Erfahrungen: Der Prophet im eigenen Lande…

Liebe Leser, Sie werden sich bestimmt noch an die Rubrik „Erfahrungen“ erinnern, in der wir hier die Erfahrungen von Christen, die in irgendeiner Weise mit dem Thema der Christenverfolgung in Berührung stehen, darstellen und diese Menschen zu Wort kommen lassen wollten. Nun, diese Rubrik ist etwas eingeschlafen, aber ich finde es ist an der Zeit, sie aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken.

Dieses Logo benutze ich seit diesem Jahr.Denn in den letzten Monaten haben mir von Zeit zu Zeit Christen geschrieben oder am Telefon erzählt, was sie so erleben, wenn sie sich Aktionsgruppen anschließen, mit Hilfswerken in Kontakt treten oder Veranstaltungen initiieren, die den unterdrückten Christen zu Gute kommen sollen. Da wird dann schon einmal die ein oder andere e-mail hin- und hergeschickt, sich gegenseitig auch im Gebet bestärkt, aber leider kein Beispiel gesetzt, mit dem andere Leser dieses Blogs etwas anfangen könnten.

Deshalb rufe ich hier noch einmal jeden auf, der Erfahrungen gemacht hat, hier in Deutschland oder anderswo, die mit dem Thema der Christenverfolgung zusammenhängen, darüber nachzudenken, ob er seine Eindrücke nicht mit anderen Christen, die diesen Blog verfolgen, teilen möchte. Ich habe dabei vollstes Verständnis dafür, wenn dies auch nur unter dem Siegel der Anonymität und oft ohne Konkretisierungen bezüglich des Ortes, der Zeit oder beteiligter Personen geschehen kann. Man möchte Dritte oftmals nicht gefährden, oder sich ungerechtfertigter, unsachlicher Kritik nicht selbst willkürlich aussetzen. Das ist in Ordnung und wird von mir in jedem Falle berücksichtigt. Und so gehe ich jetzt mal mit „gutem Beispiel“ voran und erzähle eine Geschichte, die mir vor einigen Monaten, wohl eher einem Jahr oder so passiert ist, als ich gesundheitlich noch etwas „fitter“ war und durch die Stadt gedüst bin, um den Versuch zu machen, Ansprechpartner für ein Gebetsnetzwerk zu finden.

In einer Gemeinde, die sich durch ihren soliden Anteil an getauften Angehörigen eines nahöstlichen Volkes (hier beginnt die Anonymisierung, sorry) auszeichnete, durfte ich über mein Projekt sprechen. Über den Wunsch nach Gebet für Christen in Verfolgung, in Ländern, die keine Religionsfreiheit zulassen. Über die Tatsache, dass ich kein Geld sammeln, sondern Beter und Gebete bündeln wollte zu Gunsten der Christen, die keine Stimme und keine Rechte in ihren Gesellschaften zu haben scheinen. Nach ein paar verbindlichen Eingangsworten, in denen ich u. a. auf einige Länder hinwies, die sich m. E. nach durch eine ganz besonders christenfeindliche, gesellschaftliche Atmosphäre auszeichnen, begann eine junge Frau unruhig zu werden und auf ihrem Stuhl herumzurutschen.

Als ich dann mal irgendwann Luft holen musste, sprang sie von ihrem Sitzmöbel auf, zeigte mit dem Finger auf mich und rief mir so etwas entgegen wie: „Das kann gar nicht sein. Was erzählen Sie da ?“ Es stellte sich heraus, dass sie vor wenigen Wochen noch in einem der von mir genannten Länder gewesen war und auch noch Verwandte dort besaß, die sie besucht hatte. Sie versuchte, meine kurze Ansprache unterbrechend, dann ihre individuellen Erfahrungen zum Besten zu geben. „Ich wurde kein bischen angefeindet und konnte sogar mit wildfremden Leuten im Zug offen über meinen christlichen Glauben sprechen. Das ist alles gar nicht so schlimm, wie Sie hier erzählen !“ Nun, die Aufmerksamkeit der Gruppe hatte ich damit verloren und jetzt begann also die „Schlacht um die Glaubwürdigkeit“, die ich als Mensch, der nicht aus der entsprechenden Ethnie stammt, schon von Anfang an verloren hatte. Ich blieb ruhig, verwies auf diverse, scheinbare Einzelfälle, die in ihrer Gesamtheit ein eher düsteres Bild von dem gesellschaftlichen Klima des betreffenden Staates zeichneten. Auch erwähnte ich eine aus dieser Nation stammende, zum Christentum konvertierte, bekannte Menschen- und Frauenrechtsaktivistin, die bereits mehrfach über die Zustände im Lande ihrer Eltern und Großeltern berichtet hatte.

Aber das half alles nichts. Die junge Frau blieb bei ihrem Erlebnisbericht, der natürlich, aufgrund der Authentizität des Selbsterlebten ein größeres Gewicht bei den Zuhörern hatte, als alles, was ich aus meiner jahrelangen Beobachtung der Situation in dieser Region hätte einwerfen können. Der anwesende Kreis war offensichtlich generell nicht sehr gut über die Verfolgung, geschweige denn in dem betreffenden Land, informiert und so nahmen ein paar Frauen Partei für die besagte, sich immer mehr echauffierende, junge Frau und der Rest der Anwesenden blieb still und wurde nur immer skeptischer, was meine Worte anging. Ich versuchte ein letztes Mal, das betreffende Land auszuklammern und bot auf diese Weise der jungen Dame eine Brücke an, über die wir beide hätten gehen können, um den Abend noch irgendwie zu retten. Aber diesen Weg wollte sie nicht gehen, fing stattdessen an, mich zu beschimpfen und anzuschreien. Ich spare mir hier die Details der Worte, die dort fielen. Was ich mir nicht spare, ist die Konsequenz aus dieser Begegnung: in der betreffenden Gemeinde kann ich mich nicht mehr sehen lassen, außer ich will weitere Beschimpfungen über mich ergehen lassen, denn der Pastor hat ohnehin das Thema der Verfolgung nicht so besonders oft auf dem Radar und ist ohnehin nicht dafür bekannt, besonders gerne kontroverse Themen anzupacken. Schade.

Nein, liebe Leser, ich möchte in dieser Rubrik nicht nur negative Erfahrungen präsentieren, sondern Eindrücke jeglicher Art teilen und verbreiten. Gute, schlechte, interessante, merkwürdige und lustige Impressionen aus dem Umfeld des Engagements für verfolgte Christen können und sollen hier in Zukunft weitergegeben werden. Schon, damit andere Aktivisten davon lernen, sich darüber amüsieren oder auch hilfreiche Hinweise geben können. Wichtig ist, dass wir voneinander wissen, voneinander lernen, miteinander beten und auf jede mögliche Art und Weise für die Christen in Not einstehen.

Also, dann. Ihr

Martin Clemens Kurz

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5 Gedanken zu “Erfahrungen: Der Prophet im eigenen Lande…

    • Nun, ich bin mir sicher, alle diejenigen von uns, die schon einmal versucht haben, das Thema der weltweiten Christenverfolgung irgendwo voranzubringen, speziell auch in Kirchengemeinden, welche vielleicht ein bischen mehr mit anderen Dingen befasst sind, hat schon mal „interessante“ Erfahrungen gemacht und spannende Eindrücke gewonnen. Ich würde mich sehr freuen, wenn jeder, der dazu etwas beizutragen hat, dies doch einfach mal tut. Ein kleiner Text, ein gutes Bibelwort vielleicht noch dazu und schon haben auch andere, die hier in unserem Land an diesem Thema „dran“ sind, gelesen, dass sie nicht alleine sind. Dass sie auch in ihren Erfahrungen nicht alleine sind und man sich dann gegenseitig darin bestärken kann, weiterzumachen, selbst wenn die Erfahrungen schlecht waren. Aber es geht ja, wie gesagt, nicht nur um die schlechten Erfahrungen, sondern um alle Arten von Eindrücken, die uns dazu bringen, einander gedanklich anzuregen und vielleicht (ich schreibe das mit mehreren Ausrufezeichen, da ich auch hier sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht habe !!!!) uns miteinander enger zu verbinden und zu vernetzen.
      Ich sage das auch aus meiner eigenen, sehr persönlichen Perspektive, die so aussieht, dass ich als „Prophet im eigenen Lande“ eben hier in der Stadt mit diesem Thema kein Bein auf den Boden bekomme. Ich weiss aber, dass andere Christen in anderen deutschen Regionen sehr wohl in der Lage sind, im kleinen oder großen Rahmen, etwas zu bewegen ! Da heisst es: voneinander wissen, miteinander reden, voneinander lernen !
      In diesem Sinne

  1. Erst einmal meine Hochachtung zu diesem Artikel. Normalerweise reden – und schreiben – wir über solche Erfahrungen nicht und bleiben mit unserem Schmerz und der Enttäuschung allein. Umso
    mutiger ist es,, solche schlimmen Erfahrungen offenzulegen. Vielen Dank für diese Offenheit.
    Zum anderen finde ich es gut, dass Sie den Blick auf unser eigenes Land richten. Es ist ja nicht so, dass wir hier ganz frei von Pressionen sind.
    Ich habe in Deutschland 1991 massive Verfolgung erlebt; eine Skinheadgruppe schwor einen Eid, mir das Lebenslicht auszublasen und mein Wohnhaus anzuzünden. Der Polizeipräsident: Sie bräuchten Personenschutz. Aber ich habe keine Leute…Meine Frau stand zu mir und von den Folgen eines Herzinfarkts wurde ich in einem Gottesdienst in wenigen Sekunden geheilt. Ich dachte, Schlimmeres kann nicht mehr kommen. Aber es kam: Ausgerechnet aus der Christenheit.
    Dann von der eigenen Kirchenleitung, schließlich von den engsten Brüdern: Bewusstes Missverstehen, Rufmord, Vertrauensverrat. Das ist schon mehr als 20 Jahre her. Aber es hat mich nicht umbringen können. Stattdessen kann der Herr mich überall da einsetzen, wo keiner freiwillig
    hingeht, nach Korea, Japans Fukuschime-Region, in Hisbollah-Angriffe oder nach Nigeria.
    Aber auch Berlin kann gefährlich sein. Ich betreute monatelang eine afrikanische Pastorenfamilie, deren Kinder wegen einer gezielten Denuntiation vom Jugendamt in ein Kinderheim gesteckt wurden. Und auch die bloße Teilnahme von unsereinem beim Christopher Street Day ist gar nicht ungefährlich. Wir sollten uns darauf einstellen, dass nach der systematischen Zerstörung der göttlichen Familienordnung nun auch andere Institutionen wie Polizei und Justiz in den Würgegriff eines Liberalismus genommen werden, der nur eine Devise kennt: Tu, was du willst! Was nach der Bibel in einem Satz die Ethik des Teufels beschreibt (Mt. u.Lk.4). Es wäre gut, auch diese Dinge ins Gebet zu nehmen.

    • Danke für Ihre Erfahrungen. Wenn Sie Lust haben, diese ein wenig zusammenzufassen und hier als Artikel publiziert sehen möchten, bin ich gerne bereit, einen Text einzustellen. Denn es ist wahr, dass es viele Erfahrungen auszutauschen und viel voneinander zu lernen gibt.

      Zum anderen finde ich es gut, dass Sie den Blick auf unser eigenes Land richten. Es ist ja nicht so, dass wir hier ganz frei von Pressionen sind.

      Danke für diese Einschätzung. Ja, so ist es halt. Wer in diesem Lande bibelorientierte, christliche Positionen öffentlich vertritt (und dabei postuliere ich einmal, dass die großen, konfessionellen Kirchen dies größtenteils nicht mehr tun) hat mit einer diffamierenden, uninformierten und radikal unter die Gürtellinie zielenden Gegenbewegung zu rechnen, für die das derzeitige Modewort „shitstorm“ noch zu schwach erscheint. Denn es kann durchaus, wenn man nicht gerade Rentner ist oder auf einem Polster von Privatvermögen sitzt, das nur durch die Inflation, nicht aber durch sonstige Dinge geschmälert werden kann, sein, dass eine eindeutige, christliche Positionierung Freunde, Kontakte und Jobs kosten kann. Klagen wegen „Diskriminierung“ muss man beinahe schon von vornherein in Betracht ziehen, wenn man sich zu bestimmten Themen öffentlich und laut vernehmlich als Christ äußert.

      Aber auch Berlin kann gefährlich sein. Ich betreute monatelang eine afrikanische Pastorenfamilie, deren Kinder wegen einer gezielten Denuntiation vom Jugendamt in ein Kinderheim gesteckt wurden.

      Da würden mich mehr Details interessieren. Das wäre z. Bsp. ein sehr interessanter Beitrag. Wenn das geht, ohne sowohl die Familie in Gefahr zu bringen, als auch Klagen von beteiligten Behörden und Beamten zu provozieren, würde ich darüber gerne mehr wissen. Denn das fehlt ja noch, dass Menschen, die möglicherweise aus Verfolgungs-Gebieten geflohen sind, hier dann diskriminiert und mit Unterstützung atheistischer, christenhassender, deutscher Beamter noch weiter gequält werden !

  2. Das geht leider noch nicht, es läuft noch eine Anklage gegen drei Pastoren und einen Ältesten wegen Hausfriedensbruch (von der Schulleiterin). Ich werde später darauf zurückkommen.

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