Pakistan: Ex-Chauffeur von Shahbaz Bhatti geflohen…

Wenn man etwas über das Klima, über den Zustand von Toleranz und Offenheit in einer Gesellschaft erfahren will, empfiehlt es sich oft, einmal genau hinzusehen, wie dort mit Minderheiten umgegangen wird. Mit religiösen und ethnischen Minderheiten vor allem. Dazu gibt es jetzt eine „interessante“ Geschichte aus Pakistan, die laut ersten Medienberichten bald sogar noch mit mehr Details angereichert werden wird. Dann werde ich diesen Artikel ggf. ergänzen.

Pakistan

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Erinnern Sie sich, liebe Leser, an die Ermordung des Minderheiten-Ministers von Pakistan im Jahre 2011 ? Shahbaz Bhatti, ein tiefgläubiger Katholik und der einzige, christliche Minister in der damaligen Regierung Pakistans, wurde am 02. März 2011 in Islamabad von islamischen Fanatikern ermordet. Er hatte sich zuvor mehrfach und „lautstark“ für die aufgrund obskurer Vorwürfe inhaftierte und von der Todesstrafe bedrohte Asia Bibi eingesetzt. Im Zusammenhang damit hatte er sich auch, gemeinsam mit anderen, inzwischen getöteten Politikern wie dem ehemaligen Gouverneur des Pandschab, Salman Tasir, für die Abschaffung des sog. „Blasphemieparagraphen“ im pakistanischen Strafrecht stark gemacht. Denn dieser wird, da es sich de facto um einen beliebig dehnbaren  „Gummiparagraphen“ handelt, immer gerne dazu benutzt, den religiösen Minderheiten ihre Rechte vorzuenthalten. Private Rechts-Streitigkeiten zwischen Muslimen und Christen beispielsweise werden einfach zu gerne mit „Blasphemie“-Vorwürfen gegen die beteiligten Christen aufgeladen, um deren Glaubwürdigkeit zu schwächen. Oder, um diese Seite der oft um Eigentum rotierenden Streitigkeiten gleich ganz „auszuschalten“, da die unter Blasphemie-Vorwurf Stehenden gerne mal im Angesicht massiver Todes-Drohungen islamischer Kreise dann „untertauchen“ müssen oder auch gleich ganz gelyncht werden. Wenn die „Gegenseite“ also ausfällt, kann ein Gericht „mit gutem Gewissen“ einen bestimmten Rechtsstreit in der Folge zu Gunsten der muslimischen Seite entscheiden.

Aber dieser Blasphemie-Paragraph dient eben auch dazu, nichtmuslimische, religiöse Minderheiten „still“ zu halten. Wenn etwa am Arbeitsplatz christliche Mitarbeiter benachteiligt, oder christliche Frauen sexuell belästigt werden etc. und die Menschenrechtsgruppen oder kirchlichen Beobachter-Verbände dann Protest einlegen und die Fälle publik machen wollen, wird eben schnell aus dem Opfer ein vermeintlicher „Täter“ im Sinne dieser sog. „Blasphemie“ gemacht. Damit ist der Ruf der Geschädigten nachhaltig zerstört und durch die endlosen Verzögerungen entsprechender Verfahren kann dann weiterer Psychoterror auf die beteiligten Christen einwirken, um sie mürbe zu machen. Rechtsstaatliche Verhältnisse sehen in jedem Falle anders aus, wie auch das jüngste Todesurteil gegen Sawan Masih aus Lahore wieder beweist.

Ein kleines Detail am Rande ist dabei der Fall des Ex-Chauffeurs von Shahbaz Bhatti, der in dem vorliegenden Artikel nur „Gulscher“ genannt wird. Gulscher also wird als katholischer Christ beschrieben, der lange und gerne bei der Bhatti-Familie arbeitete. Er war der Fahrer, dem der Minister vertraute, wenn er privat, ohne „große Eskorte“ und Leibwächter, unterwegs sein wollte. Familienbesuche und ähnliches hat Shahbaz Bhatti oft ohne den „großen Bahnhof“ abgewickelt. Aber Gulscher war dabei immer an seiner Seite. So auch am 02. März 2011, als das Fahrzeug des Ministers auf offener Straße „gestellt“ und dann mit automatischen Waffen beschossen wurde, bis Shahbaz Bhatti tot war. Gulscher war dabei einer der wichtigsten Augenzeugen, weil er die Gesichter einiger der Täter gesehen hatte und sie hätte identifizieren können. Was dann aber in der Folge passierte, spricht Bände über die Verhältnisse in Pakistan.

Gulscher soll nämlich zunächst einmal inhaftiert und bei Befragungen 17 Tage lang der Folter unterzogen worden sein, um ihm das „Geständnis“ abzupressen, dass Christen den Minister ermordet hätten. Unter den Folgen dieser Behandlung soll Gulscher bis heute leiden. Es wird in den Medien berichtet, er könne bis heute nicht mehr schmerzfrei gehen. Die Partei des Ministers, die „All Pakistan Minorities Alliance“ (APMA), habe während dieser Zeit übrigens Gulscher in keiner Weise unterstützt oder auf seine Freilassung gedrängt. Erst auf die Initiative einiger Christen aus dem Heimatort von Gulscher hin, wurde dieser schließlich auf freien Fuß gesetzt. Während des dann laufenden Verfahrens gegen die Mörder des Ministers wurde Gulscher mehrfach von islamischen Fanatikern mit dem Tode bedroht, sollte er eine Aussage machen, die den Ermittlungsbehörden weiterhilft, oder sollte er überhaupt vor Gericht als Zeuge erscheinen. Er und seine Familie wurden unter massiven Druck gesetzt, ihr Leben stand und steht auf dem Spiel. Und wieder bekam er keine Hilfe von der APMA oder anderen, politischen, kirchlichen oder sonstigen Kreisen.

Nun wird kolportiert, dass eine pakistanische Menschenrechtsgruppe Gulscher außer Landes gebracht habe. Zu seiner eigenen Sicherheit und der seiner Angehörigen. Somit haben die Terroristen einen Teilerfolg erzielt, denn das noch immer laufende Verfahren gegen die Täter vom 02. März 2011 wird nun ohne seine Zeugenaussage im Gerichtssaal auskommen müssen. Mehr dazu, sobald die zugänglichen Quellen aus Pakistan weitere Details dazu berichten werden.

(Quelle: „Pakistan Christian Post“ vom 31. März 2014)

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