Kommentar: weltweiter Gebetstag für die verfolgten Christen

Er ist mal wieder gekommen: der „weltweite Gebetstag für die verfolgten Christen“. Diverse, christliche Medien weisen auf ihn hin, einige Christen bereiten sich in Gebet und Fasten auf ihn vor. Folgen haben, wird er aber, wie jedes Jahr, wohl eher nicht.

Die „weltweite, evangelische Allianz“ hat ihn vor einigen Jahren ausgerufen und führt ihn in Kooperation mit den Hilfsorganisationen, denen die Christen in akutem Verfolgungsdruck am Herzen liegen, durch. Hier in Deutschland ist wie immer die „Evangelische Allianz“ für diesen Tag engagiert. Ebenso wie „open doors“ – Deutschland. Auch der Kongress „Christenverfolgung heute – Gedenkt der Märtyrer“ in Schwäbisch Gmünd ist um diesen Termin (10. November 2013) herum organisiert worden. All dies ist wichtig und gut. Diejenigen Christen, die ohnehin ein offenes Herz für die Belange und Nöte der Christen in Verfolgung, Not und Angst haben, werden sich wie immer bestätigt fühlen und vielleicht auch im Gespräch und gemeinsamen Gebet mit Geschwistern, die ähnlich fühlen und denken Ermutigung und Zuspruch finden.

Wenn man jedoch die vergangenen Jahre kritisch Revue passieren lässt, ist auffällig, wie wenig solch ein Termin tatsächlich in den Köpfen, Herzen und im Geiste der Christenheit hierzulande verändert. Hier kann man natürlich nur für Deutschland sprechen, da sich nach Angaben der weltweiten, evangelischen Allianz auf der ganzen Welt über 60.000 Gemeinden an diesem Gebetstag beteiligen. Das ist ermutigend und tatsächlich ein Zeichen der inneren Solidarität des Leibes Christi. Mich persönlich würde jedoch vielmehr interessieren, wie viele (oder wie wenige ?) Gemeinden sich in unserem Lande tatsächlich aktiv und im vollen Bewusstsein der Nöte unserer Geschwister in Ländern wie Nigeria, Pakistan, China, Laos oder Kuba daran beteiligen. Und wie viele davon dies eher als „Ausrede“ nehmen, um in den restlichen 364 Tagen des Jahres kein Wort mehr über deren Nöte verlieren zu müssen, weil man sich mit diesem Thema in unserem Lande eben in den Medien, der Politik und selbst in Kirchenverbänden nur wenige Freunde machen kann.

A propos „Politik“: unlängst erreichten mich (bisher unbestätigte) Gerüchte, nach denen ein Bundestagsabgeordneter (Name bekannt, ich werde ihn aber nicht nennen, um eine mögliche „Verleumdungsklage“ zu vermeiden) sich im Nachklang einer Veranstaltung dahingehend geäußert haben soll, dass ihn die Morde an Christen in Ländern des Nahen Ostens völlig kalt lassen. Man mag es glauben, denn dementsprechend sieht dann auch die Politik aus, die in unserem Land gemacht wird und auch die „Kirchenpolitik“ diverser Verbände. Angesichts dieser Wand aus Ignoranz und Kälte gegenüber dem Leiden der vertriebenen Christen Syriens, der täglich diskriminierten und körperlich bedrohten Gläubigen Ägyptens oder der „Dschungelchristen“ von Laos (diese Liste ließe sich, dank „Weltverfolgungsindex“ von open doors beliebig erweitern) muss man sich natürlich fragen, wie effektiv dieser Gedenk- und Gebetstag wirklich ist. Zumindest hier in Deutschland, denn die o. b. „Wand“ geht eben bis tief in die Gemeinden, Konfessionen und Kirchenbünde hinein. Glauben Sie mir dies bitte, liebe Leser, ich habe die dementsprechenden Erfahrungen gemacht, um dies als These in den Raum stellen zu dürfen, ohne allzusehr zu spekulieren.

Da ist es schon eine ganz winzigkleine „Kerze“ der Hoffnung, wenn in meiner eigenen Gemeinde auch an einem anderen Tag als dem „internationalen Gebetstag“ im kleinsten Kreise für verfolgte Christen in Ägypten oder Pakistan gebetet wird. Wenn man als Gläubiger, der seit Jahr und Tag mit den Verfolgten leidet, der mehr als eine Träne für Asia Bibi, Behnam Irani oder Gao Zhisheng vergossen und mehr als einmal gefastet und für sie zum Herrn gefleht hat, spürt, dass es wenige, aber in ihren Überzeugungen umso stabilere Christen „an der Basis“ gibt, deren Herzen für die weltweite Gemeinde schlagen. Vielleicht ist dies die „Botschaft“ dieses weltweiten Gebetstages, dass eben an 365 Tagen im Jahr Menschen, auch in Deutschland, für den Zusammenhalt, den Schutz und die Auferbauung des Leibes Christi beten. Gläubige, die wissen, dass die Kirche nicht an unserer Landesgrenze oder am Mittelmeer ihre Grenzen hat, da auch unser Herr Christus und seine Botschaft universell und grenzenlos sind.

In diesem Sinne, bitte ich Sie, liebe Leser, am heutigen 10. November 2013, ein kurzes Gebet für die Geschwister im Gefängnis, auf der Flucht oder im Untergrund, in Verstecken vor ihren Verfolgern zu sprechen. Vielleicht auch beim Gottesdienstbesuch einem Freund oder einer Freundin aus der Gemeinde ein solches Gebet vorzuschlagen, auch wenn Sie kein evangelischer Christ sein sollten. Der Leib Christi ist universell und sollte sich gerade an einem solchen Tage mehr auf das konzentrieren, was ihn eint, als auf das, was ihn spalten mag.

Ihr

Martin Clemens Kurz

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s