Kenia: Pastor ermordet, Fragen bleiben…

Erst zu Weihnachten 2013 schrieb ich hier im Blog einen Beitrag über die Lage für Christen in der kenianischen Küstenregion. Gerade erst waren zwei Kirchen abgefackelt worden. Seitdem hat sich die Situation nicht wirklich verbessert.

300px-KeniaVor kurzem fragte mich ein weitläufiger Bekannter: „Was läuft da eigentlich gerade in Kenia ? Mord und Totschlag ?“ Er hatte im Internet einen Beitrag über Massendemonstrationen und Gewalt-Taten in Mombasa und Umgebung gelesen und bat nun ausgerechnet mich um eine „Expertise“. Natürlich am liebsten in Twitter-Länger. Puh. Das ist mal was. Ich vertröstete den Bekannten auf einen späteren Zeitpunkt und versprach, mich noch einmal in Ruhe zu informieren, bevor ich mit ihm darüber noch einmal im geeigneten Rahmen sprechen würde. Allerdings wohl nicht in „140 Zeichen oder weniger“. Nun versuche ich noch einmal, wie in dem Beitrag vom 27. Dezember (link siehe oben) kurz auch für Sie, liebe Leser, anzureißen, wie sich die Situation darstellt.

In Kenia ist eine separatistische Interessengruppe namens „Mombasa Republican Council“ (MRC) aktiv, deren Slogan sinngemäß „die Küste ist nicht Kenia“ lautet. Sie verfolgt das Ziel, vor allem die Region um Mombasa, aber auch andere Küstenstriche Kenias vom Zentralstaat loszulösen. Dieses Anliegen wird vor allem von islamischen, radikalen Gruppen und Predigern unterstützt, die in einem „Küstenstaat“ die Möglichkeit sehen, ein weiteres Stück Schwarzafrika zu islamisieren. Von derartigen Predigern aufgeputschte und verhetzte Jugendliche werden nun seit einiger Zeit als Kanonenfutter in einem Machtgerangel zwischen Separatisten und Regierung missbraucht. Sie werden dazu gebracht, Symbole der „Ungläubigen“ und des Staates im wahrsten Sinne des Wortes „anzugreifen“. So erklären sich diverse Kirchen-Brände und sonstige Sachbeschädigungen. Aber eben auch „Gewalt gegen Menschen“, wie ich bereits im November 2013 in einem weiteren Beitrag deutlich zu machen versuchte. Die Gewalt auch gegen Pastoren und Kirchenmitarbeiter hatte bereits im letzten Jahr solche Ausmaße angenommen, dass verzweifelte Christen gar (ob im bitteren Scherz oder nicht, sei dahingestellt) nach der Austeilung von automatischen Waffen durch die Regierung riefen, damit die Gotteshäuser noch irgendwie vor der Gewaltwelle geschützt werden könnten.

Vor diesem Hintergrund muss auch die jüngste Nachricht aus Mombasa, Kenia gesehen werden. Dort wurde nämlich am 02. Februar 2014 ein Hilfspastor ermordet, der über Nacht sein Kirchengebäude bewachte. Aus gutem Grund bewachen musste, wie ich ja bereits ausgeführt habe. Gegen 02.00 Uhr morgens wurde nämlich Lawrence Kazungu Kadenge, 59, verheiratet, 13-facher Vater, in der „Glory of God Ministries Church“ getötet. Zwei Männer wurden gesehen, die in der Folge das Kirchengelände verließen. Bislang sind jedoch noch keine Verhaftungen erfolgt. Die Polizei ermittelt aber noch. Der Hauptpastor der Gemeinde, Andrew Msumbi Kioko, zeigte sich traurig und betroffen. Er bat vor allem um Gebet für die Gemeinde und die Familie von Lawrence Kadenge. Im Beisein seiner Frau Lydia wurde Kadenge am 08. Februar beigesetzt.

Es gibt bislang keien Belege dafür, aber Quellen aus dem Umfeld der Gemeinde sprechen davon, dass die Ermordung Kadenges mit den jüngsten Unruhen in Mombasa zusammenhängen könnten. Diese waren ausgebrochen, nachdem die Polizei am 02. Februar 2014 eine für besonders haßerfüllte Predigten und vermeintliche „Dschihad-Schulungen“ berüchtigte Moschee, die „Musa-Moschee“ im Staddteil Majengo, durchsucht hatte. Dort waren in der Folge der Durchsuchung Schrift-Materialien, Computer und Waffen aufgefunden und konfisziert worden. Darunter auch eine AK-47 sowie diverse Stich- und Schlagwaffen. Die Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass sie einige Zeit benötigen werden, die auf den Computern gefundenen Daten auszuwerten, sind aber zuversichtlich, dass sie darin reichhaltige Hinweise auf islamische Terror-Netze in Ostafrika und auf die Verursacher von Gewalttaten finden werden. Vor allem die in Äthiopien, Somalia und auch Kenia operierende „Al-Shabaab“-Miliz steht dabei auf der Zielliste internationaler und nationaler Sicherheitsbehörden.  Im Rahmen der auf die Durchsuchungen folgenden (und nach bestimmten Berichten auch vorausgehenden ?) Straßenkrawalle waren 175 Jugendliche vorübergehend festgenommen worden, ein Mensch wurde während der Unruhen getötet und Lawrence Kadenge entschloss sich, das Kirchengebäude nächtens zu sichern. Mit den beschriebenen Folgen.

(Quellen: „world watch monitor“ vom 07. Februar 2014, „standard digital“ vom 05. Februar 2014)

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