Syrien: christliche Ortschaften belagert

Es ist mittlerweile allgemein bekannt, dass im syrischen Bürgerkrieg eine Vielzahl von ökonomischen, politischen und natürlich auch religiösen Interessen aufeinanderprallen. Dass die Komplexität der Abläufe im Lande von unseren Massenmedien nicht widergespiegelt wird und diese sich stattdessen zumeist auf ein „Rebellen – gut/Assad-Regierung – schlecht“ – Schema in der Berichterstattung beschränken ist ebenso bedauerlich wie auffällig.

Syrien

Syrien

Sicher ist in Syrien nur eines: die Leidtragenden sowohl der inner-syrischen Gewalt als auch der recht holzschnittartigen Berichterstattung in den meisten „westlichen“ Medien (, die als einzige ja frei berichten könnten) sind wohl vor allem die religiösen Minderheiten im Lande. Oder nennen wir es noch deutlicher: die nahöstlichen, christlichen Kirchen und ihre Angehörigen, die ja zu den ältesten, christlichen Gemeinschaften der ganzen Welt gehören ! Ihre Leiden, ihre durch weite Teile der Rebellenmilizen gezielt durchgeführte Viktimisierung und Vertreibung aus weiten Teilen des Landes ist ein übles Kapitel der in diesem Moment stattfindenden Geschichte, das nicht verschwiegen werden darf, nur um besonders „politisch korrekt“ oder gar „kultursensibel“ erscheinen zu wollen.

Der nachfolgenden Geschichte sei die Anmerkung vorangestellt, dass sich in vielen, von anderen religiösen und kulturellen Vorstellungen dominierten Ländern die christlichen Minderheiten oftmals aus ganz verschiedenen Gründen zu Wohn-Gemeinschaften, Dorf-Organisationen oder Städte-Siedlungen oder „christlichen“ Stadtvierteln zusammenfinden. Dabei spielen sowohl Sicherheitserwägungen, als auch die in der größeren „Christendichte“ begründete höhere Wahrscheinlichkeit der Aufrechterhaltung von Infrastruktur wie Wasser- und Stromversorgung, Straßen-Sicherheit usw. eine Rolle. Familiärer sowie in der Kirchengemeinde begründeter Zusammenhalt und auch Tradition ist ebenfalls ein Faktor bei der Bildung von „Christenvierteln“ in Städten z. Bsp. des Nahen Ostens oder Südostasiens oder in der regionalen Ansiedlung sog. „Christendörfer“ etwa in Teilen Afrikas oder Zentralasiens. Behalten wir also im Hinterkopf, dass es solche überwiegend von Gläubigen bewohnten Gebiete in vielen Ländern gibt.

Hier kommt nun eine Geschichte, die die Hilfsorganisation „Barnabas Fund“ durch Kontaktleute in Syrien erfahren hat und die es nie in die Hauptnachrichtensendungen der „Multimediagesellschaften“ des freien Westens geschafft hat. „Christian Today-Australia“ hat sie aufgegriffen:

Durch den andauernden und durch ausländische Interventionen, Söldner- und Waffenlieferungen kräftigst angeheizten Bürgerkrieg in Syrien gibt es eine große Anzahl von Binnenflüchtlingen im Land. Auch die christlichen Vertriebenen, die oftmals eben aufgrund ihrer religiösen Überzeugungen Opfer von religiösen „Säuberungen“ bestimmter Städte (Homs…) oder Regionen wurden, suchen zumeist bei Verwandten oder zumindest in anderen, christlichen Siedlungen Obdach und Unterschlupf. Dies ohne zu wissen, ob sie jemals in ihre Heimatorte werden zurückkehren können, weil dort Regierungstruppen und Islamisten zumeist einen Schutthaufen hinterlassen haben und oftmals  sich selbst noch um diesen erbitterte Gefechte liefern. Wo immer islamistische Rebellen siegen, ist für Nichtmuslime ohnehin keine Zukunft denkbar.

Auch in den Orten Saddad und Haffar, die überwiegend von Christen bewohnt werden, haben viele Binnenflüchtlinge Aufnahme gefunden. Beide Orte waren bislang recht wenig von der anhaltenden Gewaltwelle im Lande betroffen. Am 21. Oktober 2013 änderte sich dies aber massiv, als ca. 60 gepanzerte Fahrzeuge der „Al-Nusra-Front“-Rebellen  die Orte einzuschließen begannen. Die Angehörigen dieser vermutlich mit der Al-Kaida zusammenhängenden Gruppierung errichteten Kontrollposten und nahmen beide Orte unter Feuer. Nun war es auch hier mit dem relativen Frieden endgültig vorbei. Unter den scheinbar unvermeidlichen „Allahu-Akbar“-Rufen fuhren Angehörige der „Al-Nusra-Front“ schließlich in die Orte hinein und begannen damit, eine nahegelegene Militärbasis unter Feuer zu nehmen. In den anschließenden Gefechten wurden 13 Menschen getötet und viele Hundert flohen. Alle anderen wurden von den Islamisten als „menschlicher Schutzschild“ gegen das Abwehrfeuer der Regierungstruppen mißbraucht. Partner des „Barnabas Funds“ vor Ort halfen dabei mit, Flüchtlinge aus Saddad und Haffar in nahegelegenen Dörfern, oder in Damaskus unterzubringen. Nachdem die Regierungstruppen beide Orte nach einer Woche wieder unter Kontrolle bringen konnten, kehrten viele der Flüchtlinge wieder in ihrer Heimatorte zurück. Auch hier haben Hilfsorganisationen beim Transport geholfen.

Wir Christen, die „dem Frieden nachjagen“, ihn also unter Mithilfe unseres Herrn bewahren und wiederherstellen sollen, ist in Zeiten des Krieges, der Gewalt und der aktiven Verfolgung und Viktimisierung unserer Geschwister und unserer Überzeugungen eine besondere Aufgabe gestellt. „Unser Kreuz“ zu tragen, wie es uns der Herr Jesus in Matthäus 16, 24 aufträgt, kann also eine Aufgabe von hierzulande fast unvorstellbarer Größe sein. Wer in Nigeria von der Rache Abstand nimmt, wenn seine Kirche abgefackelt wurde, wer in Syrien keine Milizen gründet, um sein eigenes Dorf oder sein Stadtviertel zu beschützen, sondern all dies in die Hände Gottes legt, der muss sich oftmals den Vorwurf gefallen lassen, allzu naiv zu sein. Um des lieben Friedens Willen die Hände in den Schoß zu legen, oder sie nur noch im Gebet zu falten und zu erheben, ist in solchen Extremsituationen ebenso mutig, wie oftmals völlig erfolglos. Und dennoch…

Unser Glaube ist ein einziges „…und dennoch…“. In Trauer, Verzweiflung und persönlicher Not am Kurs des Steuermannes Christus festzuhalten, ist Selbstverleugnung reinsten Wassers, ist, weltlich gesehen, oftmals gefährlich nahe an der Selbstaufgabe, und dennoch…

Mögliche Gebetsanliegen: Immer wieder und gegen jede Wahrscheinlichkeit beten wir doch für Frieden in Syrien, für politische und geistliche Leiter im Lande, die einen weiteren Horizont haben, als nur den, welchen der Blick auf den Moment gestattet, für Bewahrung der christlichen Kirchen und helfende Hände für die Bedürftigen.

(Quelle: „christian today – Australia“ vom 30. Oktober 2013)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s