Pakistan: christlicher Busfahrer gefeuert

Lange Zeit hindurch habe ich nichts über Pakistan geschrieben. Nicht, weil die Lage der Christen dort sich signifikant verbessert hätte, sondern, weil die Methoden der Christenverfolger, die ich bereits in älteren Artikeln beschrieben habe, sich eben NICHT wirklich verändert haben. Nun aber kommt ein interessanter Fall ans Tageslicht, der die Situation christlicher Pakistani verdeutlicht.

MaksudDer 39-jährige Navid Maksud, Vater dreier Kleinkinder, ist Busfahrer von Beruf. Soweit, so gut. Er ist aber auch Christ und gehört damit einer religiösen Minderheit im überwiegend von Muslimen bewohnten Pakistan an. Das Land ist laut „Weltverfolgungsindex 2014“ der christlichen Hilfsorganisation „open doors“ mittlerweile auf dem achten Rang angekommen. Im Vorjahr hatte es „nur“ auf Platz 14 gelegen. Wie immer man auch die Bewertungskriterien von „open doors“ einschätzt, ich persönlich denke, dass ein solcher Sprung im Rating weder grundlos erfolgt ist, noch ohne Aussagekraft ist. Ganz im Gegenteil, die Nachrichten über die massiven Diskriminierungen, Ausgrenzungen, juristischen und körperlichen Angriffe auf Nichtmuslime in Pakistan nehmen zu. Erst vor wenigen Tagen wurde in den Medien wieder über das Kidnapping und die Zwangsverheiratung eines christlichen Mädchens berichtet.

Wie auch immer: die Geschichte unseres Busfahrers beginnt damit, dass er zum 16. August 2012 eine Anstellung an einer staatlichen Schule erhält. Da er einer religiösen „Minderheit“ angehört, erhielt er den Posten aufgrund einer diesbezüglichen, gesetzlichen Sonderregelung. Wir kennen das hierzulande ja auch, da nennen wir es die „Quotenregelung“. Was dann passierte, darüber gibt es einen Rechtsstreit, von dem wir nur die Seite Navid Maksuds kennen, da sich die Gegenseite den Medien gegenüber nicht geäußert hat, zumindest keinem Medium, das mir bis jetzt vor Augen gekommen ist. Nehmen wir also mal die Story von Navid als solche an:

Die Schulleiterin des Bildungsinstituts „staatliches Sonderbildungszentrum Sara-e-Alamgir“ in der Stadt Gujrat (Pandschab Provinz), Frau Nargis Parwin, hatte von Anbeginn der Tätigkeit Navid Maksuds an eine feindselige Haltung ihm gegenüber angenommen. Wie sich später in einem persönlichen Gespräch herausstellte, hatte sie die Stelle des Busfahrers ihrer Schule im Vorfeld der Anstellung Maksuds bereits einem Bekannten versprochen und war nun dementsprechend „echauffiert“ darüber, dass sie ihr Versprechen nicht wahrmachen konnte. Nach Aussagen Navids habe sie ihm auch in einem persönlichen Gespräch, das er bezüglich des feindesligen „Betriebsklimas“ mit der Schulleiterin führte, ins Gesicht gesagt, dass es ihr nicht recht sei, jemanden aus „einer Minderheit“ zu beschäftigen. Frau Parwin ist natürlich Muslima, das haben Sie, liebe Leser, sicher bereits aus dem Text herausgelesen, aber ich stelle es einfach der Vollständigkeit halber noch einmal fest. Nachdem jedenfalls „Gespräche“ mit der Schulleiterin nichts mehr einbrachten, bat Navid Maksud im September 2013 um seine Versetzung, die ihm auch gewährt wurde. Er war fortan Busfahrer für ein anderes Sonderbildungszentrum in Faisalabad.

Interessant ist in der ganzen Angelegenheit immerhin das Detail, dass unser Fahrer von Dezember 2012 bis September 2013 kein Gehalt von der Schule bezog. Frau Parwin hatte offensichtlich „vergessen“ die dafür notwendigen Papiere auszufüllen und Navid Maksud als Mitarbeiter überhaupt registrieren zu lassen. Navid versuchte nun, mit Hilfe der „nationalen Kommission für Frieden und Gerechtigkeit“, auf dem Rechtsweg die ausstehenden Zahlungen zu erlangen. Aber selbst zwei Vorladungen zur Anhörung vor einem Gericht in Lahore konnten Frau Parwin nicht dazu bewegen, zu erscheinen und zu den Vorgängen in diesem Rahmen Stellung zu beziehen. Stattdessen sagte Navid Maksud im Januar 2014 aus und….wurde daraufhin aus dem Staatsdienst entlassen ! Fassen wir zusammen: 10 Monate lang kein Gehalt und am Ende auch keine Stellung mehr. Drei Kinder und Familie inklusive. Vielen Dank, pakistanischer Staat und pakistanische Justiz ! In jedem Falle hat die „nationale Kommission für Frieden und Gerechtigkeit“ vor dem obersten Gericht von Lahore gegen das Urteil des untergeordneten Gerichts Berufung eingelegt mit dem Ziel der Auszahlung des ausstehenden Gehalts und der Wiedereinstellung von Navid Maksud.

Mögliche Gebetsanliegen: Bitten wir darum, dass diesem Christen selbst in dem immer feindlicher werdenden Klima seiner Heimat am Ende Gerechtigkeit widerfährt. Er will ja nichts, was nicht ihm nicht zustünde.

(Quelle: „asia news“ vom 08. Februar 2014)

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