Russischer Präsident besorgt über die Lage von Christen…

Nun ist Russland nicht gerade als Hort der Menschenrechte und der demokratischen Gesinnung bekannt, so wie wir im „freien Westen“ beides definieren würden. Es ist also bereits ein ebenso mächtiger wie ironischer Wink mit dem Zaunpfahl, wenn ausgerechnet aus dem Kreml in Moskau jetzt Signale kommen, dass sich die politische Führung des geographisch größten Landes auf diesem Planeten um die Christen und ihre Lage auf dem Planeten sorgt. Speziell mit dem Blick auf die Lage in Nahost.

Meiner Erfahrung nach haben orthodoxe Kirchen und ihre Amtsträger ein deutlich besser geschärftes Bewusstsein bezüglich der konkreten und ganz realen Bedrohungen, denen sich das Christentum gegenübersieht, als die „Westkirchen“, speziell die EKD oder die katholische Kirche in Deutschland. Immer wieder weise ich dabei auf Einzelgespräche mit Kopten und serbisch-orthodoxen Christen hin, die ich vor längerer Zeit in ungezwungener Atmosphäre führen durfte und die mir beinahe mehr Klarheit über die Blindheit in den „deutschen“ Kirchen, als über die Sichtweisen der Orthodoxen verschafft haben. Die Gefahr und konkrete Bedrohung, die von einem schleichend in die öffentliche und politische Sphäre eindringenden Islam ausgehen oder die durch eine radikale Abwendung vom christlichen Erbe Europas entsteht, muss vielen Orthodoxen, ganz gleich ob sie aus Griechenland, Serbien, Syrien, Ägypten oder Russland stammen, nicht wirklich erklärt werden. Die meisten von ihnen haben diese Realität ganz tief verinnerlicht, wie es scheint. Eine Entwicklung, auf die ich in deutschen Kirchen bis heute vergeblich warte.

So ist es für Sie, liebe informierte Leser, und auch für mich nicht unbedingt eine Überraschung, dass gerade die russisch-orthodoxe Kirche, bei allen Fehlern wie z. Bsp. der viel zu großen Staatsnähe, die sie begeht und die man ihr im passenden Rahmen auch mal vorwerfen kann, sich üblicherweise zum Thema der Christenverfolgung deutlicher und klarer äußert, als es die beiden „Staatskirchen-Konfessionen“ (Stichwort: Kirchensteuer) in Deutschland zu tun pflegen. Auch bei anderen Themen wie etwa der „Inklusion“ homosexuell lebender Menschen in die Kirchen oder der Ökumene sind Orthodoxe oftmals weniger leicht bereit, Grundlagen kirchlicher Doktrin und christlichen Glaubens leichtfertig über Bord zu werfen, als ihre „westlichen“ Glaubensgeschwister. Nun kommt also die Nachricht aus Moskau, dass Russlands mächtiger Mann Wladimir Putin  bei einem Treffen mit führenden Leitern der russisch-orthodoxen Kirche in der letzten Juli-Woche 2013 einige deutliche Worte zur Lage christlicher Minderheiten in den Gebieten des „arabischen Frühlings“ gefunden hat.

So wird berichtet, dass Putin u. a. auf die Lage christlicher und vor allem orthodoxer Minderheiten in Nordafrika und Nahost hingewiesen habe, wo die „Rechte religiöser Minderheiten verletzt“ würden.

Dieses drängende Problem sollte das Thema präziser Aufmerksamkeit der gesamten, internationalen Gemeinschaft sein.

Dass Putin in dieser Verlautbarung auch die gute Zusammenarbeit seiner Regierung mit der russisch-orthodoxen Kirche lobte, mit der man zum „Wohle des Landes und des Volkes“ zusammenarbeite, sei hierbei nur am Rande erwähnt. Die enge Verstrickung mit staatlichen Stellen und die traditionelle Unterwürfigkeit der russisch-orthodoxen Kirche unter den Staat habe ich ja bereits angedeutet.

Patriarch_Kirill_2-240x171Aber: Ehre, wem Ehre gebührt. Der Patriarch der russisch-orthodoxen Kirche Kyrill von Moskau hat aus diesem Treffen der orthodoxen Hirten heraus erneut auf die Situation der Christen u. a. in Syrien hingewiesen. Er sprach dabei wörtlich von einer „zivilisatorischen Katastrophe“ sollte im Rahmen des dort stattfindenden Bürgerkrieges das uralte Traditionschristentum Syriens aus dem Lande verdrängt werden. Eine Formulierung und Haltung, die ich voll und ganz nachvollziehen kann.

Das Treffen der orthodoxen Leiter fand anlässlich der Feiern zum 1025. Jubiläum der „Christianisierung Russlands“ statt, die im Jahre 988 im Staat der sog. „Kiewer Rus“ durchgeführt wurde und unter nicht unmaßgeblichem Einfluss der Kirche in Byzanz stand. Wie bereits angedeutet hat auf diesem Meeting u. a. auch der für die Ökumene zuständige Metropolit Hilarion zum wiederholten Male die Bedrohungen für die ökumenische Bewegung der Kirchen angesprochen, die von unklaren und bibelfernen Haltungen in den „Westkirchen“ ausgingen. Auch die für das Christentum bedrohlichen, politischen Entwicklungen geisselte Hilarion. Eine „Säkularisierung unter dem Deckmantel der Demokratisierung“ sprach er dabei ebenso an, wie die Homo-„Ehe“ und deren starke Gegenbewegung in Frankreich oder die wachsenden, staatlichen Bemühungen um Sicherheitsmaßnahmen, die dem Individuum viele seiner Freiheiten nähmen.

Auch nicht verheimlichen will ich die starken „panslawistischen“ Töne, die von diesem Treffen und einer weiteren Begegnung der Kirchenführer mit dem ukrainischen Präsidenten Janukowitsch ausgingen. Dieser Panslawismus ist schon seit dem späten 19. Jahrhundert immer offen oder latent gegen den „Westen“ gerichtet und soll eine kulturelle, sprachliche und religiöse Vereinheitlichung der Länder Ukraine, Weissrussland, Russland und von Teilen des Balkans mit seinen orthodoxen Kirchen vorantreiben. Diese Bewegung war einst eine der Voraussetzungen, auf denen der Erste Weltkrieg entstehen konnte, also muss man solche abgrenzenden Töne sicherlich hierzulande mit Besorgnis und Vorsicht zur Kenntnis nehmen. Andererseits wollen wir die deutlichen und besorgten Töne aus Moskau zum Thema der christlichen Minderheiten in Nahost und Nordafrika nicht überhören, da sie eben hierzulande gar nicht mehr vorstellbar erscheinen. Oder glaubt jemand, dass Frau Merkel sich mit Frau Kässmann träfe und über die „zivilisatorische Katastrophe“ des Untergangs der Urkirchen in Nahost spricht ? Nein, das ist eben hierzulande nicht mehr denkbar, schon gar nicht in einem Wahljahr, wo unsere linke Medienmaschinerie sich sofort auf die „islamophoben Untertöne“ einer solchen Unterhaltung stürzen würden.

(Quelle: „live site news“ vom 01. August 2013)

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5 Gedanken zu “Russischer Präsident besorgt über die Lage von Christen…

  1. Bei der Diskussion um die jetzt verfolgten „Urchristen“ aus dem ältesten Bestand der Christenheit
    wird leider eine Tatsache bisher übersehen. Im Jahre 2006 gab es ein Treffen hochrangiger Kirchenvertreter aller dieser alten Nahost-Kirchen. Dort wurde beschlossen, „dass der heutige Staat Israel nicht das Geringste mit den Verheißungen der Bibel zu tun hat“. Diese theologische Festlegung wurde von den entsprechenden Synoden angenommen; der einzige, der diesen Beschluss nicht billigte, war der Papst Johannes Paul in Rom, der – gegen den Willen seiner nahöstlichen Bischöfe – diese Erklärung nicht absegnete.
    Ich hörte davon als ich gerade dabei war, ein Gebets-Netzwerk gegen die Hisbollah-Raketen im
    Norden Israels aufzubauen. Als Deutscher wusste ich sofort, dass diese Kirchen den gleichen Fehler machten wie die „Deutschen Christen“. Kirchen, die das proklamieren, fallen aus dem Schutzraum von Gottes Schalom heraus und ihr Untergang ist sozusagen vorprogrammiert.
    So sehr ich alle Initiativen unterstütze, die auf das Schicksal der Christen in dieser Regioin hinweisen, so sehr wünschte ich, dass diese alten Kirchen ihren Antisemitismus ablegen und ihre geistliche Nähe zum Islam überwinden und in die Wahrheit des göttlichen Wortes zurückfinden würden. Da sie das nicht tun erkenne ich in den gegenwärtigen Katastrophen auch das Handeln
    Gottes, der seine Hand zurückgezogen hat. Mir wäre es lieb, wenn Sie diesen Aspekt bei Ihren
    zukünftigen Kommentaren berücksichtigen würden.

    • Ein interessanter, diskutabler Aspekt der Entwicklungen in Nahost. Ich gestehe, dass mir dies bislang unbekannt war, aber ich werde diese Aussage prüfen. Sollte sich das bewahrheiten, kann ich Ihre streng auf geistlicher Ebene geführte Argumentation nachvollziehen. Danke für den Hinweis ! :-)2006 war übrigens der Papst Benedikt XVI.
      Das Verhalten „arabischer“ Christen ist ohnehin leider oftmals im Spannungsfeld zwischen ihren „ethnischen“ Bindungen, ihrer weltlichen „Erziehung“ einerseits und den Anforderungen des Evangeliums und der Bibel andererseits zu sehen. Leider gibt es auch in anderen, prominenten Kirchen, die ich an dieser Stelle nicht namentlich erwähnen mag, Tendenzen dazu, sich dem gesellschaftlichen, Israel- und Judenfeindlichen Mainstream ihrer Heimatländer anzupassen. Ich sehe das ebenfalls als gefährlich an und für mich ist es ebenfalls ein „Prüfstein“ für die Glaubwürdigkeit von Christen unter dem Islam, inwieweit sie sich offen und aggressiv gegen Israel stellen oder nicht. Dennoch geht mir das Schicksal der Gemeinden, der Gläubigen in Nahost nahe. Auch sie teilen vielleicht nicht bis ins letzte Jota hinein die Sichtweisen ihrer Hirten. Ist doch bei uns genauso. Als Protestant aus Überzeugung möchte ich auch nicht (wie leider zu oft geschehen) für den Quark verantwortlich gemacht werden, den die EKD seit Jahr und Tag in diesem Land produziert.

    • Lieber Herr Tiedeke, ich hätte zwecks Recherchen gerne noch mehr Fakten über diese Synode von 2006. WO und WANN fand sie statt und wie kann man Zugang zu ihren Erklärungen und Abschlussworten finden ? Welche Kirchen waren konkret daran beteiligt ? Zur Einschätzung der geistlichen Situation benötige ich einfach mehr Fakten, bin aber sehr daran interessiert, mehr zu erfahren. 🙂

      • Sorry, ich kann leider mit Einzelheiten nicht dienen. Das ist mir peinlich, weil ich auch lieber wissenschaftlich genau arbeite mit Quellenangabe usw. Aber während des Krieges hat sich diese Diskussion sehr in mein Gedächtnis gebrannt.

        Aber ich war eigentlich in Israel, um diesen Raketenkrieg zu stoppen. Also fuhr ich mit zwei internationalen Betern von einem Ort zum anderen – bis wir ganz oben im Norden an die libanesische Grenze kamen. In jedem Dorf baten wir die Leute, täglich zu beten und den göttlichen Schalom über ihren Ort zu ziehen. Das sprach sich schnell herum, denn die meisten Leute flohen in den Süden. Es stellte sich dann auch schnell heraus, dass überall da, wo wir gebetet hatten, die Raketen keinen Schaden anrichten konnten. Die Hisbollah steigerte ihre Abschüsse von 50 auf mehr als 200, später 280 am Tag. Sie haben ihre Spione überall in Israel, die sofort bei den Tätern anrufen und Allah akbar schreien. Sie freuen sich über alle Schäden und berichten darüber. Aber nach dem Gebet gab es nichts zu melden, denn die Raketen landeten im Wasser, im Ödland, in der Steppe – und richteten keinen nennenswerten Schaden an. Während der Ausbildung von regionalen Gebetsleitern kamen die arabischen Brüder auf diese Konferenz zu sprechen, aber ich habe leider die Einzelheiten vergessen.
        Deutlich ging es um die traditionellen orientalischen Kirchen: Kopten, Syrier, Libanesen,
        Orthodoxe (Antiochia-Patriarchat). Baptisten und andere Freikirchler wurden nicht zugelassen,
        da ihr Priesteramt nicht anerkannt wurde. Ich hatte Mühe, wenigstens die Baptisten von der
        Gefährlichkeit dieser theologischen Festlegung zu überzeugen.

        In der Tat ist es für die arabischen Christen sehr schwer, ihre eigene Identität zu bewahren.
        Ich traf in der Westbank einen ausländischen Gemeindeleiter, der eine arabische Frau geheiratet hatte und die israelische Staatsangehörigkeit angenommen hat. Er erzählte mir, wie es bei seiner letzten Bewerbung um eine Gemeinde zuging. Er musste predigen und eine Jugendstunde halten. Er wollte es gut und spannend machen und erzählte den Kindern die Geschichte von David und Goliat. Zu seinem Erstaunen musste er die Stunde abbrechen und wurden die Fenster des Hauses, in dem er untergebracht war, eingeschlagen. Denn die Kinder identifizierten sich als Palästinenser – arabisch filistiin – mit dem Philister!

        Leider bin ich so mit anderen Arbeiten eingedeckt, dass ich nicht selbst recherchieren kann.
        Möglicherweise war die Konferenz auch schon etwas eher, denn es ging um den polnischen Papst und seine Entscheidung. Jedenfalls ist dies für mich ein Anlass, mit den Christen, die aus dem nahen Osten zu uns fliehen, über Antisemitismus und seine schrecklichen Folgen zu sprechen.

        Sollte meine Einschätzung zutreffen, dann werden wir in den nächsten Jahren von unvorstellbaren Gräueltaten aus diesen Ländern hören. Denn Demokratie hat eine Schwach-
        stelle: Wenn man zwei große Lager hat, die etwa gleich stark sind (wie in Belgien – 18 Monate ohne handlungsfähige Regierung, oder Nigeria), dann sind Bürgerkriege vorauszusehen.
        In Ägypten kommt nun noch dazu, dass ein überwiegender Teil der Bevölkerung hinter der
        Muslimbruderschaft steht. Aber die wohnen auf dem platten Land. Eine starke Minderheit will westliche Verhältnisse und einen säkularen, moderaten Staat. Sie haben die Gängelungen durch die Mullahs satt. Aber das sind die Städter. Wenn man die menschliche Geschichte kennt weiß man, dass in den Städten Politik gemacht wird. Dort fallen die Entscheidungen. Die Landleute abersind die Mehrheit – und sie fordern ihren demokratisch gewählten Präsidenten zurück. Da sind nun auch die amerikanischen Diplomaten mit ihrem Latein am Ende. Und alles Abhören und Einmischen wird nicht helfen.
        Aber wer tritt in den Riss – und tritt wirklich ein für eine Gesellschaft, die ihre Hoffnungen auf
        einen Gott setzt, der zwar zerstören, aber nicht heilen kann?

  2. Pingback: Berliner Gebetskreis verfolgte Kirche | erfplus

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