Indonesien: Sicherheitskräfte stürmen Sonntagsmesse

Im indonesischen Papua kämpfen Separatisten seit der Besetzung 1969 gegen die Zentralregierung. Mit wechselnder Intensität bemühen sie sich um mehr Eigenständigkeit bzw. eine erneute politische Abtrennung vom Inselstaat. In diesen Konflikt hinein haben jetzt Sicherheitstruppen der Regierung eine denkwürdige Aktion gestartet, über deren Implikationen man tatsächlich nur staunen kann.

Indonesien

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Am Sonntag, den 08. August 2013, stürmten Einheiten der Polizei die katholische „St. Maria Magdalena Kirche“ in der Paniai Regency Papuas, indem sie gegen Ende der Messe einfach die Vordertür eintraten. Offensichtlich auf der Suche nach einem geheimen Waffenlager der Separatisten, befahlen sie den Gläubigen, das Gebäude zu verlassen und draußen „die Schweine zu hüten“. Nach einer ersten, ergebnislosen Besichtigung des Kirchenschiffs, forderten die Polizisten einen Gemeinde-Diener dazu auf, die Sakristei zu öffnen. Nachdem sich deren Schlüssel nicht sofort fand, traten Beamte einfach die Tür ein und durchsuchten die Schränke und Regale mit den Sakralgegenständen. Auch der Dachstuhl und der Keller wurden auf der Suche nach Explosivstoffen und Schusswaffen durchkämmt. Selbstverständlich ergebnislos.

Von außen, hier aus Deutschland betrachtet, erscheint eine solche Aktion sinnlos, vielleicht gar lächerlich. Aber man muss dabei bedenken, dass in Moscheen des öfteren tatsächlich Waffen gelagert werden (Beispiele: Nigeria, Syrien, Ägypten). Im islamischen Kulturraum sind Moscheen auch immer Versammlungsräume von Kämpfern, von „Heiligen Kriegern“. Den Unterschied zwischen Kirchen und Moscheen können die Angehörigen der Sicherheitsorgane islamisch geprägter Staaten deshalb öfters nicht erkennen, weil sie eben Moscheen und Kirchen miteinander gleichsetzen. Dass Jesus im Gegensatz zu dem von Muslimen als Vorbild angesehenen Mohammed eben kein weltlicher Krieger, kein Feldherr und direkter Eroberer ist, ist für das vom Islam geprägte Denken der Muslime in diesen Ländern schwer zu verstehen. Dinge wie das „Schwert des Geistes“ (welches ist das Wort Gottes) können sie nicht nachvollziehen, für sie ist ein Schwert ein Schwert und Kirchen potentielle Sammelstellen für Handgranaten etc.

Vor diesem Hintergrund muss man also derartige, willkürliche Haus-(oder vielmehr Kirchen-)Durchsuchungen betrachten. Sie basieren im Kern auf einem Missverständnis, sind aber nichtsdestotrotz ein echtes Ärgernis und für die anwesenden Gläubigen natürlich traumatisch.

(Quelle: „asia news“ vom 13. August 2013)

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