Deutschland: Volker Kauder zu Ägypten und Nigeria

Allen, die sich länger als ein paar Wochen mit dem Thema der Christenverfolgung befassen ist es bekannt: der Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, Volker Kauder, ist vielleicht der einzige, deutsche Spitzenpolitiker, dem die verfolgten Christen tatsächlich am Herzen liegen.

Volker Kauder

Volker Kauder

Seit Jahren spricht er Immer wieder über das Thema. Als einer der wenigen, vielleicht der einzige Spitzenpolitiker hierzulande, kommt er immer wieder auf die Nöte verfolgter Kirchen zu sprechen, kontaktiert Betroffene und Verbände und thematisiert die Probleme auch gegenüber den Medien. Er tritt auf Konferenzen von Menschenrechtsorganisationen auf, die das Thema im Fokus haben und argumentiert dabei immer wieder, dass er Unterstützung auch aus der Bevölkerung brauche, um die Aufmerksamkeit für die Problematik der Christenverfolgung in Politikerkreisen und im Bundestag stärker verankern zu können. Aktionen wie Mahnwachen, Demonstrationen oder Schweigemärsche, die das Thema anhand aktueller Ereignisse oder betroffener Personen aufgreifen, können also, bei entsprechender Teilnehmerzahl und möglicher Medienresonanz auch wirklich einen (wenn auch geringen) Einfluss auf unsere Politiker haben.

Nun soll dieser Beitrag, liebe Leser, durchaus keine Lobpreisung eines Menschen sein, da ja der Lobpreis bekanntlich nur dem Höchsten zukommt und nicht einem Seiner Geschöpfe. Auch gebe ich mit dem einleitenden Absatz keinerlei persönlicher, politischer Präferenz Ausdruck. Dafür ist dieser Blog ja auch nicht wirklich gedacht. Dennoch sei das DAUERHAFTE Engagement des Christen und Menschen Volker Kauder für die Geschwister, die unter massivem Verfolgungsdruck leiden, hier einmal gewürdigt, wie immer man ihn als Parteipolitiker und Bundestagsabgeordneten auch sonst einschätzen mag. Man wünschte sich ein solch nachhaltiges Interesse auch bei vielen anderen Politikern und vor allem bei namhaften und einflussreichen Vertretern der deutschen Kirchen.
Nun gab Volker Kauder vor wenigen Tagen dem christlichen Medienmagazin „Pro“ ein Interview, in welchem er einige interessante Aussagen machte, die ich hier kurz wiedergeben möchte. Kauder berichtet darin u. a. von seiner jüngsten Reise nach Ägypten, wo er sowohl den koptischen Papst Tawadros II. als auch den Militärmachthaber General al-Sisi sprechen konnte.

Ich habe ein ausführliches Gespräch mit dem Papst der Kopten geführt. Tawadros II. hat mir berichtet, dass der Schutz der Christen und christlichen Einrichtungen in Ägypten wesentlich besser geworden ist, als er früher war. Es gibt zwar immer wieder Angriffe auf christliche Kirchen, aber bei weitem nicht mehr in dem Maße wie früher. Die neue Regierung bemüht sich also anscheinend mehr um die Christen und geht auch auf sie zu. Zum ersten Mal seit vielen Jahrzehnten war der Ministerpräsident Ägyptens in einer koptischen Kirche. Papst Tawadros II. sagte mir, es gebe Hoffnung für die Christen.

Auch diese, eigentlich recht ermutigende Aussage, muss natürlich in einen Kontext gesetzt und in ein klares „Nichtpolitikerdeutsch“ übersetzt werden. Eigentlich sagt Kauder hier, dass unter General al-Sisi, der übrigens auch bei den nächsten Präsidentschaftswahlen in Ägypten kandidieren wird, der Staat scheinbar wieder seiner Pflicht zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung nachkommt und z. Bsp. die christlichen Kirchen und Klöster erneut beschützt, nachdem diese im Rahmen der „Anti-Mubarrak“-Revolution und unter dem Regime der Muslimbrüder schutzlos Räubern und Islamisten ausgeliefert waren. Das ist übrigens tatsächlich eine gute Tendenz, wenn sie sich denn als wahr herausstellen sollte. Denn schnell relativiert auch Kauder wieder:

Allerdings besteht noch kein Grund zur Euphorie. Die Muslimbrüder sind zwar verboten. Aber ein mehr oder weniger harter Kern ihrer Anhänger ist noch aktiv. Aus deren Reihen kommen wohl auch die Attacken auf die Christen.

Es gibt also weiter antichristliche Gewalttaten im Land am Nil. Kauder gibt im Gespräch mit dem „Pro-Medienmagazin“ auch einen persönlichen Eindruck von General al-Sisi und dessen Intentionen für Ägypten wieder:

Al-Sisi will Ägypten in eine neue Zeit führen. Es wird aber nicht von heute auf morgen gelingen, das Land zu stabilisieren. Ägypten steht ein langer Weg bevor. Al-Sisi will nach eigenen Worten dazu alle Bevölkerungsgruppen in die Diskussionen einbinden und er weiß, dass er einzelne gesellschaftliche Gruppen nicht ausgrenzen kann, wie das die Muslimbrüder getan haben.

In diesem Zusammenhang spricht Kauder auch etwas an, was hellhörig macht:

Nach dem zweiten Teil der ägyptischen Revolution, die zur Absetzung Mursis geführt hat, sind die Beziehungen zwischen Ägypten und Europa etwas erkaltet. Da wünsche ich mir eine neue Dynamik.

Es ist kein Geheimnis, dass etwa die Obama-geführten USA nach der Entmachtung der Muslimbrüder Militärhilfen für Ägypten einstellten und ihr Verhältnis zur derzeitigen Übergangsregierung recht „formell“ geworden ist. Dass aber auch die Europäer sich von der „Putsch“ und „Machtergreifungs“-Rhetorik islamistischer Kreise haben einlullen lassen, stimmt bedenklich. Es zeigt auch, wie weit bereits die Medien- und Politikerlandschaft im „freien Westen“ Europas gewillt ist, die Muslimbrüder als „normale“ Partei anzusehen und deren Gefährlichkeit zu ignorieren oder gar zu negieren. Die Aussage aus dem Umfeld des ehemaligen, deutschen Außenministers Westerwelle, dass die Muslimbrüder „eine Art islamischer CDU“ seien, hat damals nur wenige Menschen alarmiert, ist aber noch immer eine sehr gefährliche Fehleinschätzung mit hochbrisanten Implikationen.

Die vielleicht für uns Leser in Deutschland interessanteste Aussage machte Kauder aber erst etwas später im Interview:

Ich werde in diesem Jahr noch nach Afrika reisen, um mich um die Situation der Christen in Nigeria zu kümmern. Nach dem Aufenthalt dort werde ich mehr sagen können. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion wird auch noch in diesem Jahr, wahrscheinlich im Herbst, eine große Konferenz zum Thema Christenverfolgung veranstalten. Wir wollen uns da ein umfassendes Bild zur Lage verfolgter Christen weltweit verschaffen, speziell auch in Afrika.

Sie wissen es, liebe Leser, dass Nigeria mir seit Jahren ein Herzensanliegen geworden ist, auch wenn ich, dank der deutlich umfangreicheren Berichterstattung über die sich verstärkenden Massaker der dortigen „Boko-Haram“-Terrorgruppe in unseren Medien, nun schon seit einiger Zeit selbst deutlich weniger über Nigeria schreibe. Über die schlimmen Dinge, die in diesem Land seit Jahren geschehen und die Bemühungen des nigerianischen Staates, diesen entgegenzutreten, wurde und wird immer wieder geschrieben, wenn die islamischen Terroristen, die Nigeria in einen Allahs-Staat umwandeln wollen (Sie erinnern sich, der Begriff „Gottes-Staat“ trifft hier nicht, weil Gott eben nicht „Allah“ ist) einen weiteren Anschlag oder ein weiteres Massaker verübt haben. Dabei sind ihnen bekanntlich staatliche Einrichtungen wie Verwaltungszentren, Schulen oder Kasernen ebenso ein „Hindernis“ auf dem Weg in die Scharia-Theokratie wie die Kirchen und die christlichen Bewohner Nigerias, vor allem in den nördlichen Bundesstaaten.

Wie dem auch immer sei: es ist gut zu sehen, dass es Volker Kauder gelungen zu sein scheint, dem Thema in seiner Bundestagsfraktion eine gewisse Bedeutung zu erkämpfen. Das ist erfreulich und absolut nachahmenswert, auch wenn ich noch nicht sehe, dass sich in der Folge dieser Konferenz die deutsche Außen- und Entwicklungshilfe-Politik nachhaltig an den Interessen verfolgter Kirchen in Afrika oder sonstwo auf der Welt orientieren wird. Können wir diese Konferenz dennoch unterstützen ? Vielleicht nehmen Sie als Wähler (ganz gleich, wen Sie präferieren oder bei der letzten Bundestagswahl tatsächlich angekreuzt haben) ja mal mit einem/einer CDU/CSU-Wahlkreisabgeordneten Kontakt auf, um ihm/ihr nahezulegen, an dieser Konferenz teilzunehmen und sich ernsthaft mit dem Thema der anschwellenden, weltweiten Christenverfolgung zu beschäftigen. Wenn wir als „Wahlvolk“ den Volksvertretern dauerhaft signalisieren, dass wir ein bestimmtes Thema auf dem Herzen haben und dies auch in ausreichenden Zahlen tun, werden sie vielleicht sogar bei Abwesenheit einer massiven Medienkampagne hellhörig.

Das gesamte Interview der Journalisten Stefanie Ramsperger und Jonathan Steinert können Sie unter dem folgenden Link selbst lesen.

(Quelle: „Pro-Medienmagazin“ vom 05. März 2014)

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