Irak: sechs christliche Familien verlassen das Land pro Tag

Hierzulande ist es selbst in Kirchenkreisen geradezu ein Tabu-Thema, die massive Dechristianisierung der urchristlichen Gebiete des Nahen Ostens auch nur zu thematisieren. Wenn man dann noch „Ross und Reiter“ benennt und die Gründe für die massive Vertreibung der christlichen „Ur-„Kirchen benennt, muss man sich mit Vorwürfen auseinandersetzen, die an Absurdität kaum zu wünschen übrig lassen.

Irak

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Ich schreibe hier aus Erfahrung. Wie dem auch sei: das Phänomen der momentan ablaufenden, massiven Dechristianisierung ehemals urchristlicher Regionen als solches kann angesichts von antichristlichen Gewaltexzessen in Ägypten, Syrien oder dem Irak kaum noch bestritten werden, ohne sich der Lüge schuldig zu machen. Wie um diese (meine) These zu belegen, meldet sich nun die mit der römisch-katholischen Kirche vereinte „chaldäische“ Ostkirche zu Wort. Deren Diözese in Kirkuk, Irak, liess unlängst in einer Presse-Erklärung verbreiten, dass nach ihren Schätzungen ca. 6 christliche Familien pro Tag das Land auf legalem Wege über die Gewährung von Visa und Aufenthaltsgenehmigungen diverser, anderer Länder verlassen. Wie man in den USA so schön sagt: „do your math“, oder: „berechnen Sie´s selber !“ Sechs Familien mal 365 Tage, mal mindestens 3 Personen (Durchschnitt)…

Und das ist nur die „offiziell“ erfasste Zahl der Gläubigen, die aus den bekannten Gründen nicht mehr in ihrer angestammten Heimat leben wollen und können. Diejenigen, die auf Schleichpfaden in Nachbarländer fliehen, um dort die Chance zu suchen, als Religionsflüchtlinge vom UNHCR anerkannt zu werden, wurden natürlich zahlenmässig kaum erfasst, oder höchstens in den zur Genüge bekannten Schätzungen. Weshalb es nicht mehr möglich erscheint, im Irak als Christ unbehelligt leben und seinen Glauben praktizieren zu können, dazu haben wir hier in der „Irak“-Rubrik ja bereits einiges geschrieben, deshalb erspare ich mir in diesem Artikel einmal die traumatisierenden Details der Gewalterfahrung vieler Gläubiger.

In jedem Falle zeigt sich die chaldäische Diözese Kirkuk, deren Erzbischof Louis Sako unlängst zum Oberhirten des gesamten Irak ernannt wurde, tief betroffen vom Exodus der Christen. Erzbischof Sako gehörte zu denjenigen Geistlichen, die immer wieder betonten, dass die Christenflucht aus dem Irak die Probleme nicht lösen, sondern die Lage der „Zurückbleibenden“ nur noch verschärfen würden. So wird auch Priester Stephen Banan von der chaldäischen Kirche bei „Al-Sumaria“ folgendermaßen zitiert:

Das Ausleeren des Nahen Ostens von Christen ist ein großer Verlust. Ihre Gegenwart, Kompetenz und Liberalität sind für die Gesellschaft lebensnotwendig…

Lassen wir uns also in der Multimediagesellschaft nicht weiter über die Verhältnisse in Nahost belügen, wenn selbsternannte „Experten“ in unseren „Heile-Welt“-Massenmedien die Konflikte herabzuwigeln versuchen. Die Realität erfährt man eben hauptsächlich von guten, seriösen Quellen vor Ort.

Mögliche Gebetsanliegen: Beten wir gerade jetzt, in der Zeit um Weihnachten herum, doch einmal für das friedliche, geschützte Überleben der Kirchen des Nahen Ostens. Machen wir uns in unseren Gottesdiensten, Versammlungen, Hauskreisen etc. doch einmal bewusst, dass Christen in dieser Region unter Drohungen von Bombenattentaten, Entführungen, Massakern und täglicher Diskriminierung leben und auch zu höchsten Feiertagen in diesem, gesellschaftlichen Klima überleben müssen.

(Quelle: „Al-Sumaria“ vom 18. Dezember 2013)

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