Malediven: „christenrein“ ?

Liebe Leser, was fällt Ihnen zu den Malediven ein ? Selbstverständlich, dass es sich um ein ebenso exklusives wie kostspieliges Reiseziel im Indischen Ozean handelt. Vielleicht erinnern Sie sich, dass Sie mal von den „wunderbaren Tauchrevieren“ und „erstklassigen Ressorts“ dort gelesen haben. Nun, das ist nicht einmal die halbe Wahrheit, wenn man sich mit Religionsfreiheit und Christenverfolgung befasst.

die Malediven

die Malediven

Die Malediven brüsten sich gerne damit, ein zu „100 Prozent“ von Muslimen bewohntes Land zu sein. Damit wollen sie ihre internationale Vorbildfunktion im Bereich der Komplett-Islamisierung betonen. Nicht umsonst rangiert das Insel-Archipel vor der Küste Indiens denn auch seit Jahren in den „Top 10“ des von der christlichen Hilfsorganisation „open doors“ jährlich erstellten „Weltverfolgungsindexes“. Aktuell belegt man einen „guten“, siebten Platz. Wird also nur von Ländern mit Konzentrationslagern (Nordkorea, Platz 1) oder Bürgerkriegen (Syrien, Afghanistan, Plätze 3 und 5) noch in den Schatten gestellt. Ein feines Urlaubsparadies scheint sich da hinter den nackten Zahlen zu verbergen.

Zunächst einmal ist es eine bislang weltweit nicht sehr weit verbreitete Tatsache, dass die Staatsbürgerschaft der Malediven an die muslimische Religionszugehörigkeit gebunden ist. Ob dies mit internationalen Verträgen, Bürgerrechten, der Religionsfreiheit und ggf. auch der UN-Charta in Übereinstimmung zu bringen ist, kann ich als „Nicht-Diplomat“ und „Nicht-Jurist“ natürlich nicht sagen. Aber diese Frage drängt sich natürlich sofort auf und man sollte sie ernsthaft stellen und auch ebenso ernsthaft beantworten.

Erstaunlicherweise gibt es auf den Malediven aber dennoch „Untergrundchristen“. Oder zumindest geht das Gerücht um, es gäbe sie. Natürlich stehen sie unter massivem Verfolgungsdruck, sind mit sozialer, materieller und auch juristischer Ausgrenzung konfrontiert, falls man sie erkennt oder sie sich selbst zu erkennen geben sollten. Aus diesen Gründen, also zum Schutz und zur Sicherheit der Untergrundgläubigen der Malediven, können, selbst wenn aus persönlichen Begegnungen Informationen in die Außenwelt dringen, niemals Details aus dem Leben dieser Menschen geschildert werden, welche zu ihrer Identifizierung beitragen könnten. In einem jüngst erschienenen Beitrag in der „christian post“ wird deshalb auch nur eine hypothetische Begegnung von Christen im Lande, sozusagen exemplarisch, dargestellt.

Für die vereinzelten, praktisch kaum organisierten Untergrundchristen der Malediven (von „Kirche“ wage ich in diesem Zusammenhang gar nicht zu schreiben), ist es von ungeheurer Wichtigkeit, sich über ihren Glauben auszutauschen. Sich mit anderen Christen in Verbindung zu setzen, Bibelworte zu lesen und mehr über die Nachfolge Christi zu erfahren. Wir hier im beschaulichen Mitteleuropa, wo das Christentum seit Jahrhunderten Fuß gefasst hat, können uns diese Zustände kaum noch wirklich vorstellen. Wir müssen ganz tief in die Geschichte unseres Glaubens, zu den „Urchristen“ zurückgehen, um eine rudimentäre Vorstellung davon zu bekommen, wie es sich als Anhänger Jesu lebt, wenn dieser Glaube als „unrein“, „verdorben“, „falsch“ und „böse“ gilt und gesellschaftlicher Ächtung ebenso wie juristischer Verfolgung unterliegt. Wie in urchristlichen Zeiten und auch heute wieder in vielen, vor allem islamisch geprägten Ländern üblich, ist man auch gegenüber seiner Familie in der Zwickmühle. Man will ehrlich sein, will das, wovon einem „das Herz voll ist“ auch durch den „überlaufenden Mund“ verkünden, aber gleichzeitig ist es klar, dass man dann verstoßen werden wird. Man verliert den Zusammenhalt und die Liebe der Familie BLITZARTIG, wenn man bekennt, denn der soziale Druck auf die Familien, ihre verlorengeglaubte „Ehre“ wiederherzustellen, indem man sich von dem nun „Unreinen“, „Perversen“, dem „Christen“, der an einen dreifaltigen Gott glaubt (die Verwechslung von „Dreifaltigkeit“ mit „Drei-Götter-Glauben“ ist in islamischen Ländern ganz bewusst und gewollt ein scheinbar unumstößliches Dogma) lossagt, ist schier unüberwindlich.

Oftmals werden die sog. „Apostaten“ auch durch „kurzen Prozess“ gleich getötet. Gerade manches Familiendrama basiert eben auf jener Grundlage der „Reinigung“ des Ansehens der Familie. Der ein oder andere, kritische Forscher vertritt sogar die Theorie, dass es für Familien nach der Scharia eine nicht optionale Verpflichtung sei, den Apostaten aus den eigenen Reihen zu töten. Natürlich, ohne juristische Konsequenzen fürchten zu müssen. Aber darüber weiss ich persönlich zu wenig bescheid und stelle das nur als These in den Raum. Der Konvertit Mark A. Gabriel hat jedenfalls über ähnliche Vorgänge in seiner ägyptischen Familie berichtet. Er schwört Stein auf Bein, dass sein eigener Vater nachdem er von Marks Nachfolge Christi erfahren hat, auf offener Straße mit einer Handfeuerwaffe auf ihn geschossen habe. Zurück auf die Malediven: Dort sind nämlich die wenigen, statistisch aus diversen Gründen eben nicht zu erfassenden Christen immer im Zustand der Sorge, entdeckt zu werden. Was, wenn ein Arbeitskollege, ein Familienmitglied, eine Schulfreundin oder ein Nachbar davon erfährt, dass man sich vom Islam abgewandt hat ? „Open doors“ schreibt dazu in seinem Länderprofil der Malediven:

Maledivische Christen erleben einen enormen Verfolgungsdruck in jedem Lebensbereich. Es besteht eine umfangreiche gesellschaftliche Kontrolle, mit der jeder Einzelne überwacht wird, um jedes Abweichen vom Pfad des Islams umgehend zu korrigieren. Da die Einwohnerdichte außerordentlich hoch ist, gibt es praktisch keine Privatsphäre. Dieser Druck spiegelt sich auch im Bereich der Familie und dem gesellschaftlichen Umfeld wider. Infolgedessen gibt es auf den Malediven keine kirchlichen Versammlungen und Gebäude. Die wenigen maledivischen Christen ergreifen alle denkbaren Vorsichtsmaßnahmen, um ihre Entdeckung zu vermeiden.

Das sagt eigentlich schon sehr viel über das gesellschaftliche Klima auf den Malediven aus. Zumindest, was die maledivischen Bürger angeht. Denn ausländische Christen, so sehr ihre Rechte der freien Religionsausübung auch eingeschränkt werden, dürfen immerhin in den streng vom Rest des maledivischen Alltagslebens abgeschlossenen Ressort-Hotels und vor allem im Rahmen der exterritorialen Gebiete von diplomatischen Vertretungen, gemeinsam beten und Gottesdienste feiern. Dass aber z. Bsp. das Tragen von Kruzifix-Halsketten und die Einfuhr von Bibeln, selbst für den persönlichen Gebrauch, nicht mehr gestattet sind, versteht sich in diesem Kontext von selbst. Saudi-Arabien lässt in diesem Zusammenhang grüßen. So schreibt „open doors“ denn auch weiter:

Es bestätigt zudem erneut die Gesetzgebung, welche die Ausübung anderer Religionen als des Islams verbietet. In einem Kommentar seitens des unabhängigen Nachrichtendienstes Minivan News zum Religious Unity Act wurde erwähnt, dass die Vorschriften den deutlichsten Hinweis auf die offizielle Richtung geliefert haben, in die sich das Land gegenwärtig bewegt: der Deobandi-Islam, die Religion der Taliban. Die offizielle Einfuhr von Schriften und christlicher Literatur ist unmöglich. Selbst Touristen haben von Schwierigkeiten berichtet, in die sie gerieten, weil sie ihre persönliche Bibel bei sich hatten.

Dieser „Religious Unity Act“ dient also de facto der religiösen Gleichschaltung der maledivischen Gesellschaft. Eine besorgniserregende Entwicklung, ebenso, wie das notorische Schweigen unserer Medien über dieses Thema. So habe ich denn auch heute kein „eigenes“ Gebetsanliegen, sondern unterstütze die hier aufgeführten Gebetsvorschläge von „open doors Deutschland“:

Bitte beten Sie für die Malediven:

  • um Gelegenheiten für die einheimischen Christen, Zeiten sicherer Gemeinschaft zu erleben
  • dass die Christen geschult werden können und im Glauben wachsen
  • um Weisheit und gute Zusammenarbeit unter den Missionsdiensten
  • für die Tausenden von Jugendlichen, die an Drogensucht (Heroin) leiden. Jesus will ihnen neues Leben schenken!
  • für die Arbeit an der Bibelübersetzung in die Dhivehi-Sprache

IIn diesem Sinne: überleben wir uns genau, wo wir unseren nächsten Urlaub verbringen. Ich denke, es gibt auch andere Möglichkeiten, seine Reise-Leidenschaft zu leben, als ausgerechnet in ein solches Land wichtige Finanzmittel zu importieren.

(Quelle: „christian post“ vom 26. Februar 2014 sowie das Länderportrait „Malediven“ von open doors Deutschland)

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2 Gedanken zu “Malediven: „christenrein“ ?

  1. Zu den Malediven: Vor einigen Tagen habe ich es endlich geschafft auf die Seite http://gospelgo.com/maldives.htm zu kommen. Das geht nicht immer direkt, aber spaetestens ueber google, Suchworte Maldives Church Christ ist sie auffindbar oder eine damit verlinkte Seite. Es ist die Webadresse der Maldives Church of Jesus Christ, kurz Church of Maldives. Es ist sehr faszinierend dadurch zu surfen. Es gibt sie inzwischen, die maledivische Kirche, und sie hat derzeit auf 32 Inseln Gemeinden. Auch die bereits uebersetzten Bibelteile stehen dort als download bereit: Genesis, Jona, Lukas, Johannes, Apostelgeschichte und Galaterbrief – was den Erwerb einer Bibel auf den Malediven deutlich vereinfacht 🙂 Viel Freude beim Lesen! Ich bete seit 15 jahren fuer dieses Land und die Bibeluebersetzung und die Lektuere der Webseite war fuer mich wie Gott bei der Arbeit zuzuschauen 🙂

    • Eine erfreuliche Nachricht und vielen, herzlichen Dank dafür. In Zeiten, wo, wenn überhaupt, nur sehr verstörende und entmutigende Nachrichten aus dem südostasiatischen Raum, aus Indien, Pakistan, Sri Lanka und darüber hinaus kommen, ist jede gute Nachricht willkommen. Was de facto aber leider nichts daran ändert, dass viele dieser Kirchen eben „Untergrundkirchen“ bzw. Minderheitenkirchen sind, die sich gegen Verbote, gesellschaftliche Vorurteile und Ächtung, Diskriminierung und Verfolgung wehren, bzw. um ihr Überleben kämpfen müssen. Aber mit großer Freude werde ich Ihren Link auf die Facebook-Seite des Berliner Gebetskreises übernehmen. Wir brauchen auch mal ermutigende Botschaften aus der „Welt“. 🙂

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