Indien: Christen zwangskonvertiert, geschlagen, ohne Schutz von der Polizei

Christenverfolgung in Indien hat oftmals eine tragische Komponente. Denn diejenigen, die Christen wegen angeblicher „Zwangskonversionen“ mit Gewalt überziehen, wollen genau diese Zwangskonversionen selber durchführen. Nur unter umgekehrtem Vorzeichen, natürlich. Ironie des Schicksals.

Karte von Indien

Indien

Oft haben wir hier im Blog über die Zustände auf dem indischen Subkontinent berichtet, wo Christen sich durch die in 5 Bundesstaaten gültigen „Anti-Zwangskonversionsgesetze“ diskriminiert sehen. Unter dem Vorwand, dass Christen Hindus „gewaltsam“ zu Jesus geführt hätten, versuchen dort nämlich fanatische, zumeist auch politisch motivierte, hinduistische Gruppen, Christen vom Glauben abzubringen. Dies zumeist unter der latenten oder gar offenen Androhung von Gewalt. Wer einen Eindruck von der Lage bekommen will, in der sich Christen vor allem in ländlichen Regionen befinden, kann ja mal unsere INDIEN-Rubrik ein wenig durchforsten. Da stehen einige Dinge drin, die ein deutliches Schlaglicht auf die Art und die Form der indischen Christenverfolgung im Namen der „Hindutva“ werfen.

Jetzt kommen wieder Berichte aus dem indischen Bundesstaat Jharkhand, die in plastischer Art und Weise und detailreich die Absurdität der Christenverfolgung aufzeigen. Zumal, wenn sich auch staatliche Stellen für dieses miese Spiel einspannen lassen. Es beginnt damit, dass am 04. März 2014, gegen 07.00 Uhr, eine Gebetsversammlung im Haus des Pastors Tilas Bedia im Dorf Pali (Bundesstaat Jharkhand, Distrikt Ramgar) von 10 Extremisten gestürmt wird. Die Anwesenden Gläubigen werden, wie aus vielen, vergleichbaren Fällen bekannt, beschimpft und verprügelt. Die Christen werden dazu aufgefordert, wieder zum örtlichen Glauben an eine „Dorfgottheit“ zurückzukehren und es wird ihnen für den folgenden Tag „eine Lektion“ angekündigt. Diese sah dann so aus, dass am 05. März 2014, gegen 11.00 Uhr, ein aufgebrachter Mob unter Führung bekannter Aktivisten der Jugendverbände des Hinduisten-Verbandes „Bajrang Dal“ nach Pali zurückkehrte, mehrere, bekannte Christen aus ihren Häusern zerrte und auf einem Platz vor dem Haus des Ortsvorstehers versammelte. Ca. 15 Christen wurden so vorgeführt und sie wurden dazu aufgefordert, sofort zum Hinduismus zurückzukehren. Zwei willensschwächere von ihnen leugneten, Christus nachzufolgen, und wurden sofort ziehen gelassen.

Verurteilen wir diese aber nicht, denn wir kennen ja alle die Geschichte von Simon Petrus und dem Hahnenschrei. Wie hätten wir in der gleichen Situation reagiert ? Aber weiter im Geschehen: Zwei weitere, jugendliche Christinnen (16 und 17 Jahre alt) wurden von den haßerfüllten Hindus dazu gezwungen, einer örtlichen Gottheit zu huldigen, nachdem man sie geschlagen und ihnen „offenbart“ hatte, dass sie als Christinnen niemals anständige Ehemänner bekommen würden. Was das eine mit dem anderen zu tun hat und wie durchschlagend dieses Argument sein soll, sei einmal dahingestellt. Der bereits erwähnte Pastor Tilas Bedia wurde bei dieser öffentlichen Demütigung ebenfalls geschlagen, beschimpft und beleidigt. Er und seine kleine Gemeinde wurden daraufhin des Dorfes verwiesen, weil „Christen in unserem Dorf nicht leben dürfen“. Weitere Details können Sie, liebe Leser, gerne dem Originalartikel entnehmen, den ich wie immer am Schluss dieses Beitrags verlinken werde. Mir kommt langsam das Mittagessen wieder hoch, weshalb ich mich darauf beschränke, zu beschreiben, was passierte, nachdem einige der von den Maßnahmen der Verfolger betroffenen Gläubigen sich nun daranmachten, zur nächstgelegenen, zuständigen Polizeistation zu gehen, um Anzeigen gegen die Täter zu erstatten und um Schutz ihrer Versammlungen zu bitten.

Der zuständige Polizeibeamte, Virender Singh, beschimpfte daraufhin die Christen weiter, verwies sie der Wache und erstattete gegen vier von ihnen Anzeige wegen „Zwangskonversionmaßnahmen“. Am 04. April 2014 muss nun Tilas Bedia gemeinsam mit drei Geschwistern vor einem Richter erscheinen und sich „rechtfertigen“. Noch einmal zum Mitschreiben: Christen werden geschlagen, gedemütigt, dazu gedrängt, ihren Glauben zu verleugnen und dann, um dem ganzen „die (Dornen-)Krone“ aufzusetzen, auch noch von den Sicherheitsbehörden nicht nur nicht geschützt, sondern stattdessen weiter verfolgt. Denn machen wir uns nichts vor: Christen des 21. Jahrhunderts, ob in Indien, Südafrika oder Sibirien werben für das Evangelium, wenden aber keine Gewalt an, um ihre Mitmenschen zur Nachfolge zu bewegen. Insofern sind die Anschuldigungen indischer Radikaler nicht nur absurd, sondern sogar abstreitend, denn genau das, was sie unseren Geschwistern vorwerfen, praktizieren sie ja offensichtlich selbst: Konversionen unter Androhung von Gewalt. Wir kennen solches auch aus islamischen Ländern, weshalb sich hier ein christenfeindliches Muster der Verfolgung über kulturelle- und Religionsgrenzen hinaus erkennen lässt. Es wird Christen genau das vorgeworfen, was man selbst macht. „Haltet den Dieb-Prinzip“ nannte meine Oma so etwas noch. Man sieht also genau, dass es sich um Vorwände zur Verfolgung von Christen handelt und man die Anwendung und notfalls die Verfassungsgemäßheit solcher Gesetze wie die der „Blasphemiegesetze“ in Pakistan oder eben die der „Anti-Zwangskonversions-Gesetze“ in Indien überprüfen sollte.

Beten wir weiter für die Geschwister in Indien. Mögen sie Frieden haben, Zuflucht finden und unseren Glauben ohne weitere Verfolgung praktizieren können, wie es übrigens auch die Verfassung Indiens vorsieht.

(Quelle: „morningstar news“ vom 26. März 2014)

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