China: Behördenwillkür gegen Hauskirchen geht ungebremst weiter

Die christliche Menschenrechtsorganisation „open doors“ spricht in ihrem Länderportrait „China“ nicht ganz grundlos davon, dass sich die Beobachter der Lage von Christen im bevölkerungsreichsten Land der Erde nicht sicher seien, wie die Verfolgungssituation sich derzeit wirklich darstellt. Da gehen die Meinungen wohl von den Wunschdenkern, die die staatliche Verfolgung als abgehakt ansehen, bis zu den Ultra-Realisten, die jede überlange Wartezeit eines Christen bei der Post als „aktive Verfolgung“ geisseln wollen. Open doors empfiehlt dabei, in typisch deutscher, äquidistanter Ausgleichsmanier, die Wahrheit irgendwo in der Mitte zu suchen.

China

China

Sie wissen es, liebe Leser, ich selbst neige eher der realistischen Haltung zu und sehe die Religionsfreiheit in China solange nicht als gegeben an, wie die lokalen Hauskirchen mit den staatlich kontrollierten Kirchenverbänden nicht gleichgestellt sind. Was den von staatlichen Behörden in so ziemlich allen Regionen des Landes bekämpften Hausgemeinden so passieren kann, zeigt erneut ein Beispiel aus der Xinjiang-Provinz.

Es gibt wie wir am Beispiel Indiens, des Irans und anderer Länder immer wieder sehen, bestimmte „nationale Merkmale“, sozusagen „Muster“ der staatlichen und gesellschaftlichen Verfolgung von Christen, die sich in bestimmten Regionen oder eben Nationen geradezu schablonenhaft wiederholen. In Indien wurden bis vor Kurzem regelmässig Pastoren von Hindu-Mobs verprügelt und dann zur Polizei geschleppt, weil sie angeblich Nichtchristen „zwangskonvertiert“ hätten. Im Iran werden ex-muslimische Konvertiten aus Hauskirchen ausspioniert, verhaftet, durch Folter zur Rückkehr zum Islam „überredet“ und im Ablehnungfalle dann zumeist nach längerem Gefängnisaufenthalt gegen horrende „Kautionen“ wieder auf freien Fuß gesetzt, wobei ihre „Prozesse“ weiterhin laufen und wie Damokles-Schwerter über ihnen hängen. Auch China hat so ein Schema, nach dem provinzübergreifend vorgegangen wird. Es ist ein Mischung aus der indischen, sozusagen „gesellschaftlichen“ und iranischen (staatlichen) Variante der Verfolgung.

In Urumtschi, in der chinesischen Provinz Xinjiang, wurde am Morgen des 04. August 2013 gegen 09.30 Uhr ein Gottesdienst in der Muen-Church von Pastor Tan Wen durch Angehörige der Polizeibehörden unterbrochen. Ohne sich zu legitimieren oder zunächst ihre Absichten erkennen zu lassen, drangen sie in die christliche Versammlung ein, stoppten den laufenden Gottesdienst und konfiszierten Bibeln, sonstige Schriftmaterialien sowie Gesangbücher. Daraufhin versuchten die ca. 20 Beamten Pastor Tan Wen abzuführen, woraufhin sich ihnen Gemeindemitglieder in den Weg stellten und nach der Begründung für ihr Verhalten fragten. Sie bekamen mitgeteilt, dass ihre Versammlung „illegal“ sei und sie immer verhaftet werden würden, wenn sie sich zur Anbetung oder Ähnlichem treffen würden. Die Beamten führten den Geistlichen daraufhin dennoch ab. Er wurde, wie mittlerweile bekannt ist, von der Xishan-Polizeiwache weitergeleitet und befindet sich nun in einem Untersuchungsgefängnis in Urumtschi. Er soll nach Aussagen der Behörden eine mindestens 15-tägige Haft absitzen.

Pastor Tan Wen wurde bereits Anfang Juni 2013 unter ähnlichen Umständen kurzfristig inhaftiert. Daraufhin prüfte seine Gemeinde eine Eingabe zur Überprüfung des Verhaltens der Sicherheitsbehörden gegenüber der Muen-Kirche und ihrem geistlichen Leiter. Sogar eine Klage wegen Verstoßes der Behörden gegen die Religionsfreiheit und wegen illegaler Konfiskationen von Kircheneigentum wurde erwogen. Die erneute Inhaftierung Pastor Tan Wens wird von Beobachtern als offener Racheakt für diese Überlegungen angesehen. Nach Ansicht der kommunistischen Herrscher Chinas haben Christen eben „zu kuschen“ und sollen dankbar sein, wenn man sie überhaupt am Leben lässt. Wer darüber hinaus Rechte einfordert, muss offensichtlich mit Willkürmaßnahmen rechnen.

Die chinesische Menschenrechtsorganisation „China Aid“ mit Sitz in den USA berichtet in ihrem Artikel weiterhin davon, dass sie noch mehr änliche Fälle, wie den aus Urumtschi, im Verlaufe der letzten Wochen mitgeteilt bekommen habe. Sollte sich das bestätigen, läuft wohl derzeit eine weitere Einschüchterungswelle gegen die chinesischen Hauskirchen.

(Quelle: „china aid“ vom 05. August 2013)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s