Nigeria: IGfM spricht erstmals offen von „Völkermord“

Die Menschenrechtsorganisation „Internationale Gesellschaft für Menschenrechte“ gab am 12. März 2014 eine Presse-Erklärung heraus, die auch auf ihrer Webseite nachgelesen werden kann. Darin befasst sie sich mit der Lage in den nördlichen 12 Bundesstaaten von Nigeria und benutzt dabei starke Worte. Aber ohne laute Töne werden wohl die Opfer der Gewalt im Land, die zumeist Christen sind, auch einfach weiter von der Weltöffentlichkeit ignoriert werden, so steht es zu befürchten.

Nigeria_StaatenOftmals musste ich mir anhören, ich würde mit meinem, kleinen Blog hier, der engagiert und manchmal auch ein wenig subjektiv über die Formen, Auswüchse und Zusammenhänge der weltweit anschwellenden Welle der Christenverfolgung berichtet, so etwas wie „Panikmache“ betreiben. Gerade aus Kirchenkreisen musste ich mir öfter anhören (oder wütende Mails etc. lesen), ich würde mich mit meinen aus tiefstem Herzen kommenden Beiträgen über das Leiden von Christen, nur weil sie Christen sind, auf das „Niveau von Hasspredigern“ herabbegeben. Und das, obwohl ich eben nicht zu Gewalt, sondern vielmehr ausschließlich zum Gebet aufrufe.
Aber ich beschönige eben auch nichts. Einige andere Webauftritte, die sich vorgeblich mit den Nöten z. Bsp. nahöstlicher oder afrikanischer Christen befassen, haben es sich mittlerweile zur Gewohnheit gemacht, so etwas wie „Objektivität“ oder gar die in den weltlichen Massenmedien bis zur völligen Verzerrung der Wahrheit benutzte „Äquidistanz“-Rhetorik zu gebrauchen. So soll eine Art „journalistische Qualität“ suggeriert werden, die dann angeblich dem Anliegen der Sensibilisierung von Lesern für die Situation von verfolgten Kirchen und verfolgten Christen zu Gute käme.

Ich persönlich hielt dies schon seit den Anfangstagen des „Berliner Gebetskreises Verfolgte Kirche“ (BGVK) vor ein paar Jahren meistens für unangemessene Leisetreterei, die eben dem Anliegen der verfolgten Kirchen NICHT gerecht wird und die den Geschwistern in Not eher in den Rücken fällt und mithilft, ihre Belange weiterhin zu ignorieren.  Solche Leisetreterei wird dann von der bislang oft völlig uninformierten Leserschaft auch als „Beruhigungspille“ genutzt, um das eigene Gewissen einzulullen. Nach dem Motto: „Wenn selbst die Organisation XY, der Professor B und der renommierte Geistliche Z sagen, dass man da viele Faktoren einbeziehen muss und die Lage der Christen sich ja eigentlich gar nicht verschlimmert hat, dann kann ich ja weiter das Thema ignorieren.“ Und das tun dann auch unzählige Christen hierzulande und befassen sich stattdessen mit so ungeheuerlich wichtigen Fragen wie der Farbe ihrer Kirchentür oder wie tief man den weltlichen Parteien der politischen Linken in den Darmausgang kriechen muss, um nicht mehr als „ewiggestrig“ oder „erzkonservativ“ bezeichnet zu werden.

Aber die religiös unabhängige, also für mich als Christen „weltliche“ Organisation der „Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte“ hat im Gegensatz zu unseren Großkirchen die Christen unter Verfolgungsdruck schon seit langem und dauerhaft auf dem Radar. Ihre Beteiligung an weltweiten Protesten gegen die Inhaftierung z. Bsp. des iranischen Pastors Youcef Nadarkhani vor zwei Jahren oder ihr heutiges Engagment für den erkrankten und ebenfalls unter lächerlichen Vorwürfen im Iran inhaftierten Pastors Behnam Irani machen dies deutlich. Die IGfM (ich singe hier mal ihr Loblieb) guckt dahin, wo viele andere Menschenrechtsgruppen kaum einen knappen Seitenblick aus dem Augenwinkel hintun. Die katholischen und evangelikalen Kirchen in Kuba und ihre Diskriminierungen auf der „Zuckerinsel“ werden ebenso demjenigen, der hingucken möchte, auf dem Silbertablett serviert, wie die einfache, christliche Feldarbeiterin Asia Bibi aus Pakistan, die dort seit Jahren auf ihr abschließendes Urteil wegen angeblicher „Blasphemie“ wartet. Ein Urteil, das durchaus „Tod durch den Strang“ lauten kann. Diese Arbeit der IGfM ist zumeist undankbar, aber ebenso dringend notwendig. Ich persönlich respektiere sie sehr.

Nun hat also die IGfM ihren Fokus auf Nigeria gerichtet, wo, wie alle langjährigen und aufmerksamen Leser dieses Blogs ja wissen, ein Christenschlachten sonder Gleichen abläuft, das in unseren von der bereits erwähnten „Äquidistanz“ zu den beteiligten Parteien angekränkelten, weltlichen Massenmedien aber immer relativiert und zu „interreligiösen- und Sozialkonflikten“ umgedeutet wird. Ich habe schon sehr oft die wahren Verhältnisse von ethnischen- und sozialen Spannungen zum religiösen Aspekt erklärt, weshalb ich das hier nicht noch einmal tun werde. Stattdessen soll die Presse-Erklärung der IGfM zu Wort kommen:

Die Massenmorde an Christen in Nordnigeria durch die islamistische Terrororganisation Boko Haram haben das Ausmaß eines Völkermordes angenommen, erklärt die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM). Seit der offiziellen Einführung der Scharia in 13 nördlichen Bundesstaaten Nigerias ab dem Jahr 1999, sind nach Schätzungen rund 50.000 Menschen in der Region von Islamisten ermordet worden. Die Intensität und die Systematik der Massenmorde haben sich seit Jahresbeginn dramatisch zugespitzt, so die IGFM.

So spricht also erstmalig eine anerkannte Menschenrechtsorganisation von „Völkermord“, der da in weiten Teilen Nigerias abläuft. Üblicherweise würden jetzt hier im „Betroffenheits“-Deutschland die Alarmglocken klingeln und diverse Aktivistenverbände sich aufmachen, zu Protesten vor der Botschaft Nigerias aufzurufen, Unterschriften für eine Einstellung der Finanzierung von Terror und ein entschlossenes Auftreten der UN gegen den Waffen-Strom in die nördlichen Bundesstaaten zu sammeln und den Medien mit den Nöten der Opfer in Nigeria in den Ohren liegen. Aber nichts dergleichen passiert. Das „Schweigen im Walde“ ist ohrenbetäubend. Und die Kirchen marschieren dabei vorneweg. Die Unterstützung bspw. der katholischen Kirche für Nigeria sah so aus, dass die katholischen Bischöfe im Lande den Dachverband der Kirchen (CAN-„christian association of Nigeria“) verließen, nachdem sie den Vorsitz im Jahre 2010 Jahren abgeben mussten. Der neue Sprecher der CAN, der Pfingstkirchen-Vertreter Ajo Oritsefayor, war ihnen angeblich zu „offen und direkt“ im Formulieren seines Abscheus über die Christenmorde im Lande. Sie hätten es gerne etwas „versöhnlicher“ gehabt und Ross und Reiter weiterhin verschleiert.
Und über die „westlichen“, evangelischen Kirchen, die eben nur das Spektrum von „Ignorieren“ bis „Relativieren“ kennen, wenn es um die Christenmorde von Nigeria geht, möchte ich gar nicht weiter sprechen. Also lassen wir die IGfM noch einmal zu Wort kommen, um die Dimensionen und Ziele der Ausrottungspolitik seitens der Terroristen aufzuzeigen:

Nach Angaben der Vereinten Nationen sind ca. 300.000 Menschen aus dem Norden Nigerias geflohen – praktisch jeder der Flüchtlinge hat Familienangehörige verloren. Die Mehrheit der Morde ist von der internationalen Gemeinschaft bisher nicht zur Kenntnis genommen worden. „Nordnigeria ist voll von Massengräbern“, erklärt IGFM-Afrika Referent Dr. Emmanuel Ogbunwezeh. Die Islamisten würden ihr Ziel völlig offen verfolgen: „Einen christenfreien Scharia-Staat.“ (Hervorhebung von mir)

Warum also ist eine Terrorgruppe, die vordringlich (seit letztem Jahr aber nicht mehr ausschließlich ! Es gibt Berichte über Aktivitäten in Kamerun, dem Niger und dem Tschad) eine bestimmte Nation im Visier hat, so erfolgreich dabei, den sicher ernstgemeinten Bemühungen von Seiten der Regierung, ihrem Treiben ein Ende zu setzen, zu widerstehen ? Die IGfM gibt Antworten, die auch hier im Blog bereits öfter erwähnt und angedeutet wurden:

Boko Haram, was übersetzt so viel wie „westliche Bildung ist Sünde“ heißt, hat Unterstützung aus dem In- und Ausland. Die IGFM berichtet, dass die Terrororganisation die Menge und die Qualität ihres Waffenarsenals erheblich ausbauen konnte und inzwischen technisch fast „auf Augenhöhe“ mit dem nigerianischen Militär operiere. Die Waffen stammen nach Einschätzung der IGFM zu einem erheblichen Teil von Sympathisanten und korrupten Offizieren aus dem nigerianischen Militär selbst. Der überwiegende Teil des nigerianischen Offizierskorps sei muslimisch. Zumindest ein Teil davon stünde den Islamisten nahe. Doch nach Ansicht der IGFM scheint es so, dass diese Offiziere und auch die islamischen Oligarchen Nigerias ihren Einfluss auf Boko Haram verloren hätten.

Die „Boko Haram“ heisst  eigentlich gar nicht mehr so, sondern (man lasse sich das ganz langsam und in Ruhe auf der „Zunge“ zergehen !): “Gruppe zur Propagierung der Lehren des Propheten und des Dschihad”. Propagierung, die also de facto durch Massenmord, Vertreibung und brutalste Gewalttaten erfolgt. Kein Vergleich zum Apostel Paulus, der UNSERE, gute Nachricht (das Evangelium eben) durch Predigt, Geduld und Lehre verbreitete. Und ein Lehrstück dafür, was Ländern blüht, in denen die Scharia gleichberechtigt neben der staatlichen Verfassung und dem staatlichen Recht praktiziert wird. Denn selbst Muslime, die in nigerianischen, staatlichen Stellen dienen oder sonst den Terroristen „nicht islamisch genug“ erscheinen, werden von diesen gnadenlos getötet. Einer Radikalisierung sind also Tür und Tor geöffnet, wenn man ihr nicht von Anfang an Einhalt gebietet.

Beten wir also auch für Nigeria, wenn wir schon sonst nichts tun, um den dortigen Opfern beizustehen oder auf ihre Leiden hinzuweisen.

(Quelle: „IGfM“ vom 12. März 2014)

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