Marokko: Urteil gegen Christen aufgehoben

Ein marokkanischer Konvertit zum Christentum, der wegen angeblichem „Evangelisieren“ zu einer Haftstrafe von 30 Monaten verurteilt worden war, ist durch ein Berufungsgericht freigesprochen worden. Seine Anklage habe keine Substanz gehabt, so heißt es aus dem Umfeld des Beklagten.

marokko-landkarteIm nordafrikanischen Königreich Marrokko sind Christen eine winzige, religiöse Minderheit. Laut Schätzungen von „open doors“ gibt es maximal noch 22.000 Anhänger Christi im Lande des Monarchen, der seine Abstammung auf den islamischen „Propheten“ Mohammed zurückführt. Im Weltverfolgungsindex 2014 derselben Organistion steht Marokko zwar „nur“ auf Platz 44, aber dennoch ist das Klima für religiöse Minderheiten, die längerfristig im Lande leben (ausländische Residenten und Marokkaner) wenig angenehm. Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt z. Bsp. gegen Christen, die nicht ausschließlich als Kurzzeit-Touristen oder Atlas-Wanderer im Lande sind, sind an der Tagesordnung.

Spätestens nachdem bei den letzten Parlamentswahlen Ende 2011 die islamistische Partei PJD eine deutliche Mehrheit errang und nun auch den Ministerpräsidenten stellt, machen marokkanische Christen sich große Sorgen um ihre Zukunft im Land. Eine 2012 vom staatlichen „Gelehrtenrat“ der Muslime ausgestellte Fatwa über das Anwenden der Todesstrafe für Konvertiten vom Islam verstärkte diese Sorgen noch.
Vor diesem Hintergrund ist es erfreulich, eine gute Nachricht bringen zu können, denn der zum Christentum konvertierte Mohammed el-Baladi, 31, wurde kürzlich von der Anklage der „illegalen Evangelisierung“ freigesprochen. El-Baladi war am 28. August 2013 im kleinen Örtchen Ain Aicha in der Taounate-Provinz (ca. 50 Meilen von Fez entfernt) verhaftet und am 03. September 2013 von einem Gericht in Taounate zu einer Geldstrafe von 1.500 Dirhem (ca. 165 €) und einer 30-monatigen Haftstrafe verurteilt worden. Ein Mann, der angeblich ein Gespräch mit el-Baladi geführt hatte, hatte ihn zuvor wegen angeblicher Konversionsversuche angezeigt. Noch während der Haft soll der Christ von Polizisten beschimpft und unter Druck gesetzt worden sein, andere Konvertiten „preiszugeben“. Eine Praxis, die beispielsweise auch aus dem Iran bekannt ist. Bei einer Hausdurchsuchung habe man außerdem verschiedene, christliche Materialien konfisziert, sowie ca. 5000 Dirhem (ob er die wohl jemals, soz. als „Haftentschädigung“ zurückbekommt ? Man darf das bezweifeln.) beschlagnahmt.

Beobachter von Menschenrechtsgruppen hatten diese erstinstanzliche Verurteilung kritisiert, weil Mohammed el-Baladi keinen Rechtsbeistand zur Verfügung gehabt habe und auch die verhängte Strafe den gesetzlich vorgesehenen Rahmen deutlich überschritten habe. Das marokkanische Strafrecht sieht jedoch tatsächlich Geld- und Haftstrafen für die Beihilfe von Muslimen zum Verlassen ihrer Religion vor. In jedem Falle hatte el-Baladi Berufung gegen dieses Urteil eingelegt und am 26. September 2013 wurde Mohammed wieder auf freien Fuß gesetzt bis zur Verkündung des neuen Urteils. Seine Verteidigung reichte nun schriftliche Argumente und eine Darstellung seiner Seite des umstrittenen Vorfalls ein und bei einer Sitzung am 06. Februar 2014 wurde von der höheren Instanz entschieden, dass wohl kein Grund für eine Verurteilung vorliegt. Nach Abschluss des administrativen Papierkrams soll am 13. Februar 2014 der gesamte Vorgang abschließend beendet werden. Es gibt immerhin bisher unbewiesene Gerüchte, dass ein Familienstreit Mohammeds mit seinem Onkel diesen dazu veranlasst haben sollen, seinen Neffen „hereinzulegen“, indem dieser ihm eine Falle gestellt haben soll. Auch dies nicht unüblich in islamisch geprägten Ländern, wo familiäre- oder Besitzstreitigkeiten zwischen Muslimen und Nichtmuslimen schnell in „Blasphemie“ oder „Zwangskonversion“-Prozesse ausufern. (Beispiele: Pakistan, Ägypten…).

Wie dieser Fall auch im Detail immer gelaufen sein mag, in jedem Falle bleibt zusammenfassend festzustellen, dass das öffentliche Gespräch über den christlichen Glauben in vielen Ländern dieser Welt bereits als justiziables Vergehen gilt, dem man mit Hilfe der Strafverfolgungsbehörden „Herr werden“ müsse. Dem Missionsbefehl der Bibel und einem ungezwungenen, frohen und freien Verkünden des Evangeliums stehen solche nationalen und regionalen Regelungen natürlich im Wege und sind nicht allein deshalb oftmals auch kaum mit internationalen Konventionen über Religionsfreiheit in Einklang zu bringen. In solchen Ländern muss jeder Christ sich sehr genau überlegen, was ihm das Primat von Gottes Willen über weltliche Macht und Gesetze bedeutet und was er daraus für sein Leben ableitet.

In diesem Sinne sollten wir alle recht von Herzen für die Christen auch in Marokko beten, damit sich ihr kleines Häuflein vergrößere und über kurz oder lang in der Lage sei, für eine größere Diversität und Offenheit in ihrem Heimatland einzustehen.

(Quelle: „morningstar news“ vom 06. Februar 2014)

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