechtsgruppen so recht Kenntnis nehmen wollen.

Denn die gleichen Medien-Quellen sprechen inzwischen u. a. auch davon, dass in Zukunft in Brunei das „Propagieren jeglicher anderen Religon als des Islam“ (für Christen übersetzt: also das „Evangelisieren“ und die Weitergabe der „Guten Nachricht“) illegal ist. Es wird zu einem strafbewehrten Vergehen erklärt und mit 20.000 $ Strafe oder bis zu fünf Jahren Haft geahndet.werden. Wer also mit einem Kollegen, Nachbarn oder Freund anderer Religion über Inhalte seines eigenen Glaubens spricht, und sei er auch danach gefragt worden, riskiert in Zukunft bis zu fünf Jahre Knast in Brunei. Es ist davon auszugehen, dass bis 2016 alle derartigen und noch mehr diskriminierende Regelungen in Kraft treten werden. Und hier haben Sie, liebe Leser, den Grund, warum ich mich mit einem Ländchen „so weit weg“ (musste ich mir auch schon anhören…) und so klein es sein mag, befasse. Denn die Einführung der Scharia hat eben VOR ALLEM Konsequenzen für die Angehörigen aller anderen Religionen bzw. auch für Atheisten. Das unterscheidet beispielsweise katholisches Kirchenrecht von der Scharia. Kirchenrecht galt und gilt nur für Angehörige der entsprechenden Kirche. Die Scharia betrifft aber immer ALLE BÜRGER eines Landes. Der Sultan von Brunei hat also ganz offensichtlich gelogen, als er den Medien und damit der Weltöffentlichkeit versicherte, die Scharia beträfe nur die bruneischen Muslime.

(Quelle: „GMA news“ vom 01. April 2014 / kein Aprilscherz !)

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