Indien: Christen in tiefer Sorge um ihre Zukunft

Wir wissen es: leider ist die Lage vieler Christen Indiens bedrückend. Ihre Rechte werden z. T. immer mehr eingeschränkt, die Methoden ihrer Verfolger haben „legalistischen“ Charakter und die Kirchenleiter sind in Sorge um die Zukunft ihrer Gemeinden.

Karte von Indien

Indien

Gewiss ist es nicht in allen indischen Bundesstaaten so, aber einige der größten Teilstaaten der indischen Nation haben sich in den vergangenen Jahren zu echten Gefahrenzonen für Nicht-Hindus entwickelt. Nicht umsonst liegt Indien im „Weltverfolgungsindex“ der Hilfsorganisation „open doors“ auf Platz 28. In fünf indischen Bundesstaaten existieren Gesetze gegen die sog. „Zwangsbekehrung“, die in der Praxis zumeist dazu genutzt werden, um Nichthindus ihre verfassungsmäßigen Rechte zu beschneiden oder gleich ganz vorzuenthalten und ihre Religionsausübung zu unterbinden. Über die Praktiken, die dabei vor allem im ländlichen Raum angewandt werden und die lange Zeit hindurch einen geradezu „schematischen“ Charakter hatten, habe ich hier im Blog oft berichtet.Der Missbrauch der Anti-Zwangsbekehrungsgesetze ist wie eine Epidemie durch Bundesstaaten wie Orissa, Madhya Pradesh, Karnataka oder Andhra Pradesh gezogen. Im „Normalfall“ wurden von fanatischen Hindu-Aktivisten dabei Pastoren während des Gottesdienstes verprügelt, aus ihren Kirchen gezerrt und auf die nächstgelegene Polizeiwache gebracht, wo sie dann wegen „illegaler Bekehrungen“ angezeigt wurden. Aber auch Privaträume und Unterkünfte von Pastoren oder Missionaren waren mehrfach Ziele von gewalttätigen Banden aufgeputschter Hindus

.Das „All Indian Christian Council“ (AICC), der Rat aller christlichen Verbände Indiens, berichtet nun seit einiger Zeit von einem statistisch relevanten Anstieg der antichristlichen Vorfälle im südöstlichen Bundesstaat Andhra Pradesh. Von Vandalismus bis Pastorenmorden ist da wohl alles drin im „Angebot“ der von nationalistischen Organisationen und Parteien fanatisierten Hindus. Vertreter des AICC weisen dabei darauf hin, dass es eine Verbindung zwischen diesen Vorfällen und der Tatsache, dass in 3 von 5 von „Anti-Zwangsbekehrungsgesetzen“ betroffenen Bundesstaaten die sog. „Bharatiya Janata Party“ (BJP) Regierungsverantwortung trägt, gibt. Zur Erklärung: die „BJP“ ist eine nationalistische, indische Partei, die die Hindu-Weltsicht und Religion für verbindlich hält. Konkret betrachtet sie Indien als eine Einheit aus hinduistischer Religion, Staatsvolk und geographischer Lage. Ihre extremen Positionen finden in der Wahlbevölkerung seit einiger Zeit immer mehr Unterstützung. Für alle Nicht-HIndus, speziell auch für Christen, stellen ihre Ansichten jedoch eine große Gefahr dar. Jeder Nicht-Hindu ist ihrer Weltsicht zufolge auch kein „richtiger Inder“ und somit dürfen ihm dann auch seine Bürgerrechte eingeschränkt oder gleich ganz vorenthalten werden. Ein „klassischer“ Fall von Vermischung von Religion und Politik, wie wir sie u. a. auch aus islamisch geprägten Ländern kennen.

Auch die eng mit den Vorstellungen der BJP verknüpften Traditionen des indischen Kastenwesens sind für Christen in Indien problematisch. Da nämlich viele „Dalits“, also „Unberührbare“ der untersten Kaste, vom Evangelium erreicht wurden und werden, stellen sich die Unterschiede im Menschenbild deutlich heraus. Der „ausgestoßene“ Dalit bekommt dank der Gnade Gottes durch das Evangelium nämlich dieselbe Menschenwürde zugeteilt, wie der Brahmane aus der „höchsten“ Kaste. Ein für traditionelle Inder ebenso unerhörter wie unerträglicher Gedanke. Dies gilt selbst jetzt noch, wo das Kastenwesen „offiziell“ abgeschafft ist und eigentlich keine Rolle mehr im sozialen Gefüge Indiens spielen soll.

Zurück aber nach Andhra Pradesh. Der AICC dokomentierte hier nämlich für das Jahr 2013 ganze 72 Übergriffe auf Christen und Kirchen, im Vergleich zu den 39 dokumentierten Vorgängen von 2012. Ebenso formuliert der AICC die These, dass Andhra Pradesh damit die höchste „Dichte“ an christenfeindlichen Vorfällen von allen indischen Bundesstaaten habe. Zwar hat die BJP in diesem Bundesland noch keine nennenswerte Präsenz im Landesparlament, aber ihre Versuche der Einflussnahme sind bereits deutlich spürbar und verweisen auf die in diesem Jahr stattfindenden Wahlen. Menschenrechtsbeobachter weisen deshalb auch nicht grundlos darauf hin, dass z. Bsp. das von der BJP regierte Land Karnataka in den Jahren 2011 und 2012 einen massiven Anstieg der antichristlichen Gewalt zu verzeichnen hatte, da sich lokale Sicherheitsorgane der Unterstützung bei der Verfolgung entsprechender Taten seitens der Länder-Verwaltungen nicht mehr sicher sein konnten. Erst, als die Partei des „Indischen Nationalkongresses“ Karnataka wieder regierte, ließen die entsprechenden Attacken spürbar nach. Eine ähnliche Entwicklung, nur auf viel höherem Niveau ist jetzt also auch in Andhra Pradesh zu erwarten, falls die BJP maßgeblich an Stimmen gewinnen sollte.

Aber was sind das für „antichristliche Vorfälle“, die der AICC dokumentiert hat ? Hier ein Beispiel:

  • Am 28. Dezember 2013 wurden der baptistische Pastor Nama Moses und seine Frau Sumerthamma in Narketpally, Andhra Pradesh, von „Unbekannten“ in ihrer Wohnung überfallen, mit Eisenrohren traktiert und es wurde auf sie eingestochen. Der Überfall dauerte weniger als 10 Minuten, während drei weitere Mittäter draußen „Wache schoben“. Nachbarn fanden die Opfer kurze Zeit später und sorgten dafür, dass sie unverzüglich in ein Krankenhaus gebracht wurden. Beide haben den Angriff überlebt.

Nein, dies ist eben kein Einzelfall und auch kein reines „Kriminal-Delikt“, da es in den Haushalten von indischen Geistlichen ganz sicher „nichts zu holen“ gibt. Christliche Leiter werden gezielt als Opfer ausgesucht, wie auch der folgende Fall aus diesem Jahr wieder belegt:  Es hat sich ein fast genau gleichartiger Überfall in Andhra Pradesh ereignet. Am 10. Januar 2014 verschafften sich militante Hindu-Aktivisten Zutritt zur „Hebron“-Kirche von Pastor Sanjivi in Vakirabad, wo sie sowohl ihn als auch seine Frau mit Eisenstangen traktierten und achtmal auf den Pastor einstachen. Dieser verstarb drei Tage später an den Folgen der ihm beigebrachten Wunden und hinterließ sowohl seine Ehefrau wie auch seine vier Kinder. Ebenso sind nun seine ca. 250 „Schäfchen“ der Gemeinde erst einmal ohne Hirten. Die Christen im Bundesstaat Andhra Pradesh rufen nun die staatlichen Behörden dazu auf, mehr für ihre Sicherheit zu tun und haben auch an die indische Menschenrechtskommission eine dementsprechende Petition gesandt. Wir werden sehen, ob das irgendeinen Effekt auf die Lage der Geschwister dort haben wird.

Alle möglichen Gebetsanliegen aus den hier erwähnten Vorgängen können Sie sich selbst entwickeln, liebe Leser. Ich bitte aber um intensives Gebet für den indischen „Subkontinent“ und dessen christliche Minderheit.

(Quelle: „world watch monitor“ vom 04. März 2014)

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