Pakistan: Todesdrohungen gegen Paul Bhatti

Wie es um das gesellschaftliche Klima in Pakistan bestellt ist, weiss sicher jeder aufmerksame Leser dieses Blogs. Allein die Tatsache, dass die Ermordung von Shahbaz Bhatti noch immer nicht juristisch aufgearbeitet ist, spricht eine deutliche Sprache und zeugt davon, was die christliche Minderheit im Land zu erwarten hat.

Shahbaz Bhatti (+ 2011)

Shahbaz Bhatti (+ 2011)

Ich erinnere mich noch an die Anfangstage dieses Blogs und meiner Gebetsinitiative für verfolgte Christen. Eine der ersten Dinge, die mir damals bei der Recherche über die Formen und das Ausmaß der weltweiten Christenverfolgung auffiel, war der Fall von Asia Bibi in Pakistan. Wir alle kennen mittlerweile das Schicksal der inhaftierten, christlichen Feldarbeiterin, die 2009 in einen Streit mit muslimischen Kolleginnen geriet, weil diese von der „schmutzigen Christin“ kein Wasser annehmen wollten. Asia Bibi sitzt seitdem als „Blasphemikerin“ im Gefängnis. Ohne jetzt näher auf diesen bekannten und von Menschenrechtlern weltweit beobachteten Fall eingehen zu wollen: nur wenige, respektierte und bekannte Persönlichkeiten INNERHALB Pakistans haben damals und in der Folge ihre Stimme zu Gunsten von Asia Bibi erhoben. Die beiden bekanntesten waren der Gouverneur der Pandschab – Provinz Salman Tasir und der damalige Minister für Minderheitenangelegenheiten  im pakistanischen Kabinett, Shahbaz Bhatti. Es ist sicherlich kein Zufall, dass diese beiden ausgewiesenen Kritiker der „Blasphemie-Gesetzgebung“ Pakistans bereits im Jahre 2011 ermordet wurden.

Im Falle des in aller Öffentlichkeit erfolgten Mordes an Shahbaz Bhatti, immerhin einem Kabinettsmitglied der Regierung und praktizierender Katholik, konnten einige der Täter (allerdings keiner der Hintermänner) von der Polizei ausgemacht werden. Ein Prozess wird seitdem angestrengt, der immer wieder unter Druck islamischer Kreise gerät, ihn abzubrechen. Die Tötung eines „Ungläubigen“ durch Muslime, so deren Argumentation, solle in Übereinstimmung mit der Scharia nicht bestraft werden. Ein Staat, der solches zuließe, müsse von „echten“ Muslimen abgelehnt und bekämpft werden. Es ging nun laut verschiedenen Medienberichten soweit, dass die Anklage sich außerstande sah, den Mordprozess ordnungsgemäß fortzuführen. Dr. Paul Bhatti, der Bruder des Ermordeten und für einige Zeit auch dessen Nachfolger als Berater der Regierung und Minister für Minderheiten, sah sich genötigt, als Nebenkläger immer offener in Erscheinung zu treten um dafür zu sorgen, dass der Prozess nicht „platzt“. Denn der zuständige Staatsanwalt von Pandschab weigerte sich, den Fall vor dem eigentlich zu befassenden Anti-Terror-Gerichthof überhaupt zu verhandeln. Dr. Bhatti engagierte daraufhin einen Anwalt, der nun die Familie als klagende Partei vertritt.

Dr. Paul Bhatti

Dr. Paul Bhatti

Nach Medienberichten der vergangenen Tage soll sich daraufhin die Zahl der Todesdrohungen gegen Paul Bhatti spürbar erhöht haben. Die Logik dahinter ist folgende: „Wir zeigen dir, dass wir dich genauso drankriegen können, wie deinen Bruder.“ Einschüchterung, damit Bhatti seine Bemühungen um „weltliche“ Gerechtigkeit für seinen Bruder aufgibt und sich schweigend in sein Schicksal als „zweiter Klasse Pakistani“ fügt. Erste Berichte, nachdem Paul Bhatti aufgrund der Morddrohungen „fluchtartig“ das Land verlassen habe, um in Italien Ruhe von den Nachstellungen seiner Verfolger zu finden, haben sich jedoch nicht bestätigt. Er weist die Interpretation seines Italien – Aufenthaltes als „Fluchtversuch“ von sich. Als Katholik wollte er vermutlich nur mal den neuen Papst besuchen. Wie dem auch sei: in jedem Falle sollen, laut einem Bericht von „morningstar news“ aus Pakistan mittlerweile selbst extremistische Muslim-Organisationen den Mordprozess „Shahbaz Bhatti“ zum Thema ihrer Verhandlungen mit der Regierung gemacht haben. Als Gegenleistung für bestimmte „Gesten des guten Willens“ gegenüber dem pakistanischen Staate verlangen sie die Einstellung des Prozesses und die Freilassung der vier Angeklagten. Aus den von mir schon im vorhergehenden Absatz geschilderten Motiven heraus.

Aber prominente islamische Terrorgruppen wie die Taliban oder die in Pakistan mindestens ebenso berüchtigte „Lashkar-e-Jhangvi (LeJ)“ haben mittlerweile auch keinerlei Skrupel mehr, Dr. Bhatti ganz direkt anzugreifen. Im besagten Artikel wird er folgendermaßen zitiert:

Ich werde permanent eingeschüchtert und aufgefordert, den Fall zurückzuziehen und erst kürzlich erhielt ich einen Brief von den Taliban und der LeJ, in dem sie mich aufforderten, damit aufzuhören, den Prozess weiterzuführen. Anderenfalls werden sie mich töten. Ich habe die Regierung und andere, betroffene Parteien von diesen Drohungen in Kenntnis gesetzt, aber bisher nichts von dieser Seite gehört.

Auch der Hauptermittler im Mordfall Shahbaz Bhatti, Unter-Inspector Riaz Gondal, gesteht mittlerweile ein, dass die Angeklagten und ihre Hintermänner mittlerweile zu einer massiven Bedrohungen für Leib und Leben von Dr. Paul Bhatti geworden sind. Aber er weisst auch auf eine merkwürdige Besonderheit im Rechtsverständnis der Pakistani hin: Er macht indirekt auch die Bhatti – Familie für die Verschleppung des Prozesses gegen die Attentäter verantwortlich.

Wir haben unseren Job gemacht und die Angeklagten verhaftet. Es ist nun am Gerichtshof, sie zu bestrafen. Aber wenn der zivile Klageführer bei den Verhandlungen nicht persönlich auftaucht, gibt es nur wenig Hoffnung, dass die Mörder auch verurteilt werden.

Bitte ? „Wo kein Kläger, da kein Richter“ ? Interessante Rechtsauffassung. Jetzt ergeben die Drohungen gegen Leib und Leben Dr. Bhattis und die Weigerung der Pandschab-Staatsanwaltschaft, dies „heiße Eisen“ als Fall auch nur anzufassen, erst ein klares Bild. Wenn man den Staatsanwalt (der vielleicht gar mit den Tätern sympathisiert, wäre im Land kein Einzelfall im Justizwesen) dazu bekommt, keine Klage zu erheben und den Zivilkläger (Dr. Bhatti) soweit bedroht und einschüchtert, dass dieser nicht persönlich zu den Verhandlungstagen erscheinen kann (weil er sich im Ausland befindet ?), könnte der Prozess tatsächlich doch noch „platzen“. Das Attentat auf Shahbaz Bhatti bliebe damit juristisch unaufgearbeitet und das Signal, das damit sowohl an die christliche Minorität Pakistans, als auch an die terroristischen Muslime gesendet würde, wäre verheerend. Die einen wissen dann, dass sie über jeden Machtmissbrauch über jede Diskriminierung im Lande zu schweigen haben, denn wenn es schon einen prominenten Christen wie Shahbaz Bhatti (noch einmal mit Nachdruck: der Mann war zum Zeitpunkt seiner Ermordung Minister des Kabinetts !) straflos erwischen kann, dann haben sie erst Recht keine Chance, jemals ernst genommen zu werden. Die anderen wissen dann, dass ihre Taten straffrei bleiben und können nach Herzenslust weiterhetzen, diskriminieren, töten. Solange, bis ihr schönes Land „christenrein“ wäre. Fatal. In einem Rechtsstaat wäre zwar die Vetretung des Zivilklägers durch seinen Rechtsbeistand ausreichend, aber ist Pakistan noch ein Rechtsstaat ? Der Ausgang des Prozesses wird es zeigen.

Noch mehr Details und spannende Einsichten in diese Vorgänge bietet der von mir als Quelle genutzte Artikel.

(Quelle: „morningstar news“ vom 14. Februar 2014)

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