Buchtip: „Verurteilt im Iran“

Ich erinnere mich noch genau daran: als der damalige Kreis der Beter 2010 hier in Berlin noch über ein Engagement für Christen in Not nachdachte, war gerade der Fall der zwei iranischen Christinnen Maryam und Marziyeh in den Medien präsent. Für ihre Freilassung setzten sich damals diverse Menschenrechtsgruppen und Aktivisten ein.

Maryam und Marzieh

Maryam und Marzieh

Im März 2010 wurden die beiden Konvertitinnen vom Islam Maryam Rustampur und Marziyeh Amirizadeh im Iran verhaftet und zur Unterbringung in das berüchtigte „Evin“-Gefängnis im Norden Teherans gebracht. Dort werden vor allem politische Gefangene festgehalten. Blogger, Hochschulprofessoren oder Studenten, die der offiziellen Linie der Regierung der „Islamischen Republik Iran“ nicht folgen wollen, finden sich in den Folterzellen des Staates dort ebenso, wie viele Christen mit muslimischen Familienhintergrund. Beobachter sehen dies als weiteres Indiz dafür, dass im Iran der Glaubenswechsel fort vom Islam eine hochpolitische Angelegenheit sei, weil es keine Trennung von Moschee und Staat gäbe.

Die beiden Frauen begannen bereits im Jugendalter, Christus nachzufolgen. Bei theologischen Seminaren in der Türkei lernten sie sich kennen, gründeten später eine Wohngemeinschaft in der iranischen Hauptstadt Teheran. Von dort aus organisierten sie den Aufbau von mindestens zwei Hauskirchen-Kreisen, bevor die Staatsmacht auf sie aufmerksam wurde und im Jahre 2009 damit begann, sie zu drangsalieren. Nach ihrer Verhaftung am 05. März 2010 wurden sie im Gefängnis unter massiven Druck gesetzt, ihren Glauben abzulegen und wieder Muslimas zu werden, aber ähnlich wie der ebenfalls prominent gewordene Pastor Youcef Nadarkhani weigerten sie sich standhaft, Christus zu verleugnen.

Währenddessen organisierte sich eine internationale Kampagne für ihre Freilassung. So reklamiert gar der Vatikan bis heute hartnäckig, sich für die beiden Christinnen eingesetzt haben zu wollen. Es wurden international Veranstaltungen von Menschenrechtlern und Gläubigen organisiert, wie etwa die Mahnwachen vor der Londoner Botschaft des Iran. Maryam und Marzieh baten damals vor allem um eines: „Betet für uns.“
Am 18. November 2010 wurden die beiden Gläubigen schließlich aus dem Gefängnis entlassen und dies, was für vergleichbare Fälle unüblich ist, ohne eine vorherige „Kautions-„Zahlung. Aber noch immer waren diese Christinnen nicht von staatlicher Überwachung und Repressionen befreit, so dass sie sich schließlich dazu durchrangen, ihre Heimat zu verlassen und über die Türkei in die USA auzureisen, wo sie seit 2011 ansässig sind.

Das Buch „Verurteilt im Iran“ des Autors John Perry erzählt nun die Geschichte von Maryam und Marziyeh, berichtet u. a. davon, dass Wächter, die ihnen die schlimmsten Beschimpfungen und Misshandlungen antaten, schon bald darum baten, dass für sie gebetet wurde. Auch der massive Druck zur „Reversion“, zur „Rückkehr“ zum Islam, der auf sie ausgeübt wurde, findet Erwähnung. Ähnliches ist z. Bsp. auch vom bereits erwähnten Fall Nadarkhani bekannt.

Ich persönlich denke, dass Erfahrungsberichte wie der von Maryam Rostampur und Marziyeh Amirizadeh dazu beitragen können, ein deutliches Schlaglicht auf die Situation der religiösen Minderheiten im Iran zu werfen und dem Leser einen authentischen, wenn auch sehr individuellen, Eindruck davon zu vermitteln, wie es um essentielle Menschenrechte in diesem Lande bestellt ist. Von Religionsfreiheit, als der freien Wahl des individuellen Bekenntnisses, oder gar der juristisch verbrieften Möglichkeit zur Zurückweisung jedweder, religiösen Überzeugung, ist der Iran eben sehr, sehr weit entfernt. Wer etwas anderes behauptet, tut dies eben gegen bestehende Fakten, wie uns dieses Buch erneut vermittelt. Deshalb halte ich es im Sinne der Aufklärung über den wahren Zustand unserer Welt für wichtig und absolut empfehlenswert.

„Verurteilt im Iran“
Maryam Rostampour und Marziyeh Amirizadeh
Verlag SCM Hänssler
gebunden, 388 S.
€D 22,95 / €A 23,60 / CHF 34.50

(Quelle: „kath.net“ vom 11. August 2013)

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2 Gedanken zu “Buchtip: „Verurteilt im Iran“

  1. Hier eine kleine Ergänzung zu dem Artikel vom 12.7. über die Glaubensflüchtlinge in Berlin. Ich
    zitiere aus einem Brief von Schwester Goetz, die sich um die iranischen Geschwister kümmert.
    „Lieber Bruder Tiedeke,
    mit Freude, Anteilnahme und natürlich großem Interesse habe ich Ihren Brief gelesen. Ich freue mich darauf, Sie kennen zu lernen. Schade, dass Sie letzten Sonntag nicht an unserem Gottesdienst teilnehmen konnten, an dem wir 17 Iraner taufen konnten, die Christen geworden sind. Entweder kamen sie als Glaubensflüchtlinge bei uns an und erbaten die Taufe, oder aber sie kamen als Moslems oder Heiden zu uns und fanden inzwischen zu Jesus.
    Wir haben drei Möglichkeiten, wie Sie uns begegnen können: Donnerstags von 17:00 Uhr bis 18:00 Uhr: Bibellesen für Iraner, bei dem wir versuchen, nur in Deutsch zu sprechen (kleinere Gruppe), Samstags von 10:00 Uhr bis 12:00 Uhr: Glaubens- und Taufunterricht für Anfänger (Ca. 50 Personen) in dem noch alles übersetzt wird, und sonntags gliedern sich die Iraner in den normalen Gottesdienst ein.“
    Es gibt also auch Zeichen der Hoffnung und Menschen, die sich den göttlichen Herausforderungen stellen.

  2. Das Buch ist sehr interessant, ich habe es schnell durchgelesen. Auch und gerade die Schilderung vom Evin Gefängnis, wofür man ja schon manchmal betet, war interessant, da man dann eher weiß, wie es dort zugeht und welches ungefähr die Gebetsanliegen sind. Der Herr erbarme sich über jene, die dort sind.

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