Weissrussland: vergessene Repressionen gegen Kirchen

Das Land gilt als die „letzte Diktatur Europas“. Der auferstandene Stalinismus des Diktators Alexander Lukaschenko wirkt für Beobachter oftmals bizarr bis erschreckend. Die Isolationspolitik des Landes erinnert denn auch stark an Nordkorea. Nachrichten dringen oftmals nur durch direkte Kontakte mit Weissrussen nach außen. All dies wird durch das notorische Desinteresse „westlicher“ Medien an den Zuständen im Lande noch unterstützt. Der „investigative“ Journalismus vieler Medienschaffender erstreckt sich in Sachen Osteuropa zumeist nur auf das scheinbar „obligatorische“ Putin-Bashing. Auch um die Religionsfreiheit sieht es demgemäß in Weissrussland nicht gut aus.

WeissrusslandIch erinnere mich an einen Hauskreis vor ein paar Jahren bei meiner damaligen Kirchengemeinde. Da saßen wir im Wohnzimmer beisammen, besprachen vor dem „offiziellen“ Beginn des Hauskreises in fröhlicher Gemeinschaft so dies und das, als ein Bruder hereintrat und wir sofort merkten: der hat etwas ernstes zu sagen. Ohne jetzt lange in Erinnerungen „schwelgen“ zu wollen: der Bruder hatte Freunde und Verwandte in Weissrussland. Er berichtete von einem Telefonat, das er vor wenigen Stunden geführt hatte und wir wollten kaum glauben, was er uns berichtete. Über die Armut im Lande, die permanenten Versorgungsmängel, die ja scheinbar zu jeder sozialistischen Diktatur dazugehören, die permanente Überwachung aller Formen sozialer Organisationen durch Militär und Polizei. Und natürlich von der Lage der Christen im Lande. Zumindest aber in der Stadt, aus der seine Familie stammte. Dieser herzensgute Mann begann seitdem damit, regelmäßig Konvois in diese Region zu organisieren, welche die dortigen Gemeinden (und, zugegeben, auch seine Familie) mit den am dringendsten benötigten Gütern des täglichen Bedarfs versorgte. Aus Sicherheitsgründen werde ich keine weiteren Details verraten, weder über die Ziele, die Routen, noch die Inhalte der Fahrzeuge, die sich damals, ca. ab 2007, auf den Weg machten. Ein paar Monate später hatten wir die schöne Gelegenheit, auch mit Geschwistern aus Weissrussland selbst, die sich dort auf Leiterschaftsaufgaben vorbereiteten, Gespräche in Berlin führen zu können, mit ihnen für ihre Gemeinden und ihre Nation zu beten etc.

An all diese Dinge fühle ich mich erinnert, wenn ich die wenigen Nachrichten lese, die über die Lage von Kirchen in Weissrussland publiziert werden. Nicht einmal das christliche Hilfswerk „open doors“ hat Weissrussland auf dem Radar, wie die Abwesenheit des Landes von den Top-50 der Länder, in denen Verfolgung und Diskriminierung von Christen abläuft, wieder beweist. Vielleicht gibt es tatsächlich 50 Länder, in denen Nachfolger Jesu tatsächlich schlimmer behandelt werden, als in Weissrussland, aber diese liegen eben zumeist nicht in Europa, weshalb Stalins letzte Bastion auf diesem Kontinent auch einmal in den Genuss genauerer Beobachtung kommen sollte, finde ich. So berichtet z. Bsp. „Mission News Network“ darüber, dass in Weissrussland, ähnlich wie in islamischen Staaten, es Christen nicht erlaubt sei, ihren Glauben frei zu teilen.  Evangelisationen seien in Weissrussland so praktisch unmöglich, ohne geltendes Recht zu brechen und Anklagen zu riskieren. So haben also endlich der Stalinismus und der Islam eine Schnittmenge gefunden, einen Bereich wo sich Weissrussland und Pakistan begegnen.

Auch wird berichtet, dass die Kirchen Weissrusslands z. T. jahrelang an einem massiven Mangel an geistlichen Leitern gelitten hätten, da der Staat während seiner Formationsjahre Missionare und erfahrenes Leitungspersonal, das z. T. aus Russland stammte, ausgewiesen und wohl auch gewaltsam deportiert habe. Dieser Leiterschaftsmangel habe sich bis heute, zumindest in den evangelischen- und Freikirchen, nicht völlig ausgeglichen, da die in der Not vortretenden Gemeindeglieder eben selbst kaum Schulung erhalten haben. Organisationen wie etwa „Russian Ministries“ o. ä. haben sich deshalb bis heute dem Ziel verschrieben, geistliches Leitungspersonal zu schulen, ihnen Materialien in ihrer eigenen Sprache zukommen zu lassen etc. Offensichtlich war und ist die Pesonalnot ein dringendes Anliegen, das sich aber langsam abschwächt.

So geht aber weiterhin auch das nicht ganz grundlose Gerücht um, dass vor allem die evangelischen Haus- und Freikirchen Weissrusslands seit längerer Zeit unter massivem, staatlichem Druck stehen sollen. Die „Neues Leben“-Gemeinde in der Hauptstadt Minsk kämpft beispielsweise seit 2002 mit legalen Mitteln und mit öffentlichem Druck darum, ihre Immobilie und damit ihr Kirchengebäude behalten zu dürfen. Staatliche Behörden wollten bereits mehrfach die Kirche enteignen und im Jahre 2012 sah es schon so aus, als ob die Diktatur sich durchgesetzt hätte, denn trotz Eingaben an den Ministerrat etc. wurde die Gemeinde damals ultimativ aufgefordert „die Schlüssel abzugeben“ (wortwörtlich !). Proteste aus dem In- und Ausland, massive Gebetsinitiativen und die schlaue Wachsamkeit der Gemeinde (Tag- und Nachtwachen vor dem Gebäude) haben damals die Enteignung noch einmal verhindert. Aber für wie lange ? Denn Weissrussland hält seine Christen tatsächlich „an der kurzen Leine“.

Wie schon erwähnt ist eben eine freie Weitergabe des Evangeliums in jeder Form in Lukaschenkos Stalinisten-Paradies verboten. So dürfen Kirchen und deren Gemeinden keine eigenen Medien herstellen. Weder im Eigendruck noch als Radio- oder TV-Sendungen. Gemeinden müssen staatlich registriert werden und dürfen keine Aktivitäten außerhalb des Ortes ihrer Registrierung entfalten. Die staatliche Kontrolle über Gemeinden ist also extrem ausgeprägt und intensiv. Und das obwohl gerade Kirchen, ähnlich wie in vielen anderen Ländern mit defizitären, staatlichen Infrastrukturen, viele, soziale Aufgaben freiwillig übernehmen. So ist z. Bsp. bekannt, dass Kirchengemeinden in Weissrussland die staatliche „Waisenhausverwaltung“ dabei unterstützen, deren Schützlingen ein menschenwürdiges, hoffnungsvolles Leben zu ermöglichen. Dies geschieht u. a. durch die Vermittlung von Pflegefamilien und das Unterstützen einzelner Waisenhäuser bei der Versorgung mit Dingen des täglichen Bedarfs. Oder auch durch Hilfe bei Bau- und Renovierungsmaßnahmen.

Allerdings gibt es auch andere, allerdings unbestätigte Nachrichten, nach denen lokale und regionale Verwaltungen die Gemeinden „inoffiziell“ (also heimlich und zeitlich begrenzt) frei wirken lassen, weil man dort das heilsame Wirken erkennt und die Hilfe bei karitativen und sonstigen Angelegenheiten zu schätzen weiss. Aber auch dann gilt die Regel: nicht zu laut ins eigene Horn tröten, denn sonst müssen die Beamten auf Druck aus Minsk dann wieder einschreiten. Das alles erinnert fatal an Verhältnisse aus der DDR, aber eben noch ein wenig schlimmer, weil es keine „Westmedien“ gibt, anhand derer sich die Weissrussen orientieren könnten und auch nur wenige Kirchengemeinden „im Westen“ Kontakte nach Weissrussland pflegen. Bitte wundern Sie sich also nicht, liebe Leser, falls ich in den kommenden Monaten öfter mal versuchen werde, einen Blick hinter Europas letzten „Eisernen Vorhang“ zu werfen und beim Auftauchen aktueller Nachrichten aus Weissrussland diese, seien sie auch noch so knapp gehalten, weiterleite. Es ist an der Zeit, diesen „toten Winkel“ der Menschenrechtler zu beleuchten.

(Quellen: diverse. u. a. „mission news network“ vom 02. April 2014)

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