Es weihnachtet sehr…statt der üblichen Festtagsgrüße

Weihnachten 2013 ist da. Die Feiertage werden für viele von uns wieder mit hektischem Rennen von Familientreffen zu Weihnachtsfeier zu Gottesdienst zu… angefüllt sein. In Syrien rennen die Gläubigen auch, aber da rennen sie vor Granaten, drive-by-shootings islamistischer Rebellen und den Entführungen ihrer Geistlichen, ihrer Hirten, davon. Ins Ausland, in scheinbar schützende Kirchengebäude oder Bunker.

x-mas31Sie suchen dort (und leider nicht nur in Syrien) den Trost und Schutz des Auferstandenen. Traurig genug, wenn wir gut informierten Zeitgenossen wissen, dass sie dies oft genug erfolglos tun. Wie gerade erst bekannt wurde, sind nämlich gerade erst zwölf (Ach, herrje, die Anzahl der Jünger unseres Herrn und die Zahl der Stämme Israel…) Gläubige bei einem Artillerieangriff auf ein Kirchengebäude getötet worden. Den entsprechenden Artikel finden Sie HIER (Englisch). Schätzungen der melkitisch-griechischen Kirche sagen uns, dass derzeit mindestens 450.000 syrische Geschwister auf der Flucht sind. (Gleicher Artikel wie oben, deshalb kein Extra-Link).

Wir Christen in der „freien Welt“, die noch nicht in solchen Zuständen leben müssen, fühlen uns angesichts dieser Tragödien oftmals hilflos. Wir verstehen oftmals nicht, welche Kräfte da am Werke sind, die unsere Geschwister unterdrücken, diskriminieren, vertreiben und in vielerlei Hinsicht viktimisieren. Wir kennen nur „unsere“ kleine Gemeinde, unser oftmals sehr überschaubares, geistliches Umfeld und stehen dann fassungslos vor Nachrichten, Bildern und Videos von ermordeten Priestern, ausgebombten Kirchen und zerfetzten Leibern christlicher Gläubiger. Dabei ist das Unverständnis letztlich unser eigenes Problem. Wer sehen will, der kann sehen, wer wissen will, der kann erkennen. Dieser meines Erachtens nach oft dringend notwendige „Kulturschock“ des Erkennens der Wahrheit über die weltweite Verfolgung, wird durch viele Faktoren in unseren Gemeinden verhindert. Ich nenne im Folgenden ein paar Beispiele, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

  • da ist zunächst mal der WOHLFÜHLFAKTOR unserer Kirchengemeinden zu nennen. Gerade jetzt in der Advents- und Weihnachtszeit sind unsere Kirchen zumeist auf geradezu unabwendbarem „Kuschelkurs“. Man kuschelt untereinander, bestätigt sich gegenseitig und gibt einander ein „gutes Gefühl“. Jesus ist nur ein Knäblein in der Wiege (und kein Herr, dessen Herrschaftsanspruch geistig und physisch auf uns absolut ist) und der „Friede auf Erden“ scheint greifbar nahe zu sein. Da will man nicht unnötig mit der Realität, nicht einmal der unserer Geschwister in Syrien, Pakistan, Indonesien, Laos, Kolumbien, Kuba, etc. konfrontiert werden.
  • dann ist da der notorische Mangel an Solidarität der Christen untereinander. Jede Denomination, Konfession, jeder einigermaßen mit der Bibel vertraute Geistliche glaubt, ganz auf sich gestellt die alleingültige, geistliche Wahrheit erkannt zu haben. Das führt oft dazu, dass man sich nur zu sehr damit befasst, was die eigene Position von anderen, christlichen, theologischen Ansätzen trennt. Man vernachlässigt die Gemeinsamkeiten zu Gunsten der unproduktiven „Fingerzeigerei“ auf die vermeintlichen, geistlichen Irrtümer der Anderen. Da bekommt man dann schon einmal zu hören, dass z. Bsp. einem Evangelischen Leiter die orthodoxen, koptischen Geschwister in Ägypten oder die katholischen Syrer deutlich gesagt „am Arsch vorbei“ gehen. Eine Haltung, die mir jedesmal vor Wut, Enttäuschung, Ärger und Abscheu kalte Schauer über den Rücken jagt.
  • Und dann ist da vor allem die Nicht- bzw. Desinformation. Themen wie „internationale Christenverfolgung“ werfen  bei westlichen Christen, die sich in das Thema einarbeiten, selbstverständlich Fragen auf, die nicht gar so leicht beantwortet werden können. Warum findet eine Christenverfolgung weltweit statt, ist also nicht an bestimmte Kulturen oder Regionen gebunden ? Wo fängt überhaupt die „Verfolgung“ an und endet die „einfache“ Diskriminierung unserer Geschwister ? Wer sind die Verfolger und was kann man von hier aus überhaupt für die Geschwister in akuter Verfolgungsnot tun ?
    Auf all diese Fragen haben unsere oftmals auch am Thema völlig desinteressierten, geistlichen Leiter oftmals keine (oder zumindest keine befriedigenden) Antworten. Da wird dann auf örtliche, ethnische oder wirtschaftliche Konflikte abgehoben, aber meistens wird das Thema ganz abgewürgt und den „Spezialisten“ von open doors oder der Hilfsaktion Märtyrerkirche überlassen. Man hat ja „wichtigere“ Themen und Probleme in der Gemeinde.
  • Aus Bequemlichkeitsgründen werden natürlich auch die entsprechenden Bibelstellen, in denen uns der HERR JESUS SELBST verkündet, dass wir um seinetwillen Verfolgung erleiden werden, niemals gepredigt oder sonstwie innergemeindlich thematisiert. (Joh 15,20: Haben sie mich verfolgt, so werden sie euch auch verfolgen…) Womit wir wieder bei der eingangs erwähnten „Wohlfühl-Gemeinde“ sind, die eben niemanden schockieren und mit „unbequemen“ Wahrheiten über die Christenverfolgung konfrontieren will. Da geht man lieber den „sicheren“ Weg und hebt sich seine Empörung für Themen auf, die derzeit gesellschaftlich mehrheitsfähig sind, wie etwa „Armutsbekämpfung“ oder „Bewahrung der Schöpfung/Umweltschutz“. Wenn´s die „Leitmedien“ wie der SPIEGEL nicht auf dem Radar haben, zumindest nicht an prominenter Stelle, wird´s auch in unseren Gemeinden nicht diskutiert. Eine traurige Konsequenz der Verweltlichung vieler Kirchen. Wenn wir aber die Verfolgung nicht mehr als sozusagen „unvermeidlichen“ Teil des Glaubens ansehen, wie es uns Christus lehrt, dann sind wir zweifellos über die Wut, den Hass und die Gewalt überrascht, die Gläubigen entgegenschlagen. Überall auf der Welt.  (Eine diabolische, weil resignative Konsequenz der Erwähnung der prophezeiten Verfolgung ist dann aber leider auch das Achselzucken vieler Geistlicher und Laien unter dem Motto: „wenn´s eh unvermeidlich ist, warum groß darüber reden ?“)

Diese Gedanken teile ich heute mit Ihnen, liebe Leser, anstatt eines herkömmlichen Weihnachtsgrußes. Sie wissen ja sicher alle, dass ich Ihnen nur das Beste zum Fest der Geburt unseres Erlösers wünsche und ein geistlich und körperlich gesundes Jahr 2014 in meine Wünsche für Sie mit einschließe.

Also: Vergessen Sie bitte im Weihnachtsgottesdienst/der Christmette nicht die Geschwister in Syrien, dem Irak, in Pakistan oder Nigeria, die oftmals in Trauer um ermordete Verwandte sind und sich hinter hohen Mauern und von bewaffneten Sicherheitskräften bewacht versammeln müssen, weil sie nur auf diese Weise das für uns Selbstverständliche tun können: Weihnachten feiern.

Ihr

Martin Clemens Kurz

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